Pferd mit zwei Köpfen – Fotobeweis

Juli 30, 2008 um 10:48 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 7 Kommentare
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In Bad Goisern hält ein Bauer schon seit Jahren ein Pferd mit 2 Köpfen versteckt. Mir ist es jetzt gelungen, davon ein Foto zu machen.

Pferd mit 2 Köpfen

Pferd mit 2 Köpfen

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Eine Liebe in Paris

Juli 30, 2008 um 7:20 pm | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar
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Dieser Platz hier ist reserviert für eine der schönsten Liebesgeschichten der Weltliteratur, Franz und Gloria, Paris und der Sommer sind die Protagonisten. Ungefähr wird sie so anfangen: La vie en rose, diese Melodie lag über Paris, während ich mit Gloria meine glückliche Zeit in dieser wunderbaren Stadt verbrachte. In der Mitte werden wir den Bois de Bologne aufsuchen, keinen unbesetzten Platz finden und so ganz Paris nach einem verborgenen Winkel durchsuchen. Und die Geschichte wird enden ungefähr so: Dann weinte ich bitterlich.

Was machen Pfeifen auf der Alm?

Juli 30, 2008 um 9:33 am | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
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Am 15. August findet der alljährliche Pfeifertag statt – diesmal auf der Rossmoosalm in Bad Goisern

 

Da Herrgott kann nit weit sein,

Da müasst i mi irrn.

Na, er sitzt mittn drinn

Und tuat dirigiern.

Soweit das offizielle Gedicht. Ich aber singe:

Wonn i zum tonzn geh,

tuat ma mei Fuaß nit weh.

Wonn i oaweitn muaß,

is gonz aus mit mein Fuaß.

 

Die Zeilen dieses kleinen Gedichtes könnte man als Motto für den kommenden Pfeifertag verwenden, so gut passen diese Worte dazu. Wenn man vom Pfeifertag oder von den Pfeifern spricht, dann meint man im Salzkammergut den Tag der „Seitlpfeifen“ oder die „Seitlpfeifer“.  Die „Seitlpfeife“ ist eine Querflöte aus Holz, ein kleines aber feines Instrument, es ist quasi unverwüstlich, sodass man es überall hin mitnehmen kann. So mancher Sommerfrischler wird erstaunt gewesen sein, wenn im Gasthaus oder auf der Alm plötzlich einige Goiserer in die Innentasche ihres grünen Rockes griffen, eine Seitlpfeife herauszogen und einfach aus der Freude am Beisammensein und der Freude an der Musik plötzlich am Stammtisch zu spielen begannen. Das gibt es in dieser  Form wohl wirklich nur noch im Salzkammergut, unorganisiertes, echtes Brauchtum. Die Seitlpfeife in ihrer heutigen Form ist seit dem Mittelalter unverändert geblieben. Aus ihr lässt sich viel herausholen, am beliebtesten sind Märsche, Steirer, Landler, wozu sich trefflich das Tanzbein schwingen lässt, und Jodler.

 

Gegründet wurden die Pfeifertage  im Jahr 1925 vom damaligen Bergmeister der Salinen in Bad Aussee Leopold Khals.

 

Damals gab es nur mehr wenige Pfeifer im Salzkammergut und das Spiel mit den Schwegel- bzw. Seitelpfeifen drohte auszusterben. So kam Leopold Khals auf die Idee, einen Pfeifertag abzuhalten, wo sich alle Pfeifer, Trommler und Maultrommler einfinden sollten um das vorhandene Liedgut zu pflegen.

 

Das geschah am 15. August 1925 auf der Blaa-Alm in Altaussee. Ca. 15 Pfeifer trafen sich zum ersten Pfeifertag. Hier wurde festgelegt, dass fortan der Pfeifertag jedes Jahr, immer am 15. August an einem, das Jahr zuvor festgelegten Treffpunkt im Salzkammergut (Oberösterreich, Salzburg oder Steiermark) staffinden sollte.

Jeder Pfeifer sollte versuchen, junge Pfeifer anzulernen und zum Pfeifertag mitzubringen. So wuchs im Laufe der Zeit die Zahl der „Seitlpfeifer“ stetig an.

Im Jahr 1929 wurde die erste Radioübertragung vom Pfeifertag durchgeführt.

 

Nach einer Unterbrechung durch den 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 begannen die Pfeifertage wieder in Bad Ischl auf der Hoisenradalm und werden seit dieser Zeit jedes Jahr auf einer anderen Alm im Salzkammergut durchgeführt.

 

Um die ursprüngliche Tradition der Pfeifertage aufrecht zu erhalten, wurde im Sinne des Gründers der Pfeifertage, folgender Modus gefunden: „Bis 12 Uhr Mittags dürfen keine anderen Instrumente als Trommeln, Pfeifen und Maultrommeln erklingen. Erst nachdem um 12 Uhr der nächste Pfeifertag (in Form eines Gedichtes) verkündet wurde, darf auch mit anderen Instrumenten gespielt werden.“

 

Der Beginn des Pfeifertages ist bereits der frühe Morgen (ca. 7 Uhr). Nach und nach trudeln die Pfeifergruppen ein, ein ungezwungenes freies Spielen beginnt. Jeder sucht sich einen Platz nach Lust und Laune. Es gibt kein fixes Programm. Echtes Brauchtum braucht kein Programm, es organisiert sich von selbst. Wenn man echte, unverfälschte Freude am alten Brauch, an der echten Volksmusik und am Tanz  – und damit auch am Leben an sich – miterlebt haben will, muss man einmal beim Pfeifertag dabei gewesen sein.

 

Am 15. August 2008 wird der Pfeifertag auf der Bad Goiserer Rossmoosalm im Zuge der Landesausstellung „geigen, gwand & goiserer“ stattfinden. Die Gelegenheit, auch diese Landesausstellung im Schloss Wildenstein zu besuchen, sollte man – und Frau – sich nicht entgehen lassen.

 

Ab 8 Uhr gibt es einen Shuttledienst bis zum Berghotel Predigstuhl

1. vom Marktplatz  von Bad Goisern

2. vom Parkplatz beim Hofer-Markt

Vom Berghotel Predigstuhl ist die Rossmoosalm zu Fuß auf einem gut befestigten Wanderweg gemütlich in ca. 20 Minuten zu erreichen.

 

Parkmöglichkeiten gibt es in Bad Goisern kostenlos :

hinter dem Gemeindeamt

beim Landesausstellungsgebäude Schloss Neuwildenstein

beim Hofer-Markt

auf kleineren Parkflächen, die über das gesamte Ortsgebiet verteilt sind

 

Oh, der arme Westi -oije, verurteilt, aber wie immer gilt die Unschuldsvermutung

Juli 29, 2008 um 8:10 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 5 Kommentare
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Der Arme Westi, verurteilt wegen falscher Zeugenaussage zu 9 Monaten bedingt. Niemals hätte ich es geahnt, dass er nach dem Urteil vor Reportern der Justizministerin die Schuld am Urteil zuschreibt und sich als Opfer fühlt. Nein so was!

Und nicht im Entferntesten hätte ich mir träumen lassen, dass der Jörg den Westi gleich nach dem Urteil als Spitzenkandidaten des BZÖ fallen lässt, wie eine heiße Kartoffel.

Jetzt muss nur noch Grasser vom Meinl verjagd werden und wir leben wirklich in einem Unrechtsstaat.

Deutschen Blogs fehlt es an Macht und Bedeutung

Juli 27, 2008 um 9:40 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 10 Kommentare
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sagt der →Spiegel. Weiters erklärt der Spiegel, dass wir überhaupt weit hinter den Amerikanern hinsichtlich der Bloggerei zurückliegen würden. In den USA gäbe es Superstars unter den Bloggern, die sogar von ihrer Bloggerei leben können. Auch würde generell viel mehr gebloggt. In Deutschland gäbe es nur ca. 500 000 Blogs, von denen lediglich 200 000 aktiv wären. In den USA würden die Blogger auch über politische Macht verfügen und Wahlen entscheiden können. Da lägen wir noch weit zurück, naja, nicht wir, die Deutschen. Aber ehrlich gesagt, wir auch. Ich selbst kenne einige Blogs, die ich sofort zu meinen Lieblingsblogs erklären könnte, erwähne hier aber nur einen Blog, den ich unter die Superstars zählen würde: „krimi.krimi“. Das ist ein Blog, wie er sein soll. Voll konzentriert auf ein Thema und dadurch sehr kompetent. Während ich halt so herumschreibe, wie viele andere. Aber wen kümmert schon meine Befindlichkeit. Deshalb schreibe ich zumindest darüber nur selten. Da ich kein Rabbi in einem schiitischen Viertel in Bagdad bin, geht es mir verhältnismäßig gut.

Warum in Bad Goisern Wale nicht erwünscht sind

Juli 23, 2008 um 10:00 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 4 Kommentare
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Warum in Goisern Wale nicht erwünscht sind

 

In Bad Goisern finden jedes Jahr die Gamsjagatage statt. Es wird ein großes Bierzelt aufgestellt, in dem man – nona – Bier trinken und „Würzige Bratwürstel mit Sauerkraut, Senf und Semmel“ um € 4,80 oder „Herzhaftes Wilderer-Gulasch von heimischen Wildsäuen mit Eier-Spätzle“ um € 10,50 oder „Geschmorte Gamskeule mit Schwammerln, dazu Weinkraut und Serviettenknöde“ auch um € 10,50 essen kann. Das ist sehr lustig. Dazu gibt es die verschiedensten Veranstaltungen. Diese finden im großen Bierzelt oder in den kleineren Zelten, die rundherum auch aufgestellt sind, statt. Aus mir unerklärlichen Gründen stehen manche Zelte, Alkoholinflaschenverkaufsstände und Alkoholausschankstätten auf dem Grund der Goiserer Hauptschule I, die den Titel Welterbehauptschule trägt. Ob Schnapsverkauf in Flaschen zum Welterbe zählt? Wahrscheinlich schon, wenn es sich um echten Obstler oder Zirbenschnaps handelt. Kann man sich denn eine Welt ohne Obstler ohne Zirbernen vorstellen? Die Antwort ist klar: Niemand in der Welt kann sich die Welt ohne Goiserer Obstler vorstellen oder gar ohne Zirbenschnaps. Obstler und Zirbenschnaps aus Bad Goisern zählen daher zum Welterbe. Und hier ist der Zusammenhang zwischen Welterbe, Hauptschule, deren Grundstück, den Verkaufsständen und dem Schnaps. Ohne Schnapsverkauf auf dem Hauptschulgrundstück würde die Schule nicht zum Welterbe zählen.

