Schreiben statt schreien im Wind oder Kein Sex mit Küchenschaben

Juni 18, 2008 um 9:59 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 1 Kommentar
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Es gibt Augenblicke, da muss ich unbedingt und sofort mit dem aufhören, was ich gerade tue. Dann muss ich mich hinsetzen, den Laptop einschalten, auf mein Blogg gehen und schreiben, schreiben, schreiben, so wie jetzt, schreiben, schreiben, schreiben. Da ist mir alles egal, auch die Europameisterschaft, die mir ohnehin ziemlich egal ist, weil gegen die Deutschen haben wir verloren und wenn wir gegen die verlieren haben wir bei der Meisterschaft nichts verloren, weil man nur verlieren kann, wenn man Etwas hat und wir haben nichts, schon gar nicht ein Tor, höchstens zwei Toren, als Bundeskanzler und als Oppositionsführer und ich muss bei den beiden immer daran denken, was →Simplicius Simplicissimus tat, als er im tiefen Walde einen Mönch traf und mit diesem redete und erkannte, dass er ein Tor war und Mönch wurde oder so ähnlich, jedenfalls wurde er am Schluss seines Lebens Einsiedler, ich glaube, dass der Satz →“Nosce Te Ipsum“ oder →“Gnothi Seauton“ dabei eine Rolle spielte, eine Rolle, die er im Leben von vielen oder allen Menschen, auch in meinem,  eine Rolle spielen sollte.. Das würde unseren oberen Menschen auch nicht schaden, einmal tief in den Wald zu gehen und zu denken und einen Mönch zu suchen, der ihnen sagt, worum  es geht und dann sollen sie selber den Schluss daraus ziehen und das tun, was sie tun sollen, in der Einsamkeit zu leben und zu denken und froh sein, dass sie das was war, hinter sich haben und eigentlich wäre es dann schade für die Menschen, weil diejenigen, die endlich erkannt haben, worum es geht, in der Einsamkeit im tiefen Wald blieben. Aber sie werden es nicht tun, sondern sich an ihre Ämter klammern, wie an einen der Bäume, wie sie im Tiefen Wald stehen, in der Einsamkeit. Ich möchte schreien, aus Verzweiflung, aus Angst, aus Wut und aus Schmerz, so wie jeder Mensch, der nicht durch Alkohol, Heroin, Arbeit oder Sex betrunken und betäubt ist, ich zähle auch noch Geldgier und Karrieresucht dazu, schreien würde, weil er diese Gefühle haben müsste, wenn er Mensch wäre und da kämen aber noch die anderen Gefühle hinzu, die einen auch schreien lassen, nähmlich das Glück und die Liebe und Freundschaft und Zuneigung und Mitgefühl und vieles noch, was Gutes im Leben ausgedrücktwerden  kann und soll und muss und dennoch hinuntergeschluckt werden muss, soll, muss, soll und muss zur Dritten Potenz und deshalb, weil man das alles nicht hinausschreien kann, musss man es schreiben, weil der letzte Satz im →Tractatus vom Wittgenstein ist eigentlich Unsinn, wenn er da sagt, worüber man nicht sprechen könne, darüber müsse man schweigen. Weil wenn man nicht darüber sprechen kann, hängt das oft damit zusammen, dass man niemanden hat, mit dem man sprechen kann, sei es wegen dessen Abwesenheit  oder wegen dessen Unverständnis und dann muss muss muss und soll soll soll  man nicht schweigen sondern muss Es laut hinausschreien, sodass Es die ganze Welt hört und wenn es nur eine Küchenschabe hört, dann steht diese Küchenschabe halt für die ganze Welt, aber eine Küchenschabe ist ohnehin oft besser als ein Mensch, oder die Welt an sich , jedenfalls zum Zuhören und sonst vielleicht auch, aber Sex möchte ich mit einer Küchenschabe nicht haben, aber schreien möchte ich, schreien möchte ich, alles hinaus, alles hinaus, nichts in mir behalten, mich leeren, meine Seele leeren mein Herz leeren und mein Hirn leeren, sodass ich nur noch eine Hülle bin, mit der der Wind machen kann, was er will und ich werde mich dem Willen des Windes beugen und tun was er will, zum Beispiel auf einen Berg fliegen und von dort oben auf die kleinen Menschen herunterblicken und froh sein, dass ich nur mehr eine Hülle bin und doch mehr weiss als alle die anderen, die noch voll sind und dies nicht wissen. Aber weil ich nicht schreien kann und weil mich der Wind noch nicht zu seinem Gefährten gemacht hat und weil ich noch nicht leer bin sonder voller Innereien seelischer und körperlicher und geistiger und sonstiger Art, schreibe ich und schreibe ich und schreibe ich und weiß schon gar nicht mehr, ob ich nicht doch schon auf einem Berg stehe und mich dem Wind überlassen habe, weil mir auch beim Schreiben so leicht wird, als wäre ich leer und hätte nur noch mein Ich in mir und das muss mir genügen, weil das ist da was ich bin und nicht das, was ich nicht bin. Oder bin ich eine Küchenschabe, nein doch eher nicht, weil Küchenschaben können nicht schreiben, es bleibt dabei, leer und Ich, leer und Ich, leer und Ich, und so ist es gut. Ich danke dem Schreiben. Tschüss

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  1. Du hast doch die Alpen vor der Nase oder sogar unter derselben. Es gibt kaum einen besseren Ort, um frühmorgens mal rauszugehen und laut zu schreien. Abgesehen davon: solange Dir noch Formulierungen wie diese Überschrift einfallen, ist nichts verloren.


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