Wurmphilosophie

September 30, 2008 um 5:19 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , , ,

 

Die Wurmexistenz

 

Ein Wurm der vor sich hinsinniert,
Der weiss genau, er existiert:
Ich lebe und ich bin nicht dumm!
Denn cogito und ergo sum. Ich denk! Ich bin! Oh welch ein Glück!
So spricht er mit dem vordern Stück.
Doch plötzlich – des Gedanken Wende,
Sorgt er sich um sein Hinterende.

Ob dieses auch lebt? Atmet? Denkt?
Werd ich von dorten auch gelenkt?
Er wird ganz plötzlich bleich, ganz fahl.
Womöglich gibts mich gleich zweimal?

Das wär’ ja wirklich fürchterlich!
Wo ist mein Ich, wo ist mein Ich?
Wenn ichs nun in der Mitte fände,
und nicht in meinem vordern Ende?

In diesem End, womit ich beiss
Und auch nicht hinten, wo ich scheiss.
Dann wär mein Hirn in meinem Bauch,
So wie bei vielen Menschen auch.

Hart quält er sich, denkt hin und her,
Das Leben freut ihn gar nicht mehr.
Aufs Existiern war er erpicht,
Doch einfach – doppelt, dreifach nicht.

Was ich von unserm Wurm nun lern?
So wie Du bist Mensch, hab Dich gern.
Und mach Dich nicht so furchtbar wichtig,
Nur einfach bist Du wirklich richtig.

 

 

 

                       

Kaisermesse nächstes Jahr in Bad Goisern

September 24, 2008 um 8:20 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 2 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , , ,

Nachdem sich ein neuer Ururursprössling vom Kaiser – der in der Gosau Sennerinnen belästigte – in Bad Goisern geoutet hat, wir im nächsten Jahr die Kaisermesse nicht in Bad Ischl abgehalten werden, sondern in Bad Goisern. Bis dahin hat Bad Goisern einen Schwarzafrikaner als katholischen Pfarrer. Hoffentlich bleibt der länger, als die letzten. Es wird eine feierliche und würdige Messe werden. Ca. 500 uneheliche Nachkommen des Kaisers FJ aus Goisern und Gosau werden in den ersten Bankreihen sitzen und den Pius Waldner Rap singen. Ich freue mich auf diese Messe und auf adelige Besucher aus ganz Europa. Die Ischler werden sich anscheißen. anmachen.

lediger Kaiser-Enkel

unehelicher Kaiser-Enkel, Grossvater von Peter Lichtenegger

 

Peter Lichtenegger – ein Kaiserspross?

Peter Lichtenegger ist Geschäftsmann in Bad Goisern und betreibt zusammen mit seiner bezaubernden Uschi einen feines Geschäft für Uhren und Schmuck. Wie mir Peter erzählte, hatte er schon als Bub immer das Gefühl, etwas besonderes zu sein, sich von seiner Umgebung abzuheben. Er ließ es aber niemanden merken und benahm sich daher Zeit seines Lebens wie ein normaler Goiserer Bürger. Aber immer wieder meldete sich bei ihm das Gefühl, anders zu sein. Auffallend war seiner Umgebung sein stets gutes Benehmen, das jenes der angeblichen feinen Gesellschaft von Goisern bei Weitem übertraf. Auch seine Körperhaltung war stets tadellos, aufrecht und mit vornehmer Attitüde. Er fiel auf, ob er wollte oder nicht.

Vor einiger Zeit löste sich jedoch das Rätsel um Peters „Anderssein“. Er nahm an einer Feier mit seinen Tanten, Cousinen und Cousins in Gosau teil. Es handelte sich um eine Art Familientreffen. Als man gemütlich zusammen saß stand plötzlich eine seiner Tanten auf und las laut ein von ihr verfasstes Schreiben vor. Sie enthüllte damit ein lange gehütetes Familiengeheimnis, um das in jeder Generation nur wenige weibliche Mitglieder wussten. Sie meinte aber, es wäre endlich an der Zeit, dass sich die Familie „oute“, bevor nach so langer Zeit das Geheimnis in Vergessenheit geriete. Und außerdem hätten ja alle, die hier zusammen seien ein Recht darauf, zu wissen, wo sie wirklich herkämen. Deshalb hätte sie dieses Dokument verfasst, aus dem – zart angedeutet – hervorginge, dass sie alle hier im Raum Nachkommen des seligen oder unseligen Kaiser Franz Josef seien, der auf Gosauer Almen Sennerinnen nachgestellt habe. Und einer ihrer, der Anwesenden, AhnInnen sei eben eine solche, vom Kaiser beunglückte, Sennerin gewesen. Sennerinnen im Salzkammergut habe er geliebt, weil da hätte er endlich auch etwas zum Anhalten gehabt.

Und damit übergab sie Peter und seinen Verwandten das von ihr verfasste Dokument, das eine Genealogie der Gosauer Sippe in liebevoll zusammengestellten Reimen darstellt. Peter übergab mir eine Kopie dieses Schriftstückes, welches in Faksimile abgedruckt ist. Da die alte Handschrift nur schwer lesbar ist, habe ich mir erlaubt, sie ins Reine zu schreiben. Überprüfen kann ich den Wahrheitsgehalt natürlich nicht, ich bin kein Historiker. Aber schon die bloße Möglichkeit, dass in Goisern ein Abkömmling des Kaisers lebt, ist eine Sensation, wie mir dünkt. Und wer um die Lust des Kaisers zum „einfachen“ Weibe weiß und wer gleichzeitig Peter kennt, schließt keinesfalls aus, das er kaiserlichen Blutes ist. Einen endgültigen Beweis kann jedoch nur ein Vergleich der DNA-Proben vom Kaiser und von Peter bringen. Auf die Öffnung des Kaisersarges in seiner Gruft in Wien bin ich schon gespannt. Eines ist jedoch sicher, wenn Peter uns seine Cousinen und Cousins wirklich vom Kaiser abstammen, kann dieser stolz auf seine Nachkommen sein.

Auszug aus dem Schreiben:

 

Seite 1

 

Unser Urgroßvater Johann R.,

geboren am 27. Jänner 1871

in Lauffen

 

Liebe Cousinen. lieber Cousan und da

Nachwuchs daneben.

Mit meine 86 Jahr, bin i sicher neama lang

kloar, drum mecht i eng nu verzöhn,

wia unsa Ursprung is gwön.

Vor 135 Jahrn is unsa Großvata in

Lauffn geborn. Von an Vatern hat mir

nie was Richtigs erfahrn.

Von seiner Muata hat’s gebn zu verzöhn,

dass die Viktoria R. in Kaiser sein

Jagdrevier die schenist Senderin is gwön.

Und wie damals bei die „Adeligen Herrn“

a Seitnsprung war koa Sünd, is halt

warn so manch ledigs Kind, aber beim

Vergessen, das is gang recht gschwind.