 

Zur Unterhaltung der Biertrinker und Wildsäueverspeiser im großen Bierzelt finden, wie schon gesagt, Veranstaltungen statt. Zu den verschiedenen Tageszeiten treten die verschiedenen Goiserer Blasmusikkapellen auf, aber auch kleinere Musikgruppen. So ist es möglich, dass man schon um 10 Uhr vormittags schunkeln kann, was zur Hebung des Fremdenverkehrs erheblich beiträgt. Jeder Deutsche will nämlich schunkeln, so wie jeder Goiserer paschen will, und zwar immer und zu jeder Zeit. „Und jetzt mal den Rhein so schön“, brüllt schon um 10.30 Uhr Hans-Uwe aus Wanne-Eickel zur Kapelle und zieht seine Gattin Hannelore mit dem Arm nach rechts. Der Nachbar auf der anderen Hanneloreseite, Jens-Holger aus Hannover, zieht diese aber nach links, das nennt man dann disharmonisches Schunkeln. Solcherart wird Hannelore auseinandergezogen und wieder zusammengequetscht. Hannelore gefällt das, besonders das Zusammengedrücktwerden. Deswegen kommt sie ja jedes Jahr nach Goisern zu den Gamsjagatagen. „Juhu, schreit sie, juhu, dat is ne Gaudi, komm Hans-Uwe, komm Jens-Holger, schunkelt mich, dat tut jut.“

 

Der Kapellmeister hört aber den Wunsch des Hans-Uwe nach dem schönen Rhein nicht, weil die Goiserer zur soeben gespielten Melodie paschen. Paschen, d.h., mit den Flachen Händen so aufeinanderschlagen, als säße auf der einen Hand eine Fliege und man wolle sie mit der anderen Hand erschlagen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Es ist höchste Kunst. Die Goiserer paschen nämlich nicht wie ein Mann alle zusammen den selben Rhythmus, sondern mehrere ähnliche Rhythmen zur gleichen Zeit. Während der eine gerade die Fliege erschlägt, sozusagen, zieht der andere mit der Hand gerade aus und während dieser dann zuschlägt, öffnet der andere wieder seine Hände, um die soeben theoretisch gefangene Fliege wieder auszulassen,. Hier aber verlassen mich meine Kenntnisse, weil jetzt kommt es auch zum sogenannten „Drittern“, wobei eine dritter Biertrinker einen dritten Rhythmus schlägt und zwar doppelt so schnell, wie die anderen zwei, so als würde er besonders stark von Fliegen belästigt. Das Ganze passt aber zueinander und ergibt einen einheitlichen Gesamtrhythmus, der von den Deutschen mit ihrem stummen Schunkeln übernommen wird. Und so bilden sie eine einmalige Einheit, die Goiserer und die deutschen Touristen, wie es sie auf der Welt nicht noch einmal gibt. Die Deutschen schreien dazu zwischendurch „Juhu“, die Goiserer „Juhuhuhui“, beides bedeutet auf Hochdeutsch „Juchhu!“

 

Wenn alle genügend besoffen sind, gehen sie entweder nach Hause, um sich ihren Rausch mittagsauszuschlafen, um am Abend wieder fit zu sein oder sie schlafen mit dem auf den Tischen verschränkten Armen gleich an Ort und Stelle ein, auch um wieder fit zu werden und den nächsten Höhepunkt nicht zu versäumen.

 

Der nächste Höhepunkt vor dem absoluten Höhepunkt ist das Wadenmessen. Auch deswegen kommen die Hannelores nach Goisern. Wo sonst sieht man solche Männerwaden? Ich wäre ja mehr für einen Damenwadenwettbewerb in Seidenstrümpfen, aber damit habe ich mich nicht durchgesetzt. Und so kommt es alljährlich nur zum Bewerten von männlichen Waden in grün (Goiserer), blau (Salzburger) oder weiß (Bayern) gestrickten Stutzen. Niemals habe ich einen Gewinner von auswärts erlebt, also auch keinen aus Lauffen oder gar von Bad Ischl. Es gewinnt immer ein Paar Goiserer Waden. Das ist quasi ein Naturgesetz und wurde noch nie durchbrochen. Bestechung kann nicht vorliegen, weil sonst würde der Bürgermeister gewinnen, der auch jedes Mal antritt, aber nie gewinnt. Heuer wurde er übrigens von der unbestechlichen Jury disqualifiziert, weil er vom halbverdeckten Laufsteg fiel und dadurch nicht nur wadenmäßig, sondern zur Gänze sichtbar wurde. Ein zwar mutiger und lebensgefährlicher aber leicht zu durchschauender Trick, der danebenging. Die Jury ging selbstverständlich davon aus, dass beim Fallen der Alkohol keine Rolle gespielt haben kann. Hier sieht man wieder, dass bei uns Politiker nicht nach dem äußeren Erscheinungsbild gewählt werden, sondern aufgrund innerer Werte, z.B. der Leber. Die Hannelores werden jedenfalls fast verrückt vor Wadenansichten. Für sie muss unser Wettbewerb so etwas sein, wie St. Pauli für die Goiserer. Die Hans-Uwes steigen zwar manchmal auf den Tisch und rollen ihre Hosenbeine hoch und zeigen ihre bleichen, dünnen Waderl, werden aber von ihren Frauen nicht beachtet. Sie trösten sich daher mit noch mehr Bier und warten darauf, dass wieder geschunkelt wird, da können sie wieder „ran an die Weiber“, wie sie so sagen.

 

Den absoluten Höhepunkt stellt aber die jährliche Europameisterschaft im Nachahmen von Vogelstimmen dar. Auch von diesem Wettbewerb sind Frauen ausgeschlossen, weil Nachtigallenstimmen nicht zugelassen sind. Und einen Gimpel, Zeisig, Kuckuck oder gar Adler kann nur eine männliche Stimme nachahmen. Schließlich heißt es DER Gimpel, DER Adler, DER Zeisig, DER Kuckuck und DIE Nachtigall. Da stehen dann also erwachsene Männer, meist nebenberufliche Vogelfänger, auf der Bühne vor dem Mikrophon und zwitschern, pfeifen, kuckuen und zirpen, dass es eine Freude ist. Von den Besten verlangt das Publikum Zugaben, als würde Anna Netrebko singen, und so ist das Zelt oft bis in die Nacht von falschen Vögeltönen gefüllt. Das Publikum tobt und würde Anna persönlich erscheinen, keiner würde sie beachten. Naja, ganz ehrlich, es käme auf ihr Kleid an. Heuer wurde der Dritte ein Goiserer, Christian Spreitzer, ein anderer Goiserer, Christoph Gschwandtner wurde Zweiter und Vorvorletzter wurde ein Bayer, dessen Namen ich vergessen habe.

 

Nicht alle aber hatten bisher ihre Freude mit diesem Wettbewerb, bevorzugte er doch Vogelfänger. Die Fischer fühlten sich benachteiligt, wobei doch die Fischerei ein ebenso edles Handwerk ist, wie das Vogelfangen. Und so störten sie im letzten Jahr diesen Bewerb der Vogelstimmennachahmer mit lauten Zwischenrufen wie: „Besser sind Fische als Vögeln“, oder „Vogelfänger die sind dumm, kriechen nur im Wald herum“, „Es kommt kein Vogel auf den Tisch, essen tut man nur den Fisch, juchhe“, „Es gibt nichts Echternes, als was Hechternes“, und – politisch nicht ganz korrekt – „Gebt auch Fischen eine Stimme, es lebe die Demokratie“.

 

Letzteres Argument gab den Ausschlag. Während die Ischler noch immer dem Kaiser nachtrauern, sind die Goiserer nämlich waschechte Demokraten, seit Jahrhunderten. So sagten sie schon um 1500 „Der Wald und das Wild gehört allen, nicht nur dem Kaiser“. Und sie wurden Wilderer und schossen dem Kaiser, der mit Ischler Jägern unterwegs war, die ihm Rehe und Hirsche vor die Flinte trieben, die Rehe und Hirsche vor der kaiserlichen Flinte und vor den Ischler Jägern weg. So wurden das Wild gerecht verteilt und die Goiserer Wilderer können sich mit Fug und Recht als Nachfolger der klassischen Griechen, als die wiedergeborenen Demokraten, heißen. Im Geschichtsunterricht ist das als die „Goiserer Renaissance des 15.Jhdts.“ bekannt. Die Habsburger mussten diese Wildererbewegung akzeptieren und seufzten oft laut auf, wenn sie wieder einmal Bericht erhielten, von dem kleinen unbeugsamen Stamm hinter dem Katringebirge, der schon zur Römerzeit von den Besatzungen der Lager Ischlorum, Lauffanum, Langwiesium und Kleingosum nicht beherrscht oder gar besiegt werden konnte. Der Zirbenschnaps soll ihnen übermenschliche Kräfte verleihen haben.

 

Jedenfalls habe sich die Fischer durchgesetzt und so fand heuer anlässlich der Gamsjagatage nicht nur ein Vogelstimmennachahmungswettbewerb statt, sondern auch ein Fischstimmennachahmungswettbewerb. Und weil die Fischer sich als Demokraten deklariert hatten, mussten sie auch Frauen zulassen. Fischer haben ohnehin kein gestörtes Verhältnis zu Frauen, man denke nur an die Nixen im Hallstättersee, die sich in Vollmondnächten mit den Fischern vereinen sollen. Das dürfte aber in den Bereich der Märchen fallen. Ein englischer Sommergast soll sich einmal gewundert haben, als er sah, wie ein Goiserer Fischer eine im Netz gefangene Nixe wieder in den See zurückwarf. „Why?“ soll er gefragt haben. „“How?“ soll der Goiserer geantwortet haben.

 

Der Vogelstimmennachahmungswettbewerb war also zu Ende, da verkündete der Bierzeltsprecher als nächsten Höhepunkt den Fischstimmennachahmungswettbewerb. Sogleich trat Hans Saiblinger, der Fischerobmann ans Mikrophon und kündigte an: „Als erster wird nun der Seer Sepp aus Obersee eine Forelle nachmachen.“ Und der Seer Sepp trat vor das Mikrophon und öffnete seinen Mund. Wie aber bekannt ist, haben Fische keine Stimme, sie machen das Maul auf und zu und wedeln mit der Rückenflosse.

