Sonnenschein, der Dachstein und ein Kuss von IHR

Mai 12, 2008 um 9:11 am | Veröffentlicht in Bad Goisern | 2 Kommentare
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Die Sonne scheint jeden Tag. Nur sieht man sie oft nicht, weil sie von Wolken verdeckt wird. Heute, am Pfingstmontag, aber ist kein Wölkchen am Himmel und sie kann mein Tal erhellen. Die Blumen blühen überall. Besonders hier heroben, am Predigstuhl. Es scheint mir, als würde die Wiese unter mir überblühen, so bunt ist sie. Millionen von Blumen haben den Kampf gegen das Gras gewonnen und überragen es nun. Auch der grösste Künstler kann keinen solch bunten Teppich knüpfen, wie es hier die Natur tat. Mein Blick schweift hinunter über die blühende Wiese, am Wanderer vorbei, hin zum Hallstättersee. Er liegt in einem tiefen Einschnitt der Landschaft und die Sonne hat ihn noch nicht erreicht. Daher ist er noch dunkel und beinahe drohend. Über ihm aber erhebt sich der Krippenstein und sein Schnee glänzt in der Sonne blendend weiß. Rechts von ihm ragt der Dachstein auf, mit seinen großen Gletschern. Ich vermeine ihn, wie immer, rufen zu hören, kumm aufi Bua, kumm aufi. Und wieder werde ich seinem Ruf wiederstehen, vielleicht ein letztes Mal. Denn ins Unermessliche ist inzwischen mein Wunsch gestiegen, ihn einmal zu bezwingen, mich durch Schneestürme zu kämpfen, Gletscherspalten zu überwinden und der Kälte zu trotzen. Ausserdem geht da von irgendwo auch eine Seilbahn hinauf, wenn auch nicht ganz auf den Gipfel. Jetzt aber sitze ich hier auf der Terasse des →Berghotels Predigstuhl und aus der Küche höre ich den Lockruf des Kaffees, Bua bestell mich, Bua bestell mich. Und ich erliege diesem Lockruf sofort und bestelle einen Verlängerten. Serviert wird er von der hübschen Kellnerin in ihren hautengen Lederhosen, die ihre Formen trefflichst betonen. Vielen Erinnerungen kann ich hier heroben nachgehen. Früher führte ein Sessellift herauf, zum Berghotel. Es war immer wie ein Weihnachten und Ostern zusammen, wenn Vater mich, meine Geschwister und meine Mutter zu einer Sesselliftfahrt einlud. Wir wanderten dann vom Hotel zurück, zur Rossmoosalm oder gar zum Hütteneck. Das war jedesmal ein Abenteuer, insbesondere, weil wir Brüder Steinschleudern mithatten und Zielschiessen veranstalteten, Vater aber nichts davon bemerken durfte. Er hat sich dann gewundert, wenn plötzlich einer von uns an der Stirn blutete. Hingefallen bin ich, da hinten, sagte ich dann zu ihm, der Klaus auch. Vater wird sich gewundert haben, dass er Buben hatte, die beim Gehen so oft hinfielen. Und im Winter bin ich oft mit dem Lift heraufgefahren, um mit Freunden Ski zu fahren. Häufig hatten wir einen lustigen Nachmittag im Restaurant, bei Musik und Gesang. Dann wurde es spät und wir mussten uns beeilen, um noch vor Einbruch der Dunkelheit noch das Tal zu erreichen. Aber geschafft haben wir es immer. Unzählige male  lag ich im Frühling in der Wiese unter dem Berghotel, mit geschlossenen Augen, und hing meinen Gedanken und Träumen nach, während die Blumen mir zuflüsterten, es wird gut, es wird gut, es wird gut, ruhe dich hier aus. Und mit ihr war ich heroben, als ich sie das erste mal zum Essen ausführte. Stundenlang haben wir miteinander gesprochen, wie man nur mit ihr sprechen kann, interessant, klug und amüsant. Und als es Nacht war, Zeit, nach Hause zu fahren, ich hierhin, sie dorthin, standen wir unter den Bäumen beim Auto und sie gab mir einen Kuss. Den werde ich nie vergessen. Denn seit damals weiss ich, dass es etwas noch Schöneres gibt als eine Blumenwiese im Sonnenschein – den →Kuss einer geliebten Frau im Mondschein.

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2 Kommentare »

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  1. Deine Geliebte ist zu beneiden.

  2. Hoffentlich weiß sie das.


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