Beim Stiegahaus in da Gosa hams’n

angnum den kloan Buam, aus eahm is

A tüchtiger Holzknecht woarn, er hat gern

glesn, musiziert und gsung, nebenbei

zum Faschl eini gsprung. Die kloa Emilie

hat’n hi zogen den verliabten Narrn,

er is aber unser allerbester Urgroßvater,

warn.

 

Grete G. geb. R./gezeichnet 19.11.06

 

Gstanzln, da Bua, des Dirndl, die Alm und die Liab in Bad Goisern

September 16, 2008 um 10:01 pm | Veröffentlicht in Allgemein, Bad Goisern | 5 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , ,

Anmerkungen zu Viezeilern und ihrer Bedeutung in unserer näheren Heimat

 

Irgendwann wird sie gefunden werden, die Höhle im Goiserertal, wo zur Steinzeit schon Mammutjäger hausten, die ihre Fellmützen mit Mammutbärten schmückten. Und in dieser Höhle wird man neben einem in den Felsen geritzten Mammut diese Schriftzeichen finden:

„Mammut, Ugudada,

Naga, da sudada,

Nogoro, go roro,

Jagr kogolo, do.”

Dies war das erste Gstanzl in meiner Heimat und wenn man es einst gefunden haben wird, steht fest, dass die Gstanzln die älteste, bis heute erhaltene, kulturelle Tradition sind, die wir in den Alpen kennen.

Übersetzt heißen obige Zeilen in etwa:

„A Mammut hob i daschlogn,

S’woa gonz schwa hoam zum trogn,

Nix gnutzt hot des Beten,

Ihn Jaga hots z’treten.“

 

Dieses Gstanzl wurde in der damaligen Mundart geschrieben, wie sie heute noch in der jeweiligen regionalen Mundart – goiserisch, gosauerisch, ausseerisch, ebenseerisch usw. – gedichtet, manchmal auch aufgeschrieben und vor allem gesungen werden. Von Generation zu Generation werden sie mündlich weitergegeben und beschreiben heute wie damals den Alltag der kleinen Leute in unseren Tälern. Beschrieben wird in ihnen und durch sie alles, was unser Leben ausmacht, Liebe und Verzweiflung, Trauer und Freude, Sehnsucht und Erfüllung, Leben und Tod und immer wieder die Sehnsucht nach dem Berg, dem Dirndl und dem Buam, deren romatischen Absichten die Obrigkeit in Form des Jägers oft durchkreuzen will. Meist aber bleiben er, der kleine Mann, und sie, die kleine Dirn, die Sieger, weil die Liab und die Sehnsucht und die Leidenschaft kann keiner aufhalten, wenn sie echt sind.

 

Was ist nun ein Gstanzl? Das Wort dürfte von italienisch stanza, die Strophe, abstammen. Die freie Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ beschreibt diese Kunstform so: Gstanzln werden vielfach aus dem Stegreif gesungen, in der jeweiligen Mundart gedichtet und vorgetragen. Gute Gstanzlsinger können stundenlang vortragen, ohne sich zu wiederholen. Von der Dichtform her gesehen handelt es sich um Vierzeiler, die häufig in der Form abab oder aabb vorkommen, aber oft auch gar keinen Reim haben, wie die sogenannten Nonsensreime („In Emsee homs a Howossa ghobt, d’Fisch hom von de Bam owagsogt, fürchtet Euch nicht, oba fürchtet Euch nicht“). Musikalisch unterscheiden wir die dazugehörige Melodie des „Landlers“ im 2/4 Takt und des „Steirers“ im 8taktigen ¾ Takt. Die Ausseer kennen dazu auch noch die Melodie des „Waldhansls“ im Walzertakt. Getanzt wird zum Gesang der entsprechende Tanz, der Landler, der Steirer oder der Boarische, wozu bei uns noch die Pernecker Quadrille (Mit’n Kopf zom, mit’n Oasch zom) kommt. Man kann auch umgekehrt sagen, dass zum entsprechenden Tanz die entsprechende Melodie gesungen wird, samt den dazugehörigen Gstanzln. Der wissenschaftliche Überbegriff für das Gstanzl und Kollegen ist „Schnaderhüpfl“, ein Wort, das also auch Gsangl, Gsätzl (Niederösterreich), Stückln, Schnaderhackn (Bayern), Stieglhupfa (Salzburg) oder Lumpenliedli (Schweiz) umfasst.

 

Bis zum 19. Jhdt. dürften die Gstanzln nur mündlich weitergegeben worden sein. Denn schriftliche Aufzeichnungen der Texte sind erst ab diesem Zeitpunkt zu finden. Eine endgültige Aufzeichnung aller Gstanzln wird aber immer unmöglich sein, weil es erstens unzählig viele in unendlich vielen Variationen sind. Und weil zweitens das Gstanzl ein lebendes Kulturgut ist. Im Wandel der Zeit kommen auch heute immer noch neue Gstanzln zu den alten hinzu, neue Lebenssituationen, neue soziale Gegebenheiten und neue wirtschafliche Umstände beschreibend. Es ist eine sehr demokratische Gedichtform, ein jeder kann eine neue Strophe hinzufügen, unabhängig von Rang oder Namen, so wie man auch keinen Rang oder Namen verschonen musse. 

 

Ich habe in meiner Jugend meinen ersten Volkstanzkurs im Saal des katholischen Pfarrheimes gemacht. Gehalten wurde der Kurs vom großartigen Lois Neuper, ein Lehrer, wie man ihn sich beim Volkstanz nur wünschen kann. Er schaffte es auf unnachahmliche Weise, seine eigene Freude am Tanz auf uns zu übertragen und uns dafür zu begeistern, uns, die wir im Radio nur die Beatles und Stones hörten. Danke Lois! Du hast mir etwas Wunderschönes für mein ganzes Leben gegeben. Wie es beim Erlernen des Steirers so ist, muss man dazu auch die richtigen Gstanzln lernen. Das erste Gstanzl, das ich jemals sang, war „Jetzt schmeiß i mein Huat in Bo – und schwimm eam söwa no -, wei mi mei oida Schotz – a neama mog.“ Das ist eigentlich ein recht pessimistisches Gstanzl, das da ein verlassener Bua singt und das jene Lösung beschreibt, die der Goiserer leider oft für seine Probleme anwendet. Wohl an die tausend Mal habe ich diese Zeilen gesungen, an die tausend Mal dazu eine schöne Maid im Takt gedreht, mit ihr das „Fensterl“ und das „Busserl“ geformt und ca. 900 Mal habe ich danach meinen Hut in den Bach schmeißen müssen. Aber „kein Schweiß ohne Preis“, das war damals unser Motto und ist es hoffentlich für die Jugend von heute noch. Ich liebe es jederzeit in geselliger Runde Gstanzln zu singen, und zwischen den einzelnen Strophen nicht zu paschen, weil halt mein Rhythmusgefühl ein anderes ist, als das der Anderen. Und wenn man nicht paschen kann, sollte man es auch nicht tun, so macht man sich beliebter als umgekehrt und darf beim nächsten Mal wieder dabei sein.