 

Und so stand der Sepp vor dem Mikrophon, sperrte seinen Mund weit auf, formte ihn zu einem O und schloss ihn wieder, öffnetet den Mund und schloss ihn wieder. Das wiederholte er viele Male. Dazu legte er seine linke Hand auf den Rücken und wedelte mit ihr wie mit einer Flosse. Man hörte keinen Laut. „Stumm ist er, herrlich“, flüsterte die Huber Resi ihrem Hugo zu, „keinen Laut kann man hören, wie eine Forelle. Echt, man könnte glauben, da steht wirklich eine Forelle auf der Bühne.“ Und der Seer Sepp beendete seine Nachahmung mit einem wilden Zittern seiner linken Hand am Rücken. Das Publikum klatschte wie verrückt, so eine Nachahmung hatte man noch nie erlebt. „Warte erst bis der Schnöller Gustl mit seinem Hecht kommt, der ist noch superer“, rief Hugo durch den lauten Applaus seiner Resi zu. Und sie musste nicht lange warten.

 

Der Schnöller Gustl trat vor das Mikrophon und kündigte an: „Jetzt kommt ein Hecht“. Er öffnete seinen Mund, formte ihn zu einem E, wodurch der Mund breiter wird als bei einem O und schloss ihn wieder, öffnete ihn und schloss ihn wieder, immer wieder. Und weil ein Hecht auch Seitenflossen hat, legte er eine Hand an den Rücken und eine an die Hüfte und wedelte mir beiden, wie ein Hecht. Das Publikum tobte. „Zugabe, Zugabe“ rief es und konnte sich nicht beruhigen. Gustl kam dem Wunsch gerne nach, wedelte wieder mit seinen Händen und formte seinen Mund nochmals zu einem E, hing aber ein I daran, wodurch sich die Mundwinkel leicht nach oben zogen, sodass der Hecht diesmal lächelte. Der Applaus wollte kein Ende nehmen. Gustl musste aber aufhören, weil jetzt war die Zenzi Wieser an der Reihe. Zenzi war eine fesche junge Maid, mit blitzenden blauen Augen, blonden langen Haaren, viel Holz vor der Hütten, wie man so sagt und einem roten Mund, der eine Sünde war. „Deine Lippen, sie küssen so heiß“, dieses Lied schien für sie komponiert geworden zu sein.

 

Zenzi öffnete ihren Mund und öffnete ihren Mund und öffnete ihren Mund und schien gar nicht mehr aufzuhören damit. Sie hatte plötzlich einen so großen Mund, dass das Mikrophon aussah, als wäre es ihr Zapferl. „Einen Wal macht sie nach, einen Wal“, flüsterte Resi dem Hugo zu, „wenn das nur gut geht.“ Und Zenzi begann laut hörbar zu atmen und hatte dabei beide Hände auf den Rücken gelegt und wedelte damit wie ein Wal mit seiner Schwanzflosse. Sie atmete ein und saugte damit die Biergläser von der ersten Tischreihe an, die umfielen. Dann atmete sie aus und blies dabei die Biergläser von den Tischen der zweiten und dritten Reihe um. Wieder saugte sie Luft ein und die Tischtücher von allen Tischen flogen auf die Bühne, alle restlichen Biergläser fielen um. Als sie die Luft wieder ausstieß, blies sie die Leute von den Sitzen, ein Tumult entstand. Mit dem nächsten Atemzug saugte sie das Zeltdach herab auf die Bühne, die Zeltträger gaben nach und das Bierzelt wankte. Als sie zum dritten male ausatmete, flog das Zelt davon, die Zuseher wirbelten durcheinander und einige von ihnen landeten auf Bäumen. „Um Gottes Willen, aufhören Zenzi, aufhören Zenzi“, brüllte der Bierzeltsprecher verzweifelt, „du bringst uns alle um“. Zenzi hatte aber erst angefangen, einen Wal nachzumachen und wollte so schnell nicht wieder aufhören und sie saugte Luft ein und blies sie wieder aus, sie saugte Luft ein und blies sie wieder aus und hatte ihre Freude daran. Alles wirbelte durch die Luft: Tische, Bänke, Bierkrüge, Bierfässer, Zuseher und das Zelt.

 

Schließlich griff Hans Saiblinger, der Fischerobmann ein. Er schlich sich hinter Zenzi und mit einem Griff, den er aus seinen Hauptschulzeiten kannte – es lebe die Koedukation – fuhr er ihr ins Kleid und öffnetet mit einem Klick den Büstenhalter von der Zenzi. Diese schloss vor Schreck den Mund und musste ihre Hände vom Rücken nehmen, um die nun freischwebende Pracht mit ihnen zu stützen. Ganz rot wurde sie vor Scham und Empörung über diesen teuflischen Trick und flüchtete aus dem, was einmal ein Zelt war. Weinend lief sie nach Hause und betrat nie wieder ein Bierzelt. Der Wettbewerb aber wurde nach Aufstellung von Tischen und Bänken und Wiederfüllung der Biergläser fortgesetzt und noch viele der Zahlreichen Fischarten von Traun und Hallstättersee konnten nachgeahmt werden. Gewonnen hat zu Schluss Willi Wurmer, der eine neugeborene kleine Forelle nachmachte, wobei er seinen Mund ganz klein zuspitzen musste, was ihm gelang, weil er ihn zu einem Ü formte.

 

Das Nachmachen von Walen aber wurde seit diesen Gamsjagatagen in Bad Goisern verboten.

 

Die Leiden des alten Herrn Huber

Juli 22, 2008 um 10:56 pm | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Leiden des alten Herrn Huber

 

„Jetzt habe ich schon lange gelebt, sehr lange, endlich, endlich kann ich es tun“, sprach Herr Huber zu sich, „ich bin erlöst“. Und er schlug zu, immer wieder schlug er zu.

 

Er sprach immer mit lauter Stimme zu sich, seit er in seinem Haus sein Büro eingerichtet hatte. Das Büro war wichtig für ihn gewesen, eine Insel, ein Zufluchtsort. Und wenn er von innen abgesperrt hatte, konnte er tun und lassen, was er wollte, auch zu sich selber laut sprechen und sogar schreien. Die Tür war schalldicht. Und nie kam jemand in diesen Raum. Das hatte Herr Huber von Anfang an so gehalten. Das Büro war in einem Kellerraum eingerichtet, sodass es ohnehin kaum jemand zu sehen bekam und seiner Frau hatte er strengstens verboten, den Raum jemals zu betreten. Er hatte ihr erklärt, dies sei auch in seiner Pension sein Büro und er müsse darin Akten bearbeiten, die er sich ab und zu stoßweise von seiner alten Firma holte. Die ehemaligen Kollegen gaben ihm gerne die alten Akten mit, irgendwie hätten sie ja ohnehin entsorgt werden müssen und Geheimnisse waren darin nicht enthalten. So konnte er seiner Frau vorspielen, in seinem Kellebüro zu arbeiten, Akten zu studieren und zu bearbeiten.

 

Schwer war ihm diese Täuschung nicht gefallen. Sein ganzes Leben lang hatte er in der Firma im Ort schwer gearbeitet und sogar die Wochenende im Büro verbracht. Die Arbeit war sein Leben. Die Leute, auch Freunde, hatten ihm den Spitznahmen „der Büro“ verpasst. Sie verwendeten diesen Spitznamen natürlich nur, wenn er nicht anwesend war. Denn er war ein sehr wohlhabender Mann geworden durch sein vieles Arbeiten und wohlhabende Menschen verdienten Respekt. Sein Einkommen war durch die vielen Überstunden beträchtlich gewesen und er hatte nie Zeit, Geld auszugeben. Er hatte auch nie viel Lust dazu. Nur seiner Frau gönnte er so manchen kleinen Luxus. So hatte er auf ihren Wunsch ein prächtiges haus gekauft und es ihr freigestellt, es so einzurichten, wie sie es wollte, ganz nach ihrem Geschmack. Und das hat sie auch getan. Es hatte schon einiges gekostet, aber er war froh, dass er seine Frau wenigstens in diesem Hinblick zufrieden stellen konnte. Und als es eingerichtet war, das Haus, hat er sich in ihm auch wohlgefühlt. Aber leider musste er mehr Zeit im Büro verbringen als in seinem Haus und so waren seine zufriedenen Stunden zu Hause sehr selten gewesen.

 

22 Jahre war er alt gewesen, als er sie geheiratet hatte, die Mizzi Lichtenegger. Kennengelernt hatte er sie, als er einmal zum Müller einkaufen ging und nicht wusste, welche Äpfel er für den Apfelstrudel kaufen sollte, den seine Mutter machen wollte. Mizzi stand neben ihm am Obststand, sah seine Ratlosigkeit und sprach ihn direkt mit lachenden Augen an. „Weißt nicht, welche Äpfel Du nehmen sollst, Hubert?“ Er verlor seine angeborene Schüchternheit für ein paar Augenblicke und erläuterte ihr sein Problem. „Nimm die Roten, hatte sie ihm geraten, die passen zum Apfelstrudel, hatte sie ihm geraten, musst aber nicht selber rot werden.“ Und dann hatte sie gelacht, ein solches silbernes Lachen, dass er sich augenblicklich unsterblich in sie verliebte.

 

In dem kleinen Ort begegnete man sich automatisch immer wieder, beim Kaufmann, im Kultur-Café mit den zwei Zeitungen, im Turnverein. Und er ließ nicht mehr locker, war nett zu ihr, machte ihr kleine Geschenke zu Festtagen und überhäufte sie mit Komplimenten, wenn er sie sah. Da er nicht übel aussah, eine Arbeit mit Aussichten hatte, immer nett zu ihr war und auch katholisch, gab sie eines Tages seinem Drängen nach und gab ihm zu seinem Heiratsantrag ein „Ja“ zur antwort. Ein Jahr lang waren sie verlobt gewesen, aber nie gab sie seinem Drängen nach mehr Intimität als einem Busserl nach. Schließlich wurde geheiratet und die Hochzeitsnacht war ein Fiasko. Sie wollte kein Kind – „weil zuerst“, hatten ihr die Eltern gesagt, „müsst ihr ein Haus haben“ – aber auch keine Verhütung vornehmen, weil sie war ja katholisch. Wie „lustig“ unter solchen Umständen eine Hochzeitsnacht war, kann sich jeder vorstellen.

