Buchkritik an meinem Buch

Juni 19, 2009 um 9:42 pm | Veröffentlicht in Allgemein, Aus meinem neuen Buch | 5 Kommentare
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Diese Kritik betreffend mein Buch fand ich im →Internet

„Franz Kienesberger, Der Öleusweg oder wie ich auf Kreta Gott fand empunkt Verlag, 2007 [@bod.de, @amazon]

Ich muss gestehen: von mir aus hätte ich das Buch nicht in die Hand genommen, denn der Titel ließ mich das Schlimmste befürchten: Irgendeine obskure Erbauungs- oder Bekehrungsliteratur. Nun hatte aber der Autor einen netten Eintrag in meinem Gästebuch hinterlassen, und der Verlag stellte ein Rezensionsexemplar zur Verfügung – nun denn in Gottes Namen! Und nachdem ich durch Widmung und das – nun doch etwas frömmelnde – Vorwort hindurchgeeilt war, hat mich das Büchlein von Zeile zu Zeile mehr in seinen Bann geschlagen: Sehr lebendig und liebenswürdig schildert Kienesberger, wie er mit der Fähre nach Kreta reist und dann zum Ziel seiner Fahrt gelangt: nach Matala. Dort nimmt das Büchlein nochmal einen Dreh und der Autor begibt sich auf die Suche nach einem verschollenen unbekannten griechischen Gott, den er durch rastlose Forschungstätigkeit aufspürt – hier wird der Text wirklich komisch und skurril. Ich habe den Text an einem Abend verschlungen und war ganz begeistert. Das Buch ist eine der kleinen Perlen, die man an völlig unerwarteter Stelle findet. Es hätte definitiv einen besseren Titel verdient. Wenn es einen Einwand gibt, dann vielleicht den, dass ich mich gefreut hätte, im Text noch etwas mehr über Matala, Kienesbergers Lieblingsort auf Kreta, zu erfahren. Ich reise nämlich in zwei Wochen dorthin und bin sicher, er hätte in seiner leichten humorvollen Schreibe noch das Eine oder Andere interessante über den Ort zu erzählen gewusst. Bewertung: In jedem Fall ist dieses Büchlein jedem Matala-Besucher dringend ans Herz zu legen. Ich wünsche ihm viele Leser.“

Eine Weihnachtsgeschichte aus den Alpen

Dezember 11, 2008 um 11:02 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 3 Kommentare
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Der Weihnachtsmann in der Rathluckahütte

 

Er schwitzte und keuchte als er sich mit seinem schweren Sack am Rücken bergaufwärts quälte. Sie hatten ihm in der Werkstatt wieder den falschen Sack gegeben. Normalerweise schlüpfte er mit ihm durch den Schornstein in die Häuser der Kinder und wenn er im Wohnzimmer ankam, füllte sich der bis dahin leere Sack automatisch durch Gottes Segen mit Geschenken. Diese verteilte er dann. Und mit dem geleerten Sack wanderte er leichten Fußes weiter zum nächsten Haus, wo sich der Sack wieder füllte. Dieser Sack aber, den er jetzt trug, der füllte sich sofort, nachdem er die Geschenke in den aufgehängten Socken verteilt hatte. Ein Konstruktionsfehler! So war er gezwungen, mit stets gefülltem Sack von Haus zu Haus zu wandern. Das wäre in der Stadt nicht so schlimm gewesen. Wünschten sich dort die Kinder doch ausschließlich Computerspiele auf CD’s zu Weihnachten und die waren nicht schwer. Jetzt aber war er auf dem Höhenweg im Goiserertal unterwegs, auf dem man von Lauffen bis zur Rathluckahütte gehen kann.. Und die verflixten Goiserer Kinder wünschten sich