 

Eines meiner Lieblingsgstanzln ist dieses: „I bin a lustiga Tonza – I tonz übaroi – Und in Kaisa sein Soi – Tonz i a no amoi“. Jawohl, das sind die richtigen Zeilen für einen Goiserer, der dem Kaiser nicht nur bei der Jagd die Stirn bietet, sondern auch beim Tanz, auf seinem, angeblich des Kaisers eigenem Grund. Und ich habe tatsächlich einmal in seinem Saal getanzt, in Wien, im Fasching, in der Hofburg. Ihr habt nichts versäumt. Sehr feun war es mit feunen Damen und Hörren und stinklangweilig. Ich ziehe jederzeit den Gesangsvereinsball in Goisern einem Ball in der Hofburg vor, obwohl – das Buffet war gratis und nicht schlecht. Aber mit Besenstielen kann man schlecht tanzen und die Differenz zwischen dem Humor der feunen Wiener und unserem – insbesondere im Fasching – möchte ich Klavierspielen können.

 

Bleibt noch die Frage offen, welche Gstanzln es denn nun gibt. Wie schon gesagt, Gstanzln gibt es für jedes Gefühl, wobei das Verliebtsein bevorzugt wird und für jede Alltagssituation, wo die Wilderei ein sehr prominentes Thema bildet. Eine gut verwendbare Einteilung habe ich in dem schönen Buch von Herbert Seiberl und Johanna Palme, „Gstanzln aus dem Salzkammergut – 730 Vierzeiler“ gefunden. Das Buch ist zwar auf die ausseer Volkskulturlandschaft abgestimmt, ist aber auch für Salzkammergütler diesseits des Pötschenpasses sehr nett und lehrreich zu lesen. Die Gstanzln, die ich nun zitiere und wenn nötig auf Goiserer Verhältnisse abwandle, stammen aus diesem Buch, eigentlich aber aus einer jahrhundertalten Überlieferung. Ich selber teile die Gstanzln anders ein als diese Autoren. Zum Beispiel in

1. schräge: Oba Goisan is a lustigs Toi – Still ruht der See. – Gestern homma Griaßnocka ghobt    – Fürchtet Euch nicht.

2. sozialkritische: An Hosn hob i gschossn – Und an zodatn Bock – Für mei Weib zu an Kidl – Und für mi zu an Rock. Offensichtlich war der Sänger so arm, dass er wildern gehen musste, um seine Familie zu kleiden.

Und an Schützn homs gfonga – Und i trau ma’s nit z’sogn – Der hot vorigs Joahr no – In Schulerpack trogn. Auch Kinder mussten durch Wildern schon zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

3. explicit sexuelle: s’Diandl in da Gosaumühl – Laßt in Buam, wonn er will. – Laßt in Buam übersteign – Über ihr Geign. Oder Daß im Woid finsta is – Mochn de Äst. – Und dass d’Fut koane Zähnd nit hot – Des is des best. In der Gosaumühl’ müssen wohl einst mehr Menschen gewohnt haben als heute und lustig muss es dort zugegangen sein. Schade darum. Im zweiten Gstanzl kommt die ewige Angst des Mannes vor der „Vagina Dentata“ zum Vorschein, vor der auch der mutigste Goiserer nicht verschont zu sein scheint. Da macht so ein Lied frei. Kraftvoll und voller Lebenslust sind diese Art von Gstanzln, welche von aktiven Menschen mit einer ungezwungenen Sexualität gesungen wurden. Heute sind sie im Wirtshaus schon fast verschwunden, zu groß war der Einfluß von braven christlichen Lehrern auf die „saubere“ Volksmusik. Wenn ich solche Leute manchmal treffe und spreche, denke ich mir, die vermehren sich durch einen Händedruck. Vielleicht sollten sie wieder mehr alte Weisen singen.

4. Wilderer, Gemsen, Jäger: Grauft hamma, Wildbrat gstohln – Mentscha g’liabt auf da Alm – Gams gschossn in Gebirg – Alles is probiert. Hier ist das männliche alpine Leben, wie es einst war, beschrieben. Raufen, schiessen, lieben – Hemingways gesamtes Werk in einen Vierzeiler verpackt. D’Jagern und d’Hund – Und die langen Stecka – Die kinnan ins kreizweis – In Bugl lecka. Wie es sich gehört für den kleinen Mann, keinen Respekt vor der Obrigkeit. Hätte er alle Vorschriften eingehalten, wären er und seine Familie wahrscheinlich verhungert. Heute habe ich ähnliche Strophen schon gehört, wo der Jaga und sein Hund durch die EU ersetzt werden.

5. Die Alm: s’Diandl in da Alm – tuat an Juhschroa, an halbn – Und den halbn tuat da Bua – Za da Hüttn herzua. Dort obn auf da Alm – Steht a greane Feichtn – Durt gengan die Buam – Zu da Sennarin beichtn. Die Alm, sie ist in den Gstanzln immer der Mittelpunkt des Gspusis, von der Liab, von der Zuneigung zwischen Bua und Dirndl, zwischen Wildschütz und Sennerin. Leider singt keiner etwas über das Elend, das die Sennerinnen befiel, wenn sie schwanger und allein gelassen wurden. Nicht nur vom Kaiser. Ohne Alm geht beim Gstanzlsingen gar nichts, sie ist ein Muss.

6.Ort gegen Ort: Ischla Buam rigelts enk – Goisara Buam prügln en -, nehman Eich d’Menscha weg – und es hobts an Dreck. Zahllose solche Gstanzln gibt es, die die ehemalige? Rivalität zwischen den einzelnen Orten des inneren Salzkammergutes aufzeigen. Manchmal vergleichbar mit dem Brunftschrei eines Hirsches, der den Gegner von der feschen begehrten Jungfer verscheuchen will.

7. Und über allem schwebt die Liebe:

Du broatoaschats Diandl – Di hab i so gern – Und i kinnt wegn dein Broatoasch – Glei a Häuslbrett werdn. Oba Diandl, du liabs – Wonnst du amoi stirbst – Wirst ma du amoi krank – Leb i a neama lang.

Schener Bua, liaba Bua – Kemma muasst überzua – kemma muaßt dann und wann – D’Zeit wird ma lang. Lustig is schon – Wann die Nachtigall singt – Aber lustiga noh – Bald mei rechta Bua kimmt. Wunderschön wird hier die Sehsucht beider Geschlechter nach den anderen beschrieben. Hunderte, wenn nicht tausende Gstanzln beschreiben diese Sehnsucht. Manchmal in zarten Worten, manchmal mit recht derben, aber immer von der wahren Liab getragen. Das gilt bis heute.