 

Und ihr Sexleben wurde mit der Zeit nicht besser. „Erst muss ein Haus her“, hatte sie ihm geradeheraus erklärt, „dann können wir das tun, was man zum Kinderbekommen tun muss. Bis dahin musst du warten“. Und so hat er begonnen zu arbeiten wie ein Wilder. Tag und Nacht war er im Büro, Samstage, Sonntage und Feiertage. Gearbeitet hat er bis zu Erschöpfung, was natürlich auch seinen Drang nach seiner Frau dämpfte. Die Mizzi war aber damit zufrieden gewesen, hatte den Haushalt geführt und das gemeinsame Konto überwacht. So konnte er auch nur selten ausgehen mit seinen Kollegen, nach der Arbeit.

 

Aber einmal ergab sich doch die Gelegenheit, bei einem Firmenjubiläum, Mizzi konnte bei einem solchen Anlass nichts dagegen haben. Da wurde beim Moser viel getrunken, gelacht und gescherzt. Und Herr Huber war so fröhlich wie schon lange nicht mehr. Als ihn die Kollegen aufforderten, den Abend in der Disco, im Agatha-Stadl fortzusetzen, hatte er daher ja gesagt. In der Disco war es lustig, so lustig, wie er es noch nie erlebt hatte. Tanzen aber konnte er nicht und so setzte er sich an die Bar, trank einen Schnaps nach dem anderen. Und neben ihm saß die neue, junge Volksschuldirektorin, mit sexy, kurzem Kleidchen, tiefem Dekolletee und machte ihn an. Und es kam, wie es kommen musste. Bald fand er sich mit ihr auf dem Rücksitz seines Autos am Ufer des Hallstättersees. Und es wurde eine noch lustigere Nacht, als er es sich jemals hätte vorstellen können.

 

Der liebe Gott aber wachte über ihn und so gelang es ihm, ohne Unfall zuerst Volksschuldirektorin nach Hause zu fahren, und dann sich selbst. Mizzi schlief schon und bemerkte nichts vom Zustand ihres Gatten. Am nächsten Morgen gelang es ihm, seine Kopfschmerzen zu unterdrücken und so blieb sein kleiner Ausflug ins Vergnügen auch weiterhin von seiner Frau unbemerkt. Und es blieb dabei.

 

Er aber begann ein Verhältnis, mit der Helga, der schönen Volksschuldirektorin. Mizzi gegenüber täuschte er vor, weiterhin jeden Tag bis spät in die Nacht im Büro zu arbeiten. In Wahrheit verbrachte er aber jeden Abend bei der Helga, dem geilen Weib. Monatelang ging das so, ohne dass jemand etwas bemerkte. Eines Tages aber unterhielt er ich mit dem Briefträger, seinem Freund aus alten Schultagen, der ihm ins Büro einen Einschreibbrief zuzustellen hatte, so nebenbei über Frauen. Sie sprachen über diese und jene. „Die Volksschulldirektorin, das ist eine Sau, so was gibt’s gar nicht“, sagte plötzlich sein Freund, der Briefträger, „jeden Tag, wenn ich ihr die Post früher als üblich zustelle, verlässt der Wiesauer Hans ihr Haus und manchmal ist es der Tiefenbacher Sepp, wenn es nicht der ist, dann der Lederhosenschneider.“ Herr Huber wurde bleich und brach das Gespräch ab.

 

Die Volksschuldirektorin besuchte er nie wieder, aber nach 2 Monaten stellte der Arzt bei ihm die Syphilis fest. „Das ist Gottes Strafe, das ist Gottes Strafe“, dachte er als gläubiger Katholik sofort und fühlte ein tiefes Schuldgefühl gegenüber seiner Frau und gegenüber Gott in sich aufsteigen. Syphilis ist heute heilbar und so konnte sein Arzt auch Herrn Huber bald kurieren. Mit den Schuldgefühlen aber musste Herr Huber selbst fertig werden. Und so kaufte er seiner sich und seiner Frau ein schönes, großes Haus, das seine Frau glücklich machte. Ihrem Wunsch aber, jetzt einmal so miteinander umzugehen, dass daraus ein Kind entstehen könnte, konnte er nicht nachkommen. Seine Schuldgefühle erdrückten ihn und machten es ihm unmöglich, sie zu erkennen, wie sich die Bibel so auszudrücken pflegt. Mizzi schien es nicht viel auszumachen und sie legte sich eine Rosenzucht zu. Sie hegte und pflegte ihre Rosen, wie andere Frauen ihre Kinder hegen und pflegen. Und nie wieder kam sie zurück auf ihren Kinderwunsch sprechen. „Du musst Deinem Mann gehorchen, das ist Gottes Wille“, hatte ihr die Mutter erklärt, und Mizzi hielt sich daran. Wenn ihr Mann keine Kinder wollte, so hatte sie sich diesem Wunsch eben zu beugen.

 

Mit Herrn Huber aber ging eine Wandlung vor. Nachts, in seinen Träumen, erschien ihm ein schwarzer Engel und sprach zu ihm, er, Huber, müsse bereuen und Busse tun, bereuen und Busse tun. Herr Huber wurde diesen Traum nicht los, jede Nacht erschien dieser Engel und seine Drohungen wurden schwärzer und wilder. Bald wusste Herr Huber nicht mehr, ob er den schwarzen Engel nur träumte oder wirklich sah und manchmal kam es ihm vor, er sähe ihn auf der Strasse oder am Schreibtisch der ihm im Büro gegenüber stand. Und der Engel hörte nicht auf zu rufen: Huber, bereue, tue Busse, bereue, tue Busse“!

 

Und so blieb Herr Huber weiterhin auch am Abend in seinem Büro, aber nicht um zu arbeiten. Wenn seine Kollegen das Büro verlassen hatten, versperrte Herr Huber die Tür zu diesem und zog sein Hemd aus. Dann nahm er die mit Glassplittern durchflochtene Peitsche, die er in einem Sex-Shop in Gmunden heimlich gekauft hatte, aus der tagsüber versperrten Schublade und geißelte seinen Rücken. Er schlug sich selbst, bis Blut auf den Boden spritze und er es vor Schmerzen nicht mehr aushielt. Mit einem Handtuch wischte er dann das Blut von seinem Rücken, wozu er sich jedes Mal schmerzhaft verrenken musste, und wischte das Blut vom Boden. Dann legte er Peitsche und Handtuch zurück in die Schublade, versperrte sie wieder und fuhr nach Hause. Seine Frau schlief dann meistens schon.

 

Der schwarze Engel aber verschwand nicht. Und so geißelte sich Herr Huber bis zu seiner Pensionierung jeden Abend stundenlang in seinem Büro. Sein Rücken war eine einzige offene Wunde, Jahrzehnte hindurch. Niemals zeigte sich Herr Huber auch nur seiner Frau gegenüber mit nacktem Oberkörper. Mit der Zeit aber gewöhnte er sich an die Schmerzen, so dass er von Jahr zu Jahr fester zuschlagen musste um noch etwas zu spüren und so blutete er jedes Jahr mehr. Und so wurde er dünner und schwächer und die Leute bewunderten ihn, weil er sich offensichtlich im Büro vor Arbeit umbrachte.

 

Auch nach seiner Pensionierung verschwand der schwarze Engel nicht. Jetzt begegnete Herr Huber ihm überall im Haus. „Bereue! Tue Busse! Bereue! Tue Busse!“, hörte er die Stimme im Wohnzimmer, in der Küche, auf dem Dachboden, überall, wo er ging, stand oder lag. „Bereue! Tue Busse! Bereue! Tue Busse!“ Und so richtete er sich im Keller ein Büro ein, das niemand betreten durfte. Er bearbeitete dort keine Akten, sonder geißelte sich den ganzen Tag. Schlag für Schlag tat er Busse, Schlag um Schlag bereute er sein Erlebnis mit der Volkschuldirektorin. Und Schlag um Schlag bat er laut schreiend seine Frau um Vergebung. Sie aber konnte die Schreie nie hören und pflegte einsam ihre Rosen weiter ohne je zu wissen, wie sehr ihr Mann sie um Vergebung rief.

 

An seinem achzigstem Geburtstag aber, als er sich wieder einmal besonders fest und grausam gegeißelt hatte, erschien der schwarze Engel im Büro und sagte: „Du hast genug gebüßt, dir ist vergeben.“ Herr Huber konnte plötzlich nicht mehr aufhören zu schlagen, der Schmerz bereitete ihm ab nun Lust. Lust, die er zum ersten Mal seit jenem Abend in der Disco wieder verspüren durfte. Und so schlug er wie ein Besessener zu, dass das Fleisch in Fetzen von seinem Rücken hing und brüllte vor Lust und Schmerz: „Gott hat mir vergeben, Gott hat mir vergeben. Sei verflucht du Hexe von Volksschuldirektorin! Sei verflucht! Gott sei aber gepriesen, Gott sei aber gepriesen für mein Leben voller Qual, halleluja, halleluja“. Aus seiner Stereoanlage ertönte laut das „Dies Irae“ aus Mozarts Requiem. Bald lagen sein Rückgrad und die Nieren frei, Blut floss in Strömen auf den Boden. Sein altes Herz aber war für eine solche Anstrengung zu schwach geworden und so stellte es plötzlich seinen Dienst ein.

 

Frau Huber rief, nachdem ihr Mann 24 Stunden nicht aus seinem Büro gekommen war, den Arzt. Dieser konnte die Tür zum Büro aufbrechen und verweigerte Frau Huber den Zutritt, nachdem er einen kurzen Blick hineingeworfen hatte. Der Zustand von Herrn Hubers Rücken und die neben ihm liegende Peitsche zeigten ihm, dass hier ein Geheimnis vorlag, von dem weder er noch jemand anderer etwas wissen sollte. Und so zog er Herrn Huber an und stellte einen Totenschein mit „Herzversagen aufgrund von Altersschwäche“ aus. Frau Huber aber erfuhr nie, wie ihr Mann sein ganzes Leben gelitten hatte, manchmal weinte sie um ihn und züchtete weiterhin ihre Rosen, ihre Kinder. Und so erfuhr nie jemand, dass sie ihren Mann je älter er wurde um so mehr liebte und ihm für bloßen einen Kuss alles vergeben hätte. So schlimm hätte es gar nicht sein können. Hatte sie doch selber ihr Geheimnis, weil sie damals die neue Volksschuldirektorin, die betrunken in der Nacht auf der Aberl-Kreuzung herumtorkelte, mit ihrem Auto überfahren hatte und dann voller Angst davongefahren war. Laut soll sie  noch vor Schmerzen geschrien haben, das Luder. Sie starb aber noch, bevor die Rettung sie ins Krankenhaus in Ischl bringen konnte. Und weil ihr die Zunge durch die Stoßstange abgetrennt worden war, konnte sie auch keine Beschreibung von dem Auto machen, das sie überfahren hatte. Der Autofahrer wurde daher nie gefunden.

