Gottlieb Oberhauser, der Boandlrichter von Goisern, 1850 – 1921

Oktober 29, 2008 um 12:06 am | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch, Bad Goisern | 3 Kommentare
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Gottlieb Oberhauser mit Besucher und dem Demonstrationsskelett "Hansl"

Gottlieb Oberhauser r. mit Besucher und Demonstrations-Skelett "Hansl"

Gottlieb Oberhauser

(Gottlieb = lat. Amadeus, griech. Theophil)

 

Der Urenkel von Gottlieb Oberhauser, Christian Oberhauser erzählte mir Folgendes über seinen Uhrahn:

Gottlieb Oberhauser wurde 1850 in Kitzbühel geboren. Er hatte 12 Geschwister und die Eltern konnten so viele Kinder nicht ernähren. So ging der kleine Gottlieb mit 13 Jahren allein ins Salzkammergut, um sich dort als Hirtenbub durchzubringen. Er fand Arbeit als Halterbub auf der Postalm bei Strobl. Dort erwarb er sich Kenntnisse im Heilen von Knochenbrüchen. Noch nicht am Menschen, aber bei Schafen und Kühen, für die er verantwortlich war und die sich ab und zu ein Bein brachen. Die gebrochenen Beine hat er mit Stricken und Holzlatten geschient bis sie wieder ordentlich zusammenwuchsen. Vielleicht erfand er dort schon das Mittel gegen schwere Entzündungen, das er als „Foenum graecum“, der Volksmund aber als „Oberhauserkoch“ bezeichnete. Es bestand aus dem gemahlenen Samen des Bochshornklees, den er mit Milch verkochte. Der so erzeugte Brei wurde auf die entzündete Stelle aufgestrichen. Mit der zeit wandte er seine Fähigkeit, Knochenbrüche einzurichten auch an Menschen an und wurde dafür weitum als „Boandlrichter“ bekannt.

 

Um 1875 kam Gottlieb Oberhauser nach Goisern. Mit einem Kredit kaufte er das „Gasslgut“. Das bestand aus den Wiesen, die sich zwischen der BMW-Werkstatt im Norden von Goisern und der „Oberhauservilla“ erstreckten. Sein Haus mit Stadl stand ungefähr dort, wo heute die große Garage der Familie Oberhauser steht, gegenüber vom Putz-Installateur. Er eröffnete auch ein kleines Transportunternehmen mit Ochsenfuhrwerken. Nebenbei wirkte er auch als Heiler von Knochenbrüchen. Offensichtlich war er bei all seinen Tätigkeiten äußerst efolgreich, denn schon bald ließ er sich eine Villa, die heute die „Oberhauservilla“ genannt wird, von einem italienischen Architekten planen und errichten. Auch erwarb er noch weitere Grundstücke, so z.B. die Wiesen links und rechts der schönen Allee des Maler-Alt-Weges.

 

Hunderte Menschen mit Knochenbrüchen suchten ihn in dieser Zeit auf. Oft wurde er wegen Kurpfuscherei angezeigt, aber er gab nie auf. Eines Tages aber fuhr eine Kutsche mit einer feinen Dame des Kaiserhofes vor, die sich vor einiger Zeit das Bein gebrochen hatte und das nicht mehr richtig zusammengewachsen war. Nun suchte sie Hilfe beim Goiserer „Boandlrichter“. Gottlieb zögerte nicht lange, brach ihr das Bein noch einmal und richtete es wieder ein. Offensichtlich war die Dame zufrieden und hat für ihn ein gutes Wort beim Kaiser eingelegt, denn bald darauf erhielt er von Kaiser Franz Josef eine „Allerhöchste Entscheidung“ mit der Bewilligung zum Heilen von Menschen ohne Medikamente. Angeblich durfte er sich ab jetzt „k. und k. Beinrichter“ nennen. Zahllose Besucher aus Nah und Fern suchten ihn daraufhin vermehrt auf und trugen so nicht unwesentlich zum Entstehen des Tourismus in Goisern bei.

 

1921 starb Gottlieb Oberhauser. Er liegt in einer Familiengruft am katholischen Friedhof in Goisern begraben.