Und mir bleibt mir nur noch, eine Einladung zu unserer Landesausstellung in Bad Goisern auszusprechen:

Kehmts her do noch Goisan,

Unsa Ausstellung woat.

Und von enk zu uns her

Is nua a kurz’ Foahrt.

                                                                                                       

Peter Lichtenegger – Habsburg, ein neuer Kaiserspross in Bad Goisern gefunden?

September 14, 2008 um 5:06 pm | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Ich habe ein Dokument gefunden, geschrieben in Kurrent von  Frau Johanna R. und reingeschrieben. Es ist ein Brief an ihre Enkel. Einer dieser Enkel ist Peter L.. Offensichtlich hat der Kaiser, dieser Lump, auch in Gosau eine arme Maid geschwängert und im Stich gelassen, wie er es auch mit der Frau Pointinger tat. Urteilt selbst. Allerdings habe ich bisher nicht gewusst, dass der Kaiser auch in Gosau war. Wer weiß Näheres?

 

Seite 1

 

Unser Urgroßvater Johann R.,

geboren am 27. Jänner 1871

in Lauffen

 

Liebe Cousinen. lieber Cousan und da

Nachwuchs daneben.

Mit meine 86 Jahr, bin i sicher neama lang

kloar, drum mecht i eng nu verzöhn,

wia unsa Ursprung is gwön.

Vor 135 Jahrn is unsa Großvata in

Lauffn geborn. Von an Vatern hat mir

nie was Richtigs erfahrn.

Von seiner Muata hat’s gebn zu verzöhn,

dass die Viktoria R. in Kaiser sein

Jagdrevier die schenist Senderin is gwön.

Und wie damals bei die „Adeligen Herrn“

a Seitnsprung war koa Sünd, is halt

warn so manch ledigs Kind, aber beim

Vergessen, das is gang recht gschwind.

Beim Stiegahaus in da Gosa hams’n

angnum den kloan Buam, aus eahm is

a tüchtiger Holzknecht woarn, er hat gern

glesn, musiziert und gsung, nebenbei

zum Taschl eini gsprung. Die kloa Emilie

hat’n hi zogen den aserliabten Narrn,

er is aber unser allerbester Urgroßvater,

warn.

 

Grete G. geb. R./gezeichnet 19.11.06

 

 

 

Für guten Schnaps gibt es keinen Welterbestatus

September 11, 2008 um 11:21 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 3 Kommentare
Schlagwörter: , , , , ,

Ich habe in einem Artikel hier geschrieben, die goiserer Hauptschule 1 hätte ihren Titel „Welterbehauptschule“ deshalb erhalten, weil zu den Gamsjagatagen auf dem Gelände der Hauptschule in oder aus Hütten köstlicher Obstler oder Zirbenschnaps ausgeschenkt würde, der seinesgleichen auf der Welt sucht.

Welterbehauptschule

Welterbehauptschule

Ein hoher Bildungsbeamter dieser Schule hat mich heute darauf aufmerksam gemacht, dass die Hauptschule 1 in Bad Goisern den Titel „Welterbehauptschule“ nicht wegen des guten Schnapses erhalten habe. Das ist mir peinlich, es stimmt tatsächlich nicht. Ich widerrufe also hiemit die Behauptung, die ich aufgestellt habe und erkläre, dass die Hauptschule 1 von Bad Goisern den Titel „Welterbehauptschule “ nicht wegen des guten Schnapses, der zu den Gamsjagatagen auf ihrem Gelände verkauft wird, erhalten hat, sondern aus mir unbekannten Gründen.

Das Ganze verdient aber schon noch einer Anmerkung: Ich bin der Meinung, dass Humor und die Möglichkeit über sich selbst zu lachen aber auch humorvoll selbstkritisch zu sein, ein Zeichen hoher Intelligenz sind. Dem Bildungsbeamten fehlen diese Fähigkeiten offensichtlich, sonst hätte er anders reagiert.

 Er hätte aber auf meinen Artikel aber auch so reagieren können, dass er die Wahrheit, die in ihm steckt, erkannte. Die Wahrheit ist nähmlich, dass unsere Jugend vom Alkoholismus bedroht ist. Das lese ich nicht nur in den Tageszeitungen, sondern kann es hier auch täglich miterleben. Man muss nur spät Abends an diversen Lokalen vorbeigehen und sieht Jugendliche beiderlei Geschlechts, wahrscheinlich nicht älter als 14 oder 15 Jahre, die auf die Strasse kotzen vor lauter Rausch. In ein paar Tagen beginnt wieder das Bierzelt in St. Agatha, da kann sich am Samstag und am Sonntag jeder der will, davon überzeugen, dass Jugendliche in einem Alter, in dem sie noch in die Hauptschule gehen, schon am Nachmittag besoffen in der Wiese herumkugeln. Nun will ich gar nicht so kühn sein und fordern, ein Lehrer oder Schuldirektor solle spät in der Nacht ein Lokal aufsuchen, in dem vielleicht seine Schüler Alkohol trinken oder sich gar im Bierzelt mahnend blicken lassen ohne selbst zu saufen. Dazu bedürfte es viel mehr an Zivilcourage und Engagement, als ich es einem unserer Pädagogen zutrauen würde.  Es wäre zwar ein Weg, Jugendliche vom Alkoholgenuß abzuhalten, aber man soll nicht zu viel erwarten. Was aber möglich wäre und was ich verlange ist, dass der Grund, auf dem die Welterbehauptschule oder andere Schulen stehen, beispielhaft zur alkoholfreien Zone erklärt werden. Und zwar auch und gerade zu Zeiten eines Bierzeltes oder der Gamsjagatage. Nichts spricht dagegen, dass auf einem anderen, benachbarten Grundstück von Erwachsenen Alkohol getrunken wird und auf dem Schulgrundstück nur alkoholfreie Getränke ausgeschenkt werden. Das wäre ein Zeichen für die Jugend. So wie die Angelegenheit derzeit gehandhabt wird, ist das Zeichen für die Schüler dieses, dass es nichts ausmacht, wenn sich jemand in einer Schnapsbude bis zum Kotzen oder bis zur Bewußtlosigkeit ansäuft und man daher diese Tätigkeit auch auf Schulgrundstücken zulässt, wenn sie nicht sogar durch Zulassen von Schnapsbuden auf Schulgrundstücken  aktiv unterstützt wird. 