 

Der brave Hansl – Der böse Bube

Juli 15, 2008 um 10:11 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 4 Kommentare
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Der brave Hansel – Der böse Bube

 

Im Nachlass des Johannes M. wurde unter Anderem eine Geschichte gefunden, die von Johannes M. eigenhändig geschrieben war. Sie beginnt mit einer Einleitung, aus der man erfährt, dass Johannes M. während seiner Schulzeit aus für ihn nicht nachvollziehbaren Gründen zum Außenseiter wurde – gemacht wurde – wobei alle, auch die Lehrer mittaten. Später im Leben hatte er immer mit seinen Erinnerungen  an die erlittenen Erniedrigungen zu kämpfen und überwand sie einfach nicht. Ein guter Freund brachte ihn dazu, sich an einen Psychotherapeuten zu wenden und so unterzog sich Johann M. einer Therapie. Der Therapeut riet ihm, seine Geschichte aufzuschreiben, vielleicht würde das weiterhelfen. Johannes M. erzählt in seiner Einleitung, dass es ihm nicht möglich war, die psychische Gewalt, so wie er sie erlebte, zu schildern und so habe er das, was er psychisch erlebt hatte, in physische Tortur transformiert.  Nur so sei es ihm möglich gewesen, anderen mitzuteilen, was er während seiner Schulzeit erlebte. Dann folgt der Bericht, wie er unten steht, geschrieben in der dritten Person. Johannes M. erhängte sich trotz Therapie 8 Jahre nach seiner Matura.

 

Der Lehrer zog mit seiner verkrüppelten linken Hand den Hansel an den Haaren ins Direktionszimmer. Hansel jammerte laut, weil ihm der harte Griff des Lehrers sehr weh tat. “Bitte nein, bitte nein”, schrie er in seiner Verzweiflung, “bitte lassen sie mich los”. Der Lehrer war unerbittlich und lies mit seiner Hand nicht locker. Später wäre Hansel froh gewesen, wenn er nur solche Schmerzen zu ertragen gehabt hätte.

 

Mit einem Ruck an den Haaren schleuderte der Lehrer den Buben vor den Schreibtisch des Direktors. “Er hat sie schon wieder gehabt”, keuchte er vor Erregung, “schon wieder”. “Um Gottes Willen, beruhigen Sie sich”, sagte der Direktor, der halb taub war und dem Lehrer von den Lippen ablesen musste, “wir werden es dem Burschen schon zeigen, aber dazu dürfen wir nicht aufgeregt sein. Wir müssen diesmal zu härteren Maßnahmen greifen, wenn er sie schon wieder hatte. Das letzte mal liegt nur ein Monat zurück. Ich selber habe auch keine und der Bursche wird bald auch keine mehr haben, sie werden schon sehen”.

 

“Den Vater habe ich telefonisch schon verständigt”, informierte der Lehrer den Direktor, “er wird bald auch da sein. Aber wir sollen schon ohne ihn anfangen, hat er gesagt. Er war entsetzt über seinen Buben”. “Na, dann fangen wir an”, sagte der Direktor und gab dem Hansel eine Ohrfeige, dass diesem das Kiefer sofort brach und sich seitlich verschob. Mit schiefem Mund schrie das Kind vor Schmerz auf, was ihm aber noch mehr Schmerzen bereitete, weil er den Mund wegen der gebrochenen Knochen eigentlich gar nicht mehr öffnen konnte. Der Lehrer gab ihm von der anderen Seite eine Ohrfeige, worauf das Trommelfell von Hansel platzte und Blut aus dem Ohr zu fließen begann. “Jetzt versaust du uns noch den Teppich, du Saubub”, schrie er und schlug gleich noch einmal zu. An den Ohren zog er ihn hinüber in die Ecke, wo der Plastikfußboden war, der war leicht zu reinigen. Hansl lag in der Ecke und zitterte vor Schmerzen und vor Angst. Er blickte auf das Kruzifix, das über dem Schreibtisch des Direktors hing und betete still: “Lieber Christus, Du hast doch am Kreuz auch so fürchterliche Schmerzen gehabt. Wie hast du die ausgehalten? Ich habe auch nichts Böses getan, genau wie Du, aber ich halte die Schmerzen nicht mehr aus. Warum tun sie mir so weh? Was habe ich getan? Bitte hilf mir, lieber Jesus, bitte. Sie sollen aufhören zu schlagen, bitte, bitte hilf mir“ Aber Jesus konnte nicht helfen, er litt selber unter großen Schmerzen, weil er gerade ans Kreuz genagelt wurde. Denn jedes Mal, wenn ein Kind von seinen Eltern oder seinen Lehrern körperlich oder gar psychisch misshandelt wird, wird Jesus immer wieder neuerlich ans Kreuz genagelt. Weil sie mit einmal nicht genug und nichts verstanden haben, die Menschen.

 

Der Direktor zog Hansel an den Ohren aus der Ecke und flüsterte mit unheimlicher, zorniger Stimme, Speichel tropfte zwischen seinen Lippen hervor: “Lege deine Hand auf den Tisch, die Flache Hand, mit der Handfläche nach unten”. Zitternd vor Angst kam Hansel dieser Anordnung nach. “Gleich wirst Du sie nicht mehr haben, Du Rotzbub”, fuhr er Hansel an. Mit den Worten: “Herr Kollege, sie haben den ersten Schlag”, ließ er dem Lehrer den Vortritt. Der Lehrer nahm den eisernen Briefbeschwerer, auf dem geschrieben stand, dass man nicht für die Schule sondern fürs Leben lernen würde, und schlug mit ihm fest auf die ausgestreckte Bubenhand. Man hörte die Mittelhandknochen laut knirschen und brechen. Mit einem erstickten Laut heulte Hansel auf. Der Schmerz war fürchterlich und zog sich durch die Hand und den Arm hinauf bis in seine Schmerzzone im Hirn, sodass er glaubte bewusstlos zu werden. Aber er hatte keine Zeit an den Schmerz zu denken, denn jetzt nahm der Direktor Hansels zweite Hand, zog sie auf den Schreibtisch und schlug mit dem Lineal, mit der scharfen Kante zu. Hansel fünf Finger wurden beinahe abgetrennt. Nur an den Sehnen hingen sie noch von der Handfläche herab. Dem Schüler wurde schwarz vor den Augen, er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten., Da öffnete sich die Tür, der Vater trat ein. Groß und stark war er und der Steireranzug stand ihm prächtig. Er wäre ein schöner Mann gewesen, hätte sein Gesicht nicht tiefe Kummerfalten verunstaltet. Auch fehlte ihm ein Ohr.

 

“Aha, haben Sie ihn schon ein wenig behandelt, den Lausbuben den verflixten: Danke schön, Herr Direktor. Ich weiß mit ihm nicht mehr aus und ein. Er hat sie schon so lange, aber nicht von mir. Ich habe keine. Ich habe sie noch vor dem ersten Schultag verloren. Aber seine Mutter, die hatte eine und hat sie nie aufgegeben. Von ihr muss sie der Bub haben. Ich habe mich dann nach einigen Jahren von ihr scheiden lassen, nachdem ich bemerkte, sie würde sie für immer haben. Unerträglich war das. Aber der Bub, der Bub hat sie von ihr bekommen, bevor sie aus dem Haus war. Und ich will, dass er sie endlich auch nicht mehr hat”. Und er gab dem Buben einen Fußtritt, dass er durch das ganze Zimmer flog. Wimmernd vor Schmerz kauerte er sich wieder in der Ecke zusammen und blickte wieder zum Erlöser am Kreuz.

 

„Warum hilfst Du mir nicht Jesus?“ fragte er, „Warum hilfst Du mir nicht? Ich bin doch ein braver Bub, warum quälen die mich so? Ich gehe doch jeden Sonntag in die Kirche und bete zu Dir und Deiner Mutter. Und die gehen auch jeden Sonntag in die Kirche und beten auch. Warum tun sie das nur mit mir? Warum haben sie mich nicht lieb? Ich möchte so gern ein braver Bub sein, Jesus, den alle lieb haben, aber immer schlagen sie mich, immer schlagen sie mich. Es tut so weh, es tut so weh. Aber vielleicht bin ich nicht brav, vielleicht muss ich geschlagen werden. Der Vater sagt es immer. Bin ich ein böser Bub, Jesus? Dann verdiene ich es wohl geschlagen zu werden und Schmerzen zu haben, so wie du? Bitte sag es mir. Bitte, bitte hilf mir!“ Aber Jesus gab keine Antwort und so blieb Hansel mit seinen Fragen, seiner Angst und seinen Schmerzen alleine. Von den anderen hatte niemand sein stummes Gespräch mit dem Gekreuzigten gehört. Sie nahmen nur sein ihn beinahe erstickendes Schluchzen wahr.

 

“Ich habe sie auch nicht, sagte der Direktor. Ich habe sie auch schon als Kind verloren. Was ist nur mit dieser Jugend los. Was muss man nicht alles tun um sie ihnen zu nehmen. Mein Beruf macht mir oft gar keine Spaß mehr”.

 

Der Lehrer stimmte zu und erklärte auch, er habe sie bereits mit drei Jahren verloren, dank eines klugen aber strengen Vaters. Die Mutter habe nie eine gehabt und so sei er ungefährdet durchs Leben gegangen, und habe sich seinen Beruf ausgewählt, um auch nie in Gefahr zu kommen, sie wieder zu bekommen.

 

Der Vater hatte inzwischen sein Feuerzeug angezündet und hielt es an Hansels Ohr. Mit der anderen Hand hielt er sein Kind am Kopf fest, so dass dieses sich nicht rühren konnte. Das Ohr färbte sich sofort rot und nach einiger Zeit schwarz und es stank im Zimmer nach verbranntem Fleisch. “Verlier sie endlich, Rotzbub elendiger, verlier sie endlich, oder ich höre nicht auf”. Hansel konnte nur noch wimmern „Mutti, Mutti, hilf mir, Mutti, hilf mir , komm doch, hilf mir, bitte, bitte, oh Gott, oh Gott, oh Gott“. Nach einer Minute Feuer aber umfing ihn gnädige Ohnmacht und der Vater ließ ihn los. Hansel sank zusammen und lag auf dem Boden wie ein Haufen Dreck, den jemand dort hingeschüttet hatte.