 

Seine Nachkommen heilten keine Menschen mehr, aber sie bauten das Transportunternehmen aus. Zuerst Gottliebs Sohn Hermann, später dessen leider vor kurzem verstorbene Sohn Bruno, der dazu auch noch eine Schottergrube in Unterjoch betrieb, wobei ihm seine Söhne Herbert, Christian und Andreas zur Seite standen. Ein anderer Enkel, ebenfalls Gottlieb getauft, gründete ein BMW-Autohaus und die dazugehörige Autowerkstätte, die heute noch existieren.

 

Christian, der Urenkel, erzählte mir dann noch zwei Geschichten aus dem Leben seines Urgroßvaters, die in der Familie von Generation zu Generation weitererzählt wurden und die zeigen, dass Gottlieb Oberhauser nicht nur geschickt und kundig, sondern auch ausgesprochen bauernschlau war:

 

Eines Tages brachte ein stattlicher Herr einen Hund zu Oberhauser, der nicht fressen wollte (der Hund, nicht der Herr). „Geh Oberhauser“, sagte der Hundebesitzer, „kannst ma nit helfn, mei Hund frisst schon seit a boa Tog neama nix. I moa, er wird geh hi (ich glaube er stirbt bald)“. „Jo los man do a Wocha und donn kimmst wida vorbei und hoistn (Ja lass ihn mir eine Woche da und dann komm und hole ihn wieder ab)“, gab ihm Oberhauser freundlich zur Antwort. Mit den Worten „Guat, Danke und Pfiatdi“ verabschiedete sich der Besucher.

 

Oberhauser hatte natürlich sofort bemerkt, das der Hund einfach total überfressen und deshalb schwer übergewichtig war. Er gab ihm eine Woche lang nur Wasser als nahrung. Nach einer Woche holte der Mann seinen Hund wieder ab und war überglücklich über den Appetit von „Tasso“ dem Hund, der den eines Löwen übertraf.

 

Und welchem Arzt wäre dieses eingefallen: Als sich ein Goiserer das Handgelenk brach und dieses schief zusammenwuchs, ging er zum Oberhauser. “Jo mei Sepp”, sagte dieser, “i kann dirs Gelenk schon wieder einrichten, muss es aber vorher noch einmal brechen”. Entsetzt verließ der Sepp das Haus durch die Haustür. Oberhauser schaute daneben beim Fenster hinaus, mit ausgestreckter Hand zum Abschiedsgruss. Der höfliche Sepp packte die Hand um sie zu drücken. Zack, packte Oberhauser zu, und brach des Sepp schiefes Handgelenk indem er mit diesem fest auf die Fensterkante schlug. Nachher richtete er es gerade ein und der Patient war glücklich und konnte künftig wieder senkrecht melken.

 

Dankschreiben

Dankschreiben bzw. Zeugnisse an und für Gottlieb Oberhauser, zur Verfügung gestellt vom Heimatmuseum Bad Goisern und aus den Originalen, die in Kurrentschrift geschrieben sind, „übersetzt“ von Kustos Josef Mayer

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3 Kommentare »

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  1. Hat Herr Oberhauser Halloween erfunden?

  2. Meine Dame, Sie beleidigen ein Schenie, das nur knapp dem Nobelpreis entronn durch zu frühes Ableben. Welchem Arzt wäre dieses eingefallen: Als sich ein Goiserer das Handgelenk brach und dieses schief zusammenwuchs, ging er zum Oberhauser. Jo mei Sepp, sagte dieser, i kann dirs schon wieder einrichten, muss es aber vorher noch einmal brechen. Entsetzt ging der Goiserer zur Tür hinaus, Oberhauser schaute daneben beim Fenster hinaus mit ausgestreckter Hand zum Abschiedsgruss. Der höfliche Sepp packte die Hand um sie zu drücken. Zack, packte Oberhauser zu, und brach des Sepp schiefes Handgelenk indem er mit diesem auf die Fensterkante schlug. Nachher richtete er es gerade ein und der Patient war glücklich und konnte künftig wieder senkrecht melken.

  3. Ich finde das senkrechte Melken fürwahr wichtig. Sonst müsste man die Kuh umlegen und das ist einer Kuh nicht zuzumuten.


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