Warum diese Schule Welterbestatus erreichte, hat mir bis heute noch niemand erklären können. Ich vermute, dass es an der kühnen, für die Nachwelt aufzubewahrenden Architektur liegt, wie es z.B. auch bei der Akropolis in Athen der Fall ist. In Goisern wurde nämlich die so genannte Schuhschachtelarchitektur entwickelt. Im Kern besteht diese darin, dass man ein Gebäude in der Form einer Schuhschachtel erbaut und mit Fenstern versieht. Man kann auch mehrere Schuhschachteln bauen und sie dann in einem beliebigen Winkel zusammensetzen. Im Falle der Hauptschule hat man drei Schuhschachteln so zusammengesetzt, dass man an ein umgekehrtes L oben rechts noch eine Schachtel dranbaute und zwar im rechten Winkel. Da auch der untere Strich des L, der nach links zeigt, im genauen rechten Winkel angebaut wurde, besteht das Gebäude aus zwei rechten Winkeln, hat also 180 Grad. In der Fachsprache heißt diese Architektur „Der Doppelrechte“, Laien bezeichnen es umgangsprachlich mit „Das 180er L“. Es war eine in der Welt einmalige architektonische Sensation, als die Schule gebaut wurde. Weitere Beispiele dieser grossartigen Architektur der Schuhschachtel sind in Goisern der Anbau an die Goiserermühle und das Altersheim am Marktplatz. Hoffentlich werden noch viele solche Gebäude errichtet. Der eine oder andere Supermarkt in Goisern hat schon abgekupfert. Bald ist ganz Goisern ein einziger rechter Winkel. Der Hallstättersee, der ja bekanntlich zu einem großen Teil zu Goisern gehört, schaut schon ein wenig so aus.

 

Den Welterbestatus könnte die Schule aber auch deshalb erreicht haben, weil sie die vergangenen Erziehungsmethoden, unter denen ich noch so viel litt, überwunden hat.

 

Als ich in diese Schule ging, hatten wir beinahe jedes Jahr einen neuen Direktor. Anscheinend war es Brauch kurz vor der Pensionierung noch jeden Lehrer schnell noch einmal Direktor werden zu lassen. So kam es, dass nicht immer die qualifiziertesten Pädagogen die Schule leiteten. Der eine war z.B. ein ehemaliger SSler, aber nach dem Krieg ein braver Sozi, sodass seinem schulischen Werdegang nichts im Wege stand. Leider hatte er aber seine frühere Ausbildung nicht ganz vergessen. Von der erhaltenen Watschn will ich gar nicht reden. Aber wenn einer von uns sich im Turnuntericht unbotmäßig benahm, musste er durch die „Gasse“ laufen. Dazu mussten die Mitschüler sich links und rechts aufstellen, eine Gasse bildend und der Übeltäter musste durch diese Gasse laufen. Die Mitschüler waren aber mit festen Bändern ausgerüstet, mit denen sie den Laufenden während seines Laufes auf den Rücken oder die nackten Beine schlagen mussten. Das tat einigermaßen weh. Die Schmach aber war größer als die körperlichen Schmerzen, weil natürlich alle schlagenden Schüler über den Geschlagenen lauthals lachten, der manchmal den Tränen nahe war. Erst viel später habe ich einmal in einem Film gesehen, dass diese Art zu Strafen eine Methode der Wehrmacht oder der SS war, die natürlich nicht Bänder sondern Stöcke verwendeten.

 

Ein anderer Lehrer schlug meinen Sitznachbarn mit der Hand so stark auf den Hintern, dass dieser Nierenblutungen erlitt. Nur deswegen wurde er vielleicht nicht Direktor.

 

Da war auch so ein komischer eingebildeter Typ aus Ischl, ein Zugereister also, der Direktor wurde. Meiner Erinnerung nach war seine größte Qualifikation die, dass er einmal das Schloss Versailles besuchte. Weil so weite Reisen damals noch selten waren, galt er als großer Historiker. Und immer wieder fragte er uns im Geschichtsunterricht, wie den der schönste Saal im Schloss Versailles hieße. „Der Spiegelsaal“ mussten wir jedes Mal antworten. Ich verbrachte einmal einen wunderschönen Tag mit meiner brasilianischen Freundin und anderen hübschen und klugen Südamerikanerinnen in Versailles. Doch jedes mal, wenn das Wort Spiegelsaal fiel, musste ich an diesen Direktor denken. Mein Jugendtrauma überlagerte sogar die Schönheit und Charme und Witz dieser wunderbaren Frauen. Das verzeihe ich ihm nie.

 

Ein anderer Lehrer, der Direktor wurde, hatte mich schon in der Volksschule geschlagen. Sein beliebtestes Schlaginstrument war der Geigenbogen, den er dem kleinen Schüler mit einem festen Schlag über die ausgestreckten Hände schlug. Das tat weh. Weh muss auch die Watschn getan haben, die einen anderen Schüler quer durch das Klassenzimmer fliegen ließ. Man muss sich das einmal vorstellen. Wir waren sieben oder acht Jahre alt und keiner von uns konnte auch nur im Entferntesten etwas so Böses tun, dass er eine solche Strafe irgendwie verdienen konnte. Kein Kind verdient eine solche Tortur. Eine seiner üblichen Strafen bei bloßer Unaufmerksamkeit war auch, den Schüler an den kurzen Haaren gleich neben dem Ohr zu ziehen, bis ihm die Tränen in die Augen schossen oder ihn überhaupt gleich an beiden Ohren aus dem Sitz zu heben. Da die meisten unserer Lehrer ohne solche Methoden auskamen, es sich also keineswegs um eine übliche Erziehungsmethode handelte, dürfte schon eine gewisse Lust am Sadismus – an Kindern! – mitgespielt haben. Heute käme so ein Mann wahrscheinlich ins Gefängnis, damals durfte er noch Direktor an der Hauptschule werden.

 

Ein anderer, der zu meiner Zeit Direktor wurde, war früher NSDAP-Ortsgruppenleiter. Uns Kindern gegenüber war er aber eigentlich recht nett und freundlich. Er soll sich auch in jener unseligen Zeit anständig benommen haben, soweit man sich in dieser Position so benehmen konnte. Ich habe jedenfalls nie etwas Schlechtes über ihn reden gehört.

 

Dass meine Schulerziehung nie liberal oder weltoffen war, lässt sich aufgrund obiger Personen in führender Position leicht nachvollziehen. Da ich ein sehr guter Schüler war, musste ich mich eigentlich nur selten vor der Schule fürchten. Aber es gab schon den einen oder anderen Mitschüler, der bereits vor Beginn des Unterrichtes aus lauter Angst vor dem Lehrer zu weinen begann.

 

Da das, was ich gerade oben beschrieb, an der Hauptschule 1 nicht mehr passiert, fähigere Pädagogen das Ruder übernahmen und unselige Zeiten überwunden wurden, kann man ihr schon ein Prädikat verleihen. Um aber wirklich etwas zu vererben zu haben, muss sie noch hart arbeiten. Wie heißt es im Faust so schön?Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last. Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen“. Wohlan denn, schafft!