 

Die drei Erwachsenen beschäftigten sich noch längere Zeit mit dem Schüler, konnten ihn aber aus seiner Bewusstlosigkeit nicht zurückholen. Hansel spürte daher nichts mehr, als sie ihm auch noch das Nasenbein und einige Rippen brachen. “Jetzt wird er sie los sein”, sprach nach einiger Zeit der Direktor, “rufen wir die Rettung, hier wird er nicht mehr wach”. Als die Rettung eintraf, war der lapidare Kommentar des Rettungsfahrers beim Anblick Hansel: “Hat schon wieder einer eine gehabt, das hört wohl nie auf”. Dennoch blickte er mit Mitleid auf den seufzenden Bubenhaufen und lud ihn ganz vorsichtig auf die Bahre, mit der er ihn zum Rettungswagen rollte.

 

Dann fuhr er ganz langsam, um ihm nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten, mit seinem Patienten davon. “Warum musst denn auch eine haben Bub”, flüsterte er zornig vor sich hin, “warum musst denn eine haben und auch noch reden. Darüber redet man doch nicht. Man hat sie, aber redet nicht darüber, so habe ich es mein ganzes Leben gemacht und bin damit gut gefahren. So jung bist Du, so jung, und hast eine eigene Meinung. Schade, wirst noch viel leiden müssen, in Deinem Leben”.

 

 

 

 

Frau Huber und der Duft der Rosen

Juli 14, 2008 um 7:57 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 2 Kommentare
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Duftende Rosen

 

   Mit einem tiefen Seufzer wendete sich Frau Huber von ihren Rosen ab. Schon wieder war eine eingegangen. Sie wusste nicht mehr, ob sie gestern vergessen hatte, die Rosen zu gießen oder nicht. Das Gedächtnis ließ sie in letzter Zeit so oft im Stich. „Man sollte halt nicht alt werden“, murmelte sie vor sich hin, „wenn man noch für jemanden sorgen muss, wie ich für meine Rosen. Habe ich den Garten heuer überhaupt schon gedüngt und heute gegossen?“

    Frau Huber war 90 Jahre alt geworden, sie fühlte sich noch gesund, aber immer etwas müde. Einsam war es um sie, seit ihr Mann, der Gustl starb. Das war jetzt schon mehr als 10 Jahre her. Aber auch mit ihm war das Leben nicht sehr abwechslungsreich gewesen. Er hatte zu sehr für seine Arbeit gelebt und seine Frau vernachlässigt. Dabei hat sie sich immer so sehr nach etwas Zuwendung gesehnt. Aber all die Jahre ihrer Ehe hat der Gustl kaum mit ihr gesprochen, außer übers Büro. 60 Jahre musste sie das aushalten, Büro, Büro. An nichts anderes hat er gedacht. Wenn er am Wochenende einmal nicht im Büro war, so sprach er darüber. Egal wo es war oder mit wem er zusammen war, ständig kam sein Gespräch auf das Büro.

   Mit der Zeit wurde es so arg, dass die Leute im Ort ihm schon den Spitznamen „Büro“ gaben. Wie geht’s dem Büro fragten sie einander, wenn sie wissen wollten, wie es Gustl geht. Oder sie sagten zueinander, wenn sie ihn sahen, da kommt der Büro. Es kam so weit, dass die Leute, auch die Freunde, seinen Namen vergaßen und wenn er nicht dabei war, über ihn nur noch als „der Büro“ sprachen. Mit ihm selbst sprachen sie ohnehin nur selten, weil er immer im Büro war. Und wenn sie ihn trafen, genügte die Anrede mit Du oder he Du oder Du, he. Ansonsten aber wagte keiner ihn direkt mit Büro anzusprechen, weil sie alle doch viel Achtung vor ihm hatten. Dadurch, dass er so viel arbeitete, hatte er nämlich keine Zeit Geld auszugeben und er verdiente recht gut. So konnte er bald nach der Hochzeit ein Haus mit einem schönen Stück Grundstück rundherum kaufen. Er überließ es seiner Frau, es einzurichten. Nur zu teure Sachen verbot er ihr zu kaufen. Gustl wollte aber, dass sie sich im Haus wohl fühlte. So drückte er seine Liebe zu ihr aus, eine andere Möglichkeit hatte er nicht.

    Sie kümmerte sich um den Haushalt, weil arbeiten kam damals für Frauen nicht in Frage, und sie las viel. Den einzigen Luxus, den sie sich gönnte, war Parfüm. Irgendwann hatte sie sich in die Sorte „La Rose rouge“ verliebt und seither hatte sie stets einen kleinen Vorrat davon im Haus. Und jeden Morgen, nach dem Duschen, sprühte sie sich damit ein so dass bald nicht nur sie sondern das ganze Haus danach roch. Und sie liebte es, das duftende Haus, Gustl aber war es egal, wahrscheinlich hat er das ganze Leben keinen Duft wirklich bewusst wahr genommen.

   Frau Huber hätte gerne Kinder gehabt. Aber da war dieses verfluchte Büro. Büro, Büro, Gustl hatte nichts anderes im Kopf. Anfangs hatte sie noch versucht, ihn zu verführen, bereitete Abendessen bei Kerzenlicht zu, spielte auf dem CD-Player romantische Musik dazu und kaufte sich auch aufreizende Wäsche. Nichts hat es genützt. Der Gustl war immer von der Arbeit müde, ging bald ins Bett, nachdem er zu Abend gegessen hatte und schlief immer gleich ein. Wenn er aufwachte, dachte er schon wieder ans Büro. Nach einigen Jahren hatte sie aufgegeben und sich von ihrem Kinderwunsch getrennt. „Der liebe Gott will es halt nicht, dass ich Kinder bekomme“, sagte sie sich. Weil eine gläubige Frau, das  war sie und daher kam es ihr auch nie in den Sinn, Gustl zu betrügen.

    Als sie einmal sah, wie die Nachbarin in ihrem Garten Rosen pflanzte, verliebte sie sich in diese Blumen. „Solche möchte ich auch“, dachte sie. Und als sie Gustl gegenüber ihren Wunsch äußerte, brummte dieser nur, sie solle sich halt auch einen Garten anlegen. Er aber könne sich nie darum kümmern, weil er müsse im Büro arbeiten.

    Und so legte Frau Huber auf dem kleinen Grundstück vor ihrem Haus einen kleinen Rosengarten an. Die Rosen waren ihre Kinder. Von allen Farben hatte sie einen Strauch. Den schönsten Blumen gab sie Namen, wie sie sie ihren Kindern gegeben hätten. Und so wuchsen jeden Frühling eine Cupido, die sie Franz, eine Aglaia, die sie Gretl, eine Chloris, die sie Hans, eine Aurora, die sie Christl und eine Penelope, die sie Judith nannte, in ihrem Garten. Diesen ließ sie alle Liebe über die sie verfügte zukommen. An keinem Tag in Jahrzehnten vergaß sie, die Rosen zu gießen, sie zurechtzustutzen, wenn sie überwuchsen, sie zu düngen mit dem besten Dünger, den sie erhalten konnte und mit ihnen zu reden. Mit Franz, Gretl, Hans, Christl und Judith fing sie mit der Zeit sogar zu sprechen an, wie mit richtigen Kindern. Sie streichelte sie jeden Tag und sprach mit ihnen über Freuden und Sorgen, wie sie das Leben so mit sich bringt. Und manchmal war es ihr, als würden die Rosen antworten. Das war dann ein besonders schöner Tag für sie. Mit der Zeit wurde ihre Rosenzucht im ganzen Ort bekannt, denn durch die tägliche zärtliche Beschäftigung mit ihren Lieblingen wurden ihre Rosen die schönsten im ganzen Tal. Sie freute sich, wenn man ihre Rosen lobte, so wie sich eine Mutter freut, wenn man Gutes über ihre Kinder sagt.

    Jahre und Jahrzehnte verrannen. Sie pflegte ihre Rosen, Gustl arbeitete im Büro. Als er in Pension ging, richtete er sich im Haus ein Büro ein. Dort verbrachte er seine Tage mit alten Akten, die ihm ehemalige Arbeitskollegen manchmal vorbeibrachten. Seine Arbeit war zu nichts mehr nütze, aber er empfand tiefe Befriedigung einfach im Öffnen eines Aktes und dessen Studium. Dadurch kamen sich Frau Huber und ihr Mann auch im Alter nicht näher. Und vor 10 Jahren ist er dann gestorben. In seinem Büro hatte sie ihn tot aufgefunden, den Kopf am Schreibtisch liegend. Herzinfarkt, hatte der Arzt ihr gesagt, er hat zu viel gearbeitet.

    Und so hat Frau Huber ihre Liebe noch mehr ihren Rosen zugewendet. Manchmal dachte sie, sie könne sogar die Generationen der Rosen aufzählen, wie sie sonst Kinder, Enkel und Urenkel hätte aufzählen können, hätte der Gustl nur gewollt. Aber mit zunehmenden Alter wurde die Sorge um ihre Lieblinge immer größer. „Vergesslich bin ich geworden“, flüsterte sie manchmal vor sich hin, „vergesslich! Was soll nur aus meinen Lieblingen werden, wenn ich einmal alles ganz vergesse? Wenn ich sie zu düngen vergesse und zu gießen? Verhungern werden sie und verdursten. Nein, das möchte ich nicht mehr erleben, ach wenn mich der Herrgott doch endlich zu sich nehmen würde. Dann würde sich jemand anderer um meine Rosen kümmern. Wahrscheinlich ihre Nichte, dafür würde sie ihr Haus erben“.

    Dennoch hielt sie noch einige Jahre durch, wurde aber vergesslicher und vergesslicher. Als sie dann eines Tages sehen musste, wie eine der Rosen, es war Franz, die Cupidorose, verdorrt war, begann sie ganz fürchterlich zu weinen. „Aus ist es, aus ist es“, schluchzte sie, „es ist Zeit zu gehen und die Pflege anderen zu überlassen. Aber ein letztes Gutes kann ich meinen Kindern noch tun“.

