Ein Goiserer schiss auf Hitler und fiel in den Bach und andere Geschichten

September 3, 2008 um 7:18 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | Hinterlasse einen Kommentar
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Wiesinger, die Muhme und das Katzenbier

 

Der Großvater vom Wiesinger Fritz war Glasermeister. Wie jeder Glaserer staubte er Glasscheiben mit Kreide ein, auf dass sie sauber blieben, bis sie der Kunde abholte. Der Großvater aber missbrauchte den Kreidenstaub auf einer Glasscheibe im Fenster seines Geschäftes dazu, Geheimbotschaften zu hinterlassen. Wenn also auf dem Fenster in den Kreidestaub die Wort „bin bei Muhme“ oder nur das Wort „Muhme“ stand, dann wussten seine Freunde, dass er im Höplingerwirtshaus zu finden war, bei einer Halben Bier. In diesem Wirtshaus wurde das Bier von zwei Schwestern serviert. Eine von den beiden sah schon sehr schlecht. Die mitleidlosen Gäste nutzten diesen Umstand aus und sagten regelmäßig zu ihr, dass schon wieder diese elendige Katze am Tisch sitze, die sie wegtun solle. Worauf die arme Haut versuchte, die Katze mit einem Handschlag zu verjagen. Regelmäßig aber traf sie einen Bierkrug, weil eine Katze, die war nicht am Tisch.

 

 

Auf Hitler scheißen und den Kaiser mit Trommelschlägel schlagen

 

Die Goiserer nahmen und nehmen auch heute noch Politiker nicht ganz ernst. Das hat sich Gott sei Dank auch in der unseligen Nazizeit so gehalten. Vor der Partei und vor dem hohen Politiker da oben, kam immer noch der Goiserer. Und doch konnte man Zwängen nicht immer ganz ausweichen, dann versuchte man zumindest einen Kompromiss, der den Zwang etwas entzwängte und das Ereignis doch noch zu einem erträglichen Ergebnis für die Beteiligten führte. Dies wurde mir jedenfalls berichtet.

 

So trug es sich im Jahre 1942 zu, dass der Großvater vom Wiesinger Fritz im Wirtshaus saß und bei Bier und Schnaps laut darüber räsonierte, dass bald ein Enkel ins Haus stünde und die Familie könne sich über den zu gebenden Namen nicht einig werden. Er selber, als Kaisertreuer, sei halt schon für so einen schönen Namen wie Franz oder Josef, aber damit habe er sich bisher noch nicht durchgesetzt. Da kam von einem der auch am Tisch Sitzenden der Vorschlag, in Zeiten wie diesen solle man sich doch an nordische Namen halten, Adolf und  Hermann wären zum Beispiel durchaus angebrachte Namen. Bei dieser Zumutung und unter Alkoholeinfluß explodierte der Großvater. „Wie wir unsere Enkel nennen, ist immer noch unsere Sache“, brüllte er, “und im Übrigen: Auf Deinen Hitler scheiß ich“. Das waren mutige Worte zu dieser Zeit, überhaupt im vollen Wirtshaus ausgesprochen. Und so kam wie das Amen im Gebet eine Anzeige zum Goiserer NSDAP-Ortsgruppenleiter. Dieser war Ernst Wiesinger, der Cousin vom Großvater. Dieser musste in seiner Funktion natürlich die Anzeige gegen seinen kaisertreuen Cousin entgegennehmen. Bei Most wurde die Angelegenheit zwischen den beiden Verwandten besprochen. „Alles was recht ist, Josef,“ sagte Ernst ernst, „aber auf Hitler darfst nicht scheißen. Du zahlst deshalb 30 Reichsmark Strafe.“ Es scheint eine milde Strafe gewesen sein, für das angedrohte Fäkalienattentat auf den Dings, den Dings, den Führer. Um sich zu versöhnen gingen die Cousins nach dem Gespräch zum Weberberger, dem heutigen Hotel Bahnhof bzw. noch heutiger dem Goisererhof. Dort wurde weitergesoffen. Zwischen Goisererhof und Ernst Wiesingers Haus fließt das „Ballinabacherl“. Ein schmaler, tiefer Bach voller Schlamm, über den ein schmales Brückerl, wahrscheinlich nur ein Brett führte. Es war Winter und der Schnee lag hoch, so konnte man dieses Brett nur schlecht sehen, insbesondere, wenn durch Bier der Blick schon etwas getrübt war. Und so kam es, wie es kommen musste, der Nazi und der Kaisertreue fielen – der eine die Geschichte nachholend, der andere die Geschichte vorauslebend – gemeinsam in den Bach. Da sie an dieser Stelle nicht mehr herauskamen, gingen sie im Bach bis nach Hause. Demokraten können heute keine in den Bach fallen, nicht weil sie nicht trinken, sonder weil der Bach verschwunden ist. Wahrscheinlich wurde er überdacht. Irgendwo muss er aber noch in den Mühlbach münden.

 

Der kaisertreue Großvater vom schon erwähnten Fritz, Josef Wiesinger, spielte auch bei der Bürgermusik mit. Jeden 1. Mai rückte und rückt noch heute diese Musik aus und zog und zieht laut spielend schon in aller Herrgottsfrüh durch Goisern. Dem Kaiseranhänger Josef passte dies aber gar nicht, war der 1. Mai doch eine Feier der Roten. Deshalb marschierte er am 1. Mai nie mit der Musik mit und lag um 6 Uhr früh noch schlafend in seinem Bett. Dies wiederum ärgerte den Hammerschmied Franz, der bei der Bürgermusik die Trommel schlug. Er verließ deshalb immer am 1. Mai den Zug der Musiker, wenn er beim Wiesingerhaus vorbeikam, betrat das Haus durch die nie abgesperrte Haustür, schlich sich in des Josef Schlafzimmer, zog diesem den Tuchent weg und schlug ihm mit den Trommelschlägel fest auf den Hintern. Ob der Josef zurückschlug, ist mir nicht bekannt.

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