Jungfrau für Monster gesucht

September 10, 2008 um 10:21 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 2 Kommentare
Schlagwörter: , , , ,

Das Klassentreffen

bei meinem Freund, dem Moawiesbauern in da Neikira (Neukirchen)

 

Vor einigen Jahren hatten wir wieder einmal ein Maturatreffen. Diesmal bei einem Freund in Neukirchen, der einen Bauernhof geerbt hat und deshalb auch mit seinem Hausnamen bekannt ist , der da „Moawiesbauer“ lautet. In der Schule riefen wir ihn stets „Mitsch“. Die Frage nach dem Warum ist bei Spitznamen verpönt, weil sich nach Jahren niemand mehr erinnern kann, wie er entstand.

 

Es war ein vergnügliches, gemütliches Klassentreffen im Hause von Mitsch. Seine hübsche Gattin kocht vorzüglich, so dass wir bestens versorgt wurden. Das Treffen zog sich bis spät in die Nacht hinein und durch die großen Fenster konnte man nur noch ein Licht in der Ferne erblicken. Das Haus ist relativ einsam gelegen, ein kleiner Bach fließt daran vorbei. Und als ich so in die Dunkelheit hinausblickte, dachte ich, das wäre eine Nacht für Monster und schrieb am nächsten Tag die Geschichte auf, die mir dazu einfiel:

 

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Kaum zu glauben, dass wir an einem Tisch 12 Stunden lang einfach nur so miteinander geredet haben. Das ist selten und war gut. Ich habe mich mit den drei Kühen auf Mitschens Wiese angefreundet. Die habe ich innerhalb kürzester Zeit so trainiert, dass sie herangaloppierten, wenn ich pfiff. Ich habe vorher noch nie eine Kuh galoppieren sehen. Angeblich war eine Kuh ein Oxe. Aber alles kann man nicht wissen. Der Regen machte übehaupt nix aus. Im Gegenteil, er kreierte zusammen mit den tiefhängenden Wolken, den sattig grünen Wiesen und dem umliegenden dunklen Wald eine Stimmung, die mir gefiel.

 

Später, nachdem es stockdunkel geworden war, konnte man von Mitschens Haus aus nur mehr vom entfernten Nachbarn ein einziges beleuchtetes Fenster sehen, das war das einzige Licht das in dieser Nacht die Finsternis durchdrang. Ich wartete die ganze Zeit auf das fürchterliche Ungeheuer von Moawies, das in solchen Nächten dortn umgeht und böse Buben und böse Mädchen im Moawiesbachl ertränkt. Dabei zieht es das Opfer einige Male kurz vor dem letzten Atemzug aus dem Wasser, sodass das Opfer noch ein wenig weiterlebt, wiederholt ins Wasser gedrückt werden kann und daher länger leidet. Man hat schon Opfer gefunden, deren Haar trotz ihrer Jugend vor Entsetzen und Leiden während des Ertränkens weiss geworden war. Oft erst nach einer Stunde drückt das bösartige Ungeheuer das Opfer endlich für so lange Zeit unter Wasser, bis der Tod eintritt. Dann zerschlägt es den Schädel des Opfers an einem Stein im Bache, sodass das Gehirn austritt und saugt dann mit seinem kuzen Rüssel, den es statt dem linken Auge hat, das Gehirn auf, anschliessen saugt es die Augen des Opfers aus. Manchmal ist der Druck mit der Kralle auf den Kopf so stark, dass dem Opfer die Augen von selbst aus den Augenhöhlen springen und es ertrinkt dann bereits erblindet. Ein Feinspitz, ein Feinschmecker, schlitzt das Monster auch noch den Magen des/der Toten mit einer seiner 18 Krallen auf und spritzt den Augen-Hirn-Brei mit seinem Rüssel in den Magen, wo es den Brei mit dem warmen Mageninhalt verrührt.

 

Die so entstandene Sosse schaufelt es dann mit einer seiner 24 Hände – 12 wachsen aus dem Bauch, 12 aus dem Rücken – in den Mund, wobei es dann beim Schlucken immer zu grauslichen Rülpstönen kommt. „S’dunnat schon wieda, es Wiesi“, sagen dann die Moawiesa beinahe zärtlich und gerührt, „Gott sei der oamen Söl gnädig“ und dann bekreuzigen sie sich. Manchmal erbricht sich das Ungeheuer auch nach dem Mahle und an diesen Stellen, wo sein Mageninhalt hinfällt, wachsen dann besonders gute Obstbäume, deren Früchte hervorragend schmecken und die hohe Preise am Markt in Gmunden erzielen. Jungbäuerinnen wälzen sich auch oft nackt in diesem Brei, weil sie dadurch eine besonders schöne, glatte Haut bekommen sollen. Deshalb hat seit hunderten von Jahren auch kein Moawiesbauer versucht, das Ungeheuer zu töten.

 

Die Toten sind für den jeweiligen Moawiesbauer einfach Opfer der Marktwirtschaft, frei nach Milton Friedman, man soll da nicht regulierend eingreifen. Selbstverständlich wussten die alten Bauern nix von dieser Theorie der Neuzeit, sie taten bzw. unterliesen einfach , was ihnen als praktisch bzw. unpraktisch und nützlich bzw. unnütz erschien. Aber jede Praxis braucht auch eine Theorie, soweit wurde vor einer Generation dann schon gedacht. Um die Notwendigkeit des Nichteingreifens gegen „Wiesi“ auch wissenschaftlich untermauern zu können, wurde daher der jetzige Bauer von der Moawies vom Altbauern zum Studium nach Linz geschickt. „Lern wos Gscheits Bua, bleib koa Dodl und suach da a gscheits Weibal des wos de Oaweit mit de Kia nit scheicht. Eigenes Weib ernährt den Leib, mit fremden Frauen, kannst kein Haus erbauen, und auf der Weide, schenken Lust beide!“ gab er ihm als Rat mit auf die Reise (vgl. dazu auch Shakespeare, William: Hamlet; Polonius zu Laertes beim Abschied „Kein Borger sei und auch kein Leiher nicht, …“). Weil die Agrarbezirksbehörde und die Neukirchna Jägerschaft drängten immer mehr zum Abschuss des „Wiesi“. Aber gegen eine anerkannte marktwirtschaftliche Theorie, die in Praxis umgesetzt wird, sind sogar Behörden und Jäger machtlos, auch wenn es dabei und dadurch Tote gibt. Wir haben beim Mitsch Äpfel von solchen Bäumen gepflückt und gegessen und die waren wirklich aussergewöhnlich schmackhaft. Doch das Ungeheuer kam diesmal nicht.

 

Schade, denn insgeheim hätte ich mich auch gern im erbrochenen Schleim gewälzt und die eine oder andere Klassenkameradin sicher auch. Meine stillen Gebete wurden von dem da oben aber erhört und keiner der Anwesenden wusste, was ich eigentlich für sie tat und welcher Gefahr sie durch mein stummes Flehen zu allen Göttern entronnen waren. Zumindest die Jungfrauen, die das wüste Moawiesungeheuer besonders gern hat. Weil nur eine Jungfer, die eine Einladung des Ungeheuers zum Essen annimmt, kann es erlösen. 

 

Der Dank

gilt immer den Gästen.

Denn es gebietet sich,

dass sie hinnehmen,

was ihnen geboten!

 

 

Wie einmal der Hans zusammen mit dem Hans dem Hans sein Haus renovierten

September 6, 2008 um 8:08 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 3 Kommentare
Schlagwörter: , , , , ,

 

Man schrieb das Jahr 1966. Heiß schien die Sonne auf das schöne Goiserertal. Eine unheimliche Stille lag über dem Ort, die nur durch den Lärm eines einzigen Autos durchbrochen wurde, das auf der Straße, die nach Lasern führte und die damals bei der finsteren Brücke endete, bergwärts fuhr. Zwei junge Männer, die in ihrem späteren Leben noch eine große Rolle im Wirtschaftsleben Goiserns spielen sollten, waren auf dem Weg nach Lasern. Hans Stieger und Hans Stimitzer saßen in dem neuen Auto von Letzterem. Vor einer viertel Stunde hatte er es beim Autohändler Straubinger auf der Kröß gekauft. Straubinger war zu dieser Zeit der einzige Autohändler und Mechaniker in Goisern. Das Auto, ein gut erhaltener gebrauchter Simca Aronde Elisé glänzte und funkelte im Sonnenschein. Stolz saßen die beiden Männer auf der vorderen Sitzbank und so manche hübsche Maid blickte ihnen mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen nach. Wer jemals ein junger Mann ohne Auto war, weiß, wie sehr sich das Leben ändern kann, ist man erst einmal Besitzer eines solchen. Und so mancher, so wie ich, der doch gut zu Fuß unterwegs war, verlor die Angebetete schon an einen bloßen Mopedbesitzer. Oh du schöne Hallstätterin, wie sehr hat Dich damals mein 15jähriges Herz vermisst.

 

Bis heute blieb es ein Geheimnis, was damals, an jenem Tag, Hans und Hans in Lasern zu tun hatten und niemand konnte bisher ihr Schweigen durchbrechen. Sicherlich war es eine wichtige Angelegenheit, denn je näher sie dem Lasererwirt kamen, um so nervöser und fahriger wurde Hans Stimitzer., der das Auto lenkte. Seine Hände wurden feucht und eine böse Ahnung befiel ihn. Und so kam es, wie es kommen musste. Der Wagen kam vom Weg ab und fuhr hinauf auf die Tennenbrücke des Bühelmannstadels, der heute nicht mehr steht. Wäre der Misthaufen hinter der Tennenbrücke so hoch wie normalerweise gewesen, nichts wäre passiert. Die beiden erschrockenen Männer wären einfach über den Misthaufen hinuntergefahren, zurück auf die Straße. Der Misthaufen aber war nicht voll und so schlug das Auto eigenständig den Weg Richtung Lasererwirt ein. Hans stieg vor Schreck auf das Gas, dass der Motor aufheulte und der Simca beschleunigte. Schwupps ging es mitten hinein in das hölzerne Vorhaus vom Lasererwirt. Dieses wurde von einer Holzsäule aufrechtgehalten, die unter dem Anprall des Autos zusammenknickte, und so fiel es, dieser Stütze beraubt, zusammen.

 

Die Männer am Stammtisch hörten das Krachen und stürzten panikartig hinaus. Als erster tauchte im Freien Herr Schattauer auf, der mit seinem Holzbein immer noch schneller war als die anderen Stammtischler mit zwei gesunden Beinen. Dann folgte der Wirt, Herr Johann (Hans) Laserer. Und da geschah ein Wunder. Keinen Wutausbruch des Wirtes, kein donnerndes Geschimpfe bekamen die beiden verdatterten Hanse vom Hans zu hören, sondern nur die Worte: „Is eh oanding, des hätt ma eh oreissn miassn.“ Ruhig setzte daher Hans Stimitzer sein Auto zurück, drehte um und fuhr wieder talwärts nach Hause. Sein Simca trug kaum einen Schaden davon. Er und der zweite Hans im Auto blieben unverletzt. Was sie jedoch damals in Lasern zu tun hatten, darüber schweigen beide noch heute. Und – ganz ehrlich – es geht uns auch nichts an. Mögen beide noch 100 Millionen Kilometer unfallfrei fahren. Und wir, wir sollten nach dieser Geschichte oft an den großartigen Herrn Laserer denken und uns ein Beispiel nehmen daran, wie er sogar in einem Unglück noch etwas Positives sehen konnte.

Die schönsten Waden Österreichs

September 5, 2008 um 10:01 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , ,
Die Siegerwadeln

Die Siegerwadeln

 

 

Hier sind sie, die Siegerwaden vom Wadenwettbewerb bei den Goiserer Gamsjagatagen. Und wenn sie die schönsten von Goisern sind, dann sind sie auch die schönsten von Österreich.

Alles Gaudi – auch der Tod

September 3, 2008 um 9:29 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , ,

So eine Gaudi

 

Die Goiserer sind sehr lustig. Für sie ist alles eine Gaudi. Ohne Gaudi keine Goiserer. Und wenn es für den Betroffenen keine Gaudi ist, dann für seine Familie, seine Freunde oder seine Nachbarn. Und so beherrscht die Gaudi das Leben eines jeden Einwohners dieses schönen Tales von Goisern von der Geburt bis zum Tode.

 

Sepp wird geboren.

Die Geburt – eine Gaudi

Die Taufe – so eine Gaudi

Der erste Schultag – so eine Gaudi

Die Erstkommunion – so eine Gaudi

Die Grossmutter stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Der Grossvater stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi.

Schlechte Noten in der Schule – so eine Gaudi

Eintritt in die Musikkapelle – so eine Gaudi

Der erste Vollrausch – so eine Gaudi

Der erste Liebeskummer – so eine Gaudi

Der erste Selbstmordversuch – so eine Gaudi

Ein Freund bricht sich den Fuß – so eine Gaudi

Der Vater stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Die Freundin wird schwanger .- so eine Gaudi

Das Kind wird abgetrieben – so eine Gaudi

Die erste Rauferei im Bierzelt – so eine Gaudi

Die Matura bestanden – so eine Gaudi

Ein Vollrausch – so eine Gaudi

Neue Liebe – so eine Gaudi

Wieder allein – so eine Gaudi

Sepp weint – so eine Gaudi

Eine alte Frau läuft in ein Auto –so eine Gaudi

Der Kapellmeister stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Zweiter Selbstmordversuch – so eine Gaudi

Ein schwerer Autounfall – so eine Gaudi

Neue Freundin – so eine Gaudi

Hochzeit – so eine Gaudi

Er baut ein Haus – so eine Gaudi

Das Nachbarhaus brennt ab – so eine Gaudi

Bestohlen im Urlaub – so eine Gaudi

Ein Vollrausch – so eine Gaudi

Der beste Freund stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Das erste Kind – so eine Gaudi

Die Mutter stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Kathreintanz – so eine Gaudi

Faschingsball – so eine Gaudi

Ein Vollrausch – so eine Gaudi

Die Frau stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Mit dem Kind allein – so eine Gaudi

Das Kind stirbt – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

Ein Vollrausch – so eine Gaudi

Alkoholiker – so eine Gaudi

Er hängt sich auf – nach dem Begräbnis – so eine Gaudi

In der Hölle – so keine Gaudi

 

Ein Goiserer schiss auf Hitler und fiel in den Bach und andere Geschichten

September 3, 2008 um 7:18 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , ,

Wiesinger, die Muhme und das Katzenbier

 

Der Großvater vom Wiesinger Fritz war Glasermeister. Wie jeder Glaserer staubte er Glasscheiben mit Kreide ein, auf dass sie sauber blieben, bis sie der Kunde abholte. Der Großvater aber missbrauchte den Kreidenstaub auf einer Glasscheibe im Fenster seines Geschäftes dazu, Geheimbotschaften zu hinterlassen. Wenn also auf dem Fenster in den Kreidestaub die Wort „bin bei Muhme“ oder nur das Wort „Muhme“ stand, dann wussten seine Freunde, dass er im Höplingerwirtshaus zu finden war, bei einer Halben Bier. In diesem Wirtshaus wurde das Bier von zwei Schwestern serviert. Eine von den beiden sah schon sehr schlecht. Die mitleidlosen Gäste nutzten diesen Umstand aus und sagten regelmäßig zu ihr, dass schon wieder diese elendige Katze am Tisch sitze, die sie wegtun solle. Worauf die arme Haut versuchte, die Katze mit einem Handschlag zu verjagen. Regelmäßig aber traf sie einen Bierkrug, weil eine Katze, die war nicht am Tisch.

 

 

Auf Hitler scheißen und den Kaiser mit Trommelschlägel schlagen

 

Die Goiserer nahmen und nehmen auch heute noch Politiker nicht ganz ernst. Das hat sich Gott sei Dank auch in der unseligen Nazizeit so gehalten. Vor der Partei und vor dem hohen Politiker da oben, kam immer noch der Goiserer. Und doch konnte man Zwängen nicht immer ganz ausweichen, dann versuchte man zumindest einen Kompromiss, der den Zwang etwas entzwängte und das Ereignis doch noch zu einem erträglichen Ergebnis für die Beteiligten führte. Dies wurde mir jedenfalls berichtet.

 

So trug es sich im Jahre 1942 zu, dass der Großvater vom Wiesinger Fritz im Wirtshaus saß und bei Bier und Schnaps laut darüber räsonierte, dass bald ein Enkel ins Haus stünde und die Familie könne sich über den zu gebenden Namen nicht einig werden. Er selber, als Kaisertreuer, sei halt schon für so einen schönen Namen wie Franz oder Josef, aber damit habe er sich bisher noch nicht durchgesetzt. Da kam von einem der auch am Tisch Sitzenden der Vorschlag, in Zeiten wie diesen solle man sich doch an nordische Namen halten, Adolf und  Hermann wären zum Beispiel durchaus angebrachte Namen. Bei dieser Zumutung und unter Alkoholeinfluß explodierte der Großvater. „Wie wir unsere Enkel nennen, ist immer noch unsere Sache“, brüllte er, “und im Übrigen: Auf Deinen Hitler scheiß ich“. Das waren mutige Worte zu dieser Zeit, überhaupt im vollen Wirtshaus ausgesprochen. Und so kam wie das Amen im Gebet eine Anzeige zum Goiserer NSDAP-Ortsgruppenleiter. Dieser war Ernst Wiesinger, der Cousin vom Großvater. Dieser musste in seiner Funktion natürlich die Anzeige gegen seinen kaisertreuen Cousin entgegennehmen. Bei Most wurde die Angelegenheit zwischen den beiden Verwandten besprochen. „Alles was recht ist, Josef,“ sagte Ernst ernst, „aber auf Hitler darfst nicht scheißen. Du zahlst deshalb 30 Reichsmark Strafe.“ Es scheint eine milde Strafe gewesen sein, für das angedrohte Fäkalienattentat auf den Dings, den Dings, den Führer. Um sich zu versöhnen gingen die Cousins nach dem Gespräch zum Weberberger, dem heutigen Hotel Bahnhof bzw. noch heutiger dem Goisererhof. Dort wurde weitergesoffen. Zwischen Goisererhof und Ernst Wiesingers Haus fließt das „Ballinabacherl“. Ein schmaler, tiefer Bach voller Schlamm, über den ein schmales Brückerl, wahrscheinlich nur ein Brett führte. Es war Winter und der Schnee lag hoch, so konnte man dieses Brett nur schlecht sehen, insbesondere, wenn durch Bier der Blick schon etwas getrübt war. Und so kam es, wie es kommen musste, der Nazi und der Kaisertreue fielen – der eine die Geschichte nachholend, der andere die Geschichte vorauslebend – gemeinsam in den Bach. Da sie an dieser Stelle nicht mehr herauskamen, gingen sie im Bach bis nach Hause. Demokraten können heute keine in den Bach fallen, nicht weil sie nicht trinken, sonder weil der Bach verschwunden ist. Wahrscheinlich wurde er überdacht. Irgendwo muss er aber noch in den Mühlbach münden.

 

Der kaisertreue Großvater vom schon erwähnten Fritz, Josef Wiesinger, spielte auch bei der Bürgermusik mit. Jeden 1. Mai rückte und rückt noch heute diese Musik aus und zog und zieht laut spielend schon in aller Herrgottsfrüh durch Goisern. Dem Kaiseranhänger Josef passte dies aber gar nicht, war der 1. Mai doch eine Feier der Roten. Deshalb marschierte er am 1. Mai nie mit der Musik mit und lag um 6 Uhr früh noch schlafend in seinem Bett. Dies wiederum ärgerte den Hammerschmied Franz, der bei der Bürgermusik die Trommel schlug. Er verließ deshalb immer am 1. Mai den Zug der Musiker, wenn er beim Wiesingerhaus vorbeikam, betrat das Haus durch die nie abgesperrte Haustür, schlich sich in des Josef Schlafzimmer, zog diesem den Tuchent weg und schlug ihm mit den Trommelschlägel fest auf den Hintern. Ob der Josef zurückschlug, ist mir nicht bekannt.

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.