    Und eines Tages war Frau Huber verschwunden. Nachbarn und entfernte Verwandte suchten nach ihr, aber vergebens. Monatelang forschte auch die Polizei nach ihr, national und international, aber nach einigen Monaten musste auch sie die Suche ergebnislos abbrechen. Frau Huber wurde aufgrund ihres hohen Alters bereits nach kurzer Zeit für tot erklärt. Die Nichte erbte ihr Haus samt Garten und Rosen. Und diese Rosen blühten in diesem Sommer schöner als je zuvor, herrlicher als jede andere Rose im Tal, nachts schienen sie zu leuchten. Von weit her kamen die Leute, um dieses kleine Rosenwunder zu bestaunen. Und einmal beugte sich eine Besucherin ganz tief zu einer besonders schönen Rose hinunter, sog den Duft ein und sagte: „Die duftet wie mein Parfüm. „La Rose rouge“, welch ein Zufall“.

    Frau Huber aber wurde nie gefunden. Es war eine recht schwere Arbeit für sie gewesen, Rasenstücke mit den Rosen darauf auszustechen, sich in die Grube zu legen und die Rasenstücke mit den Rosen über sich zu ziehen. Ihr Erstickungstod war sehr qualvoll gewesen. Und dennoch hat sie beim letzten Atemzug gelächelt. Weil sie wusste, dass ihre Rosen jetzt den besten Dünger hatten, den es gab.

 

 

 

 

 

 

 

 

Fehlerhafter Entwurf zum Anfang von: Wie sich ein kleiner Ort im Salzkammergut gegen die Kernspaltung wehrte

Juli 13, 2008 um 10:37 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
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Keine Probleme sind Probleme oder wie man Probleme durch deren Schaffung löst

 

Da saßen sie wieder einmal beisammen, die Spitzenpolitiker der Regierungspartei des kleinen aber feinen Ortes im Salzkammergut, der Sepp Schadseitner, Bauer mit Hausverstand, der Lehrer für Turnen und Geometrie, Johannes, der alte Salinenarbeiter und Intellektuelle. Beim Moserwirt saßen sie, am Stammtisch und hatten schon einige Biere in sich hineingeschüttet. Weil, es war vorher die Gemeinderatssitzung gewesen und die war ganz schön anstrengend. Und nach so einer Anstrengung bekommt man Durst.

 

Die Oppositionsparteien hatten wieder einmal geätzt. Sehr geätzt. „Ihr macht uns alle noch arbeitslos,“ hatte Hans, der blaue Oppositionsführer gebrüllt, „seid ihr denn alle deppad geworden? Mit eurer Politik, da können wir gleich aufhören zu arbeiten, für unser Volk, für unser Bergvolk, für unser fleißiges Volk, für unser gutes Volk, für unser herrliches Volk…Am Goiserer Wesen,….“ Er hatte ganz plötzlich abgebrochen, weil er merkte, dass er sich da verbal etwas verstieg, das er vielleicht am Ende nicht mehr kontrollieren konnte. Er dachte an seinen schwarzen Kollegen, der sich in einer Rede einmal dazu hinreißen ließ, die Existenzberechtigung von geförderten Bergbauern in Frage zu stellen. Das war, als der Huberbauer von der Sunnseitn seine einzige Kuh in Zahlung für eine neue Melkmaschine gab. Von seinem schwarzen Politiker verlangte er nachher, dass dieser sich dafür einsetzen sollte, dass er, der Huberbauer, auch noch eine Förderung für die Melkmaschine aus Brüssel erhielt. Da war ihm halt dann bei einer Versammlung der goiserer Bauern der Kragen geplatzt und jetzt ist er wieder Kellner in der Goiseremühle. Weil, einem Bauern kann man viel sagen, aber nicht, dass er sich von einem Melkmaschinenvertreter hereinlegen lassen hat und auch nicht, dass er die Wiese für nichts mäht. Weil Arbeit ist das Mähen noch allemal und nützlicher auch als die von einem Kellner, denken die Bauern. Die Kellner denken da anders.

 

Lois, Tischlermeister und Oberhaupt der schwarzen Opposition hatte in dieser Sitzung auch nur gebrüllt und keinerlei kreativen Vorschläge für die Lösung des Ortspolitikerproblemes gemacht. Er wollte gar nicht mehr aufhören mit Beschimpfungen und Fluchen. „Der Teufel soll mich holen, „schrie er in der Gemeindestube, „der Teufel soll mich holen, wenn ich mir das länger gefallen lasse, das ganze ist ungeheuerlich und nur auf die Politik von euch Hansln zurückzuführen. Entweder ihr macht sofort was oder ….“. Dann hörte er auf, weil ihm plötzlich einfiel, dass die fesche Zenzi auf ihn wartete und das letzte Mal schon böse war, als er zu spät in ihr Zimmer eingestiegen war. Und wenn er noch weiter schimpfte, würde die Sitzung noch länger dauern. Und die Leiter musste er auch erst noch von daheim holen, bevor sie sein Lehrling wieder zur Unkeuschheit entwendete. Dass das nur zur Tarnung war und der Lehrling einfach durch die Haustür zur Frau vom Lois ging, wenn der nicht da war, wusste der Lois nicht und hätte es auch nicht geglaubt, weil seine Frau war katholisch..

 

Daraufhin wurde die Sitzung mangels Ideen durch den Herrn Bürgermeister geschlossen, man trennte sich und die drei Spitzenpolitiker beschlossen noch auf ein Bier zum Moser zu gehen. Aber worum ging es denn eigentlich? Kurz gesagt, die drei waren wieder einmal zu schlau gewesen. Sie hatten alle Probleme des Ortes gelöst und jetzt gab es keine Probleme mehr. Und wie ist das geschehen? Nun ja, das größte Problem war die Umfahrungsstrasse. Eigentlich war sie das einzige Problem, denn wenn die Ortsbewohner Arbeit hatten und jodeln konnten, waren sie mit sich und der Welt zufrieden. Jodeln konnten sie damals noch immer, aber mit der Arbeit, das war ein Problem. Weil der Ort war ein Fremdenverkehrsort und ein Fremdenverkehrsort mit einer Umfahrungsstrasse, die eine lange Gerade war und zum Schnellumfahren reizte, führte die Fremden natürlich am Ort vorbei. Hin zu den Ischlern oder Ausseern, je nachdem, von welcher Himmelsrichtung man das Problem sah. Und weniger Fremde bedeuteten natürlich weniger Arbeitsplätze und Traurigkeit bei der jodelnden Bevölkerung. Und so baute man aufgrund eines weisen Beschlusses der drei Spitzenpolitiker eine Umfahrung der Umfahrungsstrasse, die mit einem Kreisverkehr auf der Umfahrungsstrasse begann und mit der Einmündung in die ehemalige Hauptstrasse neben dem KONSUM endete. Man könnte auch sagen, sie fängt beim HOFER an und endet beim KONSUM, weil der HOFER gleich beim neuen Kreisverkehr eine Filiale errichtet hat. Man könnte auch sagen, die Strasse führt vom großen Filialisten zum kleinsten Filialisten oder aber auch, dass diese Straßenverbindung symbolisch steht für die Verbindung des kleinen Goisern zu großen Außenwelt, die man durch die Umfahrungumfahrungsstraße erschlossen hat. Jedenfalls aber fuhren jetzt die Fremden dank des Kreisverkehrs wieder nach Goisern hinein, sahen die hübschen Kellnerinnen und reizvollen Wirtinnen mit üppigen Dekolletees im Dirndl, die ausgefallenen Speisekarten, das eine oder andere nackte einheimische Männerbein, und entschieden sich spontan, nicht weiterzufahren sondern den Urlaub in Goisern zu verbringen. „Der Regen wird sich ja gleich wieder verziehen“, dachten viele irrtümlich, hatten dann aber schon gebucht und saßen fest.

 

Die Fremden waren also wieder da und der ganze Ort hatte Arbeit und dazu noch immer den Jodler. Damit hatte Goisern aber plötzlich keine Probleme mehr. Und das war ein Problem für die Politiker.

 

Politiker sind nämlich dazu da, Probleme zu lösen. Ganz egal, ob selbst gemacht oder von jemandem anderen. Gibt es keine Probleme, braucht man keine Politiker. Daher stand diesmal die Existenzberechtigung von Regierungspartei und Opposition in Frage. „Fürchterlich“, dachte Sepp, der Bauer mit Hausverstand, „da komme ich von meiner Alten ja gar nicht mehr weg“. „Fürchterlich“, dachte der Lehrer, „da komme ich ja von meiner Alten gar nicht mehr weg“. „Fürchterlich“, dachte auch Johannes, der Intellektuelle und Salinenarbeiter, „da komme ich ja von meiner Alten gar nicht mehr weg“. Und auch Hans, der zweite Oppositionsführer war verzweifelt, weil er hatte zwar keine Frau, hoffte aber immer, dass ihm eine der roten Politikerinnen einmal die Gunst gewähren würden. Weil die waren fesch.

 

Deswegen war er ja eigentlich in die Politik gegangen, und seine Parteifreunde wunderten sich immer, dass er zu diesen Roten so nett und gar nicht aggressiv war und sich vor Gemeinderatssitzungen als einziger rasierte. Bei den Roten war aber kein Paltz im Gemeinderat gewesen und so ging er zu den Blauen. Als zum Islam konvertierter Inhaber der einzigen Berghütte ohne Alkohol und Schweinefleisch im Salzkammergut , auf der Ewigen Wand, hatte er naturgemäß nur wenig Kontakt mit anderen Menschen in seinem Beruf und so blieb ihm zur Kontaktanknüpfung nur die Politik. Ohne sie würde er total vereinsamen, sahen ihn doch sogar schon seine Parteifreunde schief an, wenn er zu den Sitzungen den Gebetsteppich mitnahm.

 

„Wir brauchen ein Problem, wir brauchen ein Problem“, seufzte da der Lehrer gedankenverloren beim Moser am Stammtisch vor sich hin. „Recht hast Du“, stimmte ihm Sepp zu, „recht hast Du„. „Auch ein Lehrer findet mal einen Korn“, witzelte Johannes und zündete sich eine an, „bist zwar Lehrer, aber diesmal hast du recht, wir brauchen ein Problem. Was soll sonst aus Goisern werden? Sogar der Bankdirektor hat zu mir gesagt, es wäre kein Problem, wenn ich wegen des vielen Saufens meinen Kredit nicht zurückbezahlen könne, zahlst halt wann du kannst , lieber Johannes hat er gesagt, die Geschäfte gehen wegen dem Kreisverkehr so auch gut“. „Und die Zenzi hat zu mir gesagt, das mit ihrer Schwangerschaft wäre auch kein Problem, das Kind hängt sie dem Lois an, ergänzte der Lehrer die Suada über die Problemlosigkeit“.

 

Und wieder einmal hatte Sepp, der Bauer mit Hausverstand die zündende Idee. „Jodeln werden wir nie verbieten können, da bringen sie uns um“, stieß er plötzlich hervor, „aber die Umfahrung der Umfahrungsstrasse, die uns soviel Sorgen macht, weil sie Arbeit bringt, da können wir was tun“. „Ja, an was denkst Du denn da?“ frug der Lehrer überrascht. „Was willst du denn tun? Die können wir doch nicht wieder abreißen, wie Dein Holz-WC im Garten“. „Ich habe gestern einen Artikel in einer Zeitung gelesen und da ist gestanden, dass die Kernenergie die Lösung für alle Probleme ist.

 

„Und?“, fragte der Johannes, „was hat das mit uns zu tun?“ „Verstehst du denn nicht“, sagte Sepp, „Kernenergie, Kern, Kernspaltung, das ist genau das was wir brauchen“. Der Lehrer verstand nur Bahnhof: „Ich habe Geographie und Turnen gelernt, ich habe aber noch nie mit Kernenergie zu tun gehabt. Was ist denn das? Ich kenne nur die Kerne von Zwetschken und Birnen und Äpfel, die esse ich aber nie mit, soll da Energie drinnen sein?“

 

„Nein, die Energie ist im Kernöl“, meinte Johannes, „aber wir haben kein Kernöl“. „Wir haben überhaupt kein Öl“, gab der Lehrer zu bedenken, „außer im KONSUM, in 2-Liter-Flaschen, aber das ist teurer als beim HOFER, ich kaufe es daher immer beim HOFER“. „Nein, ich kaufe das Öl immer beim KONSUM“, erklärte Johannes, „man muss ihm treu bleiben“. Und er beginnt laut zu singen:

 

Öl und auch vom Fleisch ein Trumm,

kaufe ich nur im Konsum.

Konsum, Konsum nur du allein,

kannst stets die Statt meines Einkaufs sein.

 

Die anderen fielen ob des Bierkonsums mit ein und jetzt sangen sie zusammen:

 

Wir sind nicht dumm,

wir sind nicht dumm,

wir kaufen immer im Konsum.

Holladrio!“

 

„Noch drei Bier, Resi und drei Obstler“, bestellte jetzt der Sepp für sich und seine Freunde geistigen Nachschub. Und jetzt hört mir zu, ihr zwei Kernbuam. Meine Idee hat nichts mit Äpfeln oder Birnen zu tun, sondern mit dem Ortskern.

 

Oho, riefen da die beiden anderen aus, mit dem Ortskern. Wieso mit dem Ortskern? Und gleich fingen sie wieder an zu singen:

 

Bin ich von der Heimat fern,

sehne ich mich nach des Ortes Kern,

Ortskern, Ortskern du bist meine Freude,

Ortskern, Ortskern du bist meine Lust,

gäb’s keinen Ortskern, gäbs keine Freude

und keine Frauen mit großer Brust.

 

Das ergab zwar keinen Sinn, aber es reimte sich und was gesprochen wurde, ergab bisher auch keinen Sinn und daher machte es nichts. „Jetzt halts einmal die Pappn“, rief ungeduldig Sepp aus. „Ich muss euch das doch mit der Kernenergie erklären. Also, die ganze Energie wurde durch die neue einfahrt auf den Ortskern konzentriert und jetzt ist der Ortskern voller Energie und die Energie überträgt sich auf unserer Wähler, und die können arbeiten wie wild und verdienen gut und sind zufrieden. Und diese Zufriedenheit schafft keine Probleme und damit haben wir ein Problem und um dieses Problem zu beseitigen, brauchen wir die Kernspaltung, die Ortskernspaltung oder mit anderen Worten die Verlegung des Ortskernes nach draußen, außerhalb vom Zentrum, an die Umfahrungsstrasse. Habts das jetzt kapiert, ihr Deppen?„

 

Sepp wischte sich nach dieser anstrengenden Rede den Schweiß von der Stirne. „Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß“, erinnerte er sich dabei plötzlich an ein paar Zeilen, die er im Gymnasium einst lernen musste bevor er wegen so einer Sexgeschichte mit einer schnurrbärtigen Lehrerin die Maturaträume aufgeben musste und den väterlichen Hof übernahm.

 

„Du bist da Sepp

und wir sind kein Depp,

holladrio“

 

fingen die beiden anderen wieder zu singen an,

 

„Wir werden bei unseren Alten,

den Kern spalten,

holladrio“.

 

Sepp wurde es zu viel und er gab beiden Parteifreunden eine Watschn. „Jetzt hörts endlich einmal zu und du Resi, bring noch drei Bier und drei Obstler“, schrie er.

 

Ein deutsche Urlauberin wandte sich an den Moserwirt und fragte entsetzt: „Sachen Sie mal juter Wirt, wat sind denn dat für unmögliche Leute an dem Stammtisch, die lärmen und singen ja entsetzlich, da kann ich doch mein Krenfleisch nicht in Ruhe essen, könnse da nichts dajechen tun?“

 

 „Na, öha, nee“ antwortete ihr der Moserwirt verlegen und hochdeutsch,“das sünd unsere Spützenpolütüker, dü darf üch nücht stören, dü sünd nöhmlich beim Dönken und kümmern süch um unser Wohl und wollen hür eine Körnspaltung vornöhmen.“

 

„Ach Jott Heinrich-Uwe, war die deutsche Urlauberin entsetzt, wie bei uns zu Hause, da hätten wir nich wechfahren müssen. „Nee, nee, antwortete Heinrich-Uwe, die spalten hier Kern viel jemütlicher, die Österreicher, hier bleiben wir. Da können wir was lernen. Ach juter Wirt, bringen Sie den drei Herren doch noch drei Bier auf meine Rechnung.“ „Und drei Obstler zahlst nicht, Fremder? rief Johannes zum anderen Tisch hinüber, „Willst dass wir verdurschten?“ Der Deutsche war ein friedlicher Mensch und bestellte noch drei Obstler dazu. „Prösterchen , rief er dann den Dreien zu, als die Getränke serviert waren und hob sein Glas, Prösterchen und darauf, dass ihr Europameister werdet, hahaha, Cordoba, es lebe hoch“. Offensichtlich hatte er auch schon etwas zu viel gegen seinen Durst getan.

 

Die Watschen hatten die zwei Sänger wieder einigermaßen zur Vernunft gebracht und sie daran erinnert, dass sie eigentlich hier saßen, um kein Problem zu lösen. Also, hub Johannes wieder an: „Sprich oh Sepp, was wolltest du mit der Ortskernspaltung?“

 

„Also die Sache ist die, wie ich schon sagte“, fuhr Sepp in seiner Rede fort, „zu viel Energie ist durch die Umfahrung der Umfahrungsstrasse in den Ortskerngelangt. Die Geschäfte florieren, die Buchhändlerin hat schon anbauen müssen, die Parfümerie hat aufgestockt, dreißig Kaffeehäuser haben wir jetzt im Ortskern und der Atzlinger hat wegen Reichtum geschlossen. Der Wiesinger kommt mit seiner Rahmenproduktion nicht mehr nach und wird nach China expandieren und die Tabaktrafik ist jetzt eine Tabakfabrik geworden. Alle sind glücklich und zufrieden. Sogar die Pfarrer, weil wenn die Leute Geld haben, glauben sie auch und glauben heißt spenden, glauben sie. Das muss alles aufhören und wir müssen daher den Ortskern spalten, das heißt, verlegen. Damit umgehen wir die Umfahrung der Umfahrungsstraße“.

 

„Und wie hast Du dir das vorgestellt?“, fragte Johannes und wischte sich den Bierschaum von der Oberlippe, und weil er die Hand schon oben hatte, bohrte er auch gleich in der Nase. Man war ja unter sich.

 

„Angefangen habe ich ja schon“, gab Sepp zu. „Wisst ihr noch, damals, als der Musikantenstadel war, ein letztes mal mit dem unvergesslichen Karl Moik? Da ist keiner zur Gemeinderatssitzung gekommen, da waren der Bürgermeister und ich allein und da haben wir dem Hofer die Baubewilligung gegeben, weil wir geglaubt haben, dass der Hofer ein Österreicher ist. Wer denkt denn schon, dass ein Deutscher Hofer heißt? Jedenfalls jetzt haben wir ihn da und er ist der erste Schritt für die Ortskernspaltung. Jenseits des Kreisverkehrs und der Umfahrungsstrasse ist er, genial. He Resi, noch drei Bier und drei Obstler“

.

Johannes fing gleich wieder zu singen an:

 

„Da Hofer wors vom zwanzga Haus,

der schaut ma so verdächtig aus.

 

„Au, au,“ schrie er auf, als er unter dem Tisch einen Fusstritt bekam, vom Sepp. „Tschuidigung“ brummte er, „ich höre ja schon wieder zu. Genial, richtig, und wie geht es weiter?

 

„Das weiß ich auch noch nicht so genau, aber im Prinzip steht die Idee, Kernspaltung muss sein“.

 

„Ha“, schrie der Lehrer plötzlich auf, „ha, ich weiß es“ und er zeigt mit einer Hand auf, weil er in seinem Rausch schon glaubte, wieder Schüler zu sein.

 

„Erzäh“l , sagten die zwei anderen gleichzeitig, „was hast du für eine Idee?“

 

„Wir müssen noch viel mehr Geschäfte hinüber über die Umfahrungsstrasse bringen, da gibt es genug Wiesen, ohne Kühe, und eine Wiese ohne Kuh ist eigentlich keine Wiese, die ist automatisch Baugrund. Und Alleebäume sind dort auch und Kastanienbäume, die niemand benutzt und eine Allee, die nicht asphaltiert ist. Kein Mensch alleet auf einer Allee, die nicht asphaltiert ist und die Kastanien will auch schon lange keiner mehr. Daher ist das auch alles automatisch Baugrund. Nur ein kleines Umwidmungerl brauchts noch und zack, alles kann jenseits der Umfahrungsstrasse, weit weg vom Ortskern bebaut werden, mit Geschäfterln.

 

Da tun wir dann noch ein Apothekerl genehmigen und fünf Lebensmittelgeschäfterl und drei Autowerkstätterl und zwanzig Kaffeehäuserl und ein Glasrahmengeschäfterl und wenn einer will, kann er ein Marktplatzerl eröffnen, mit WC“.

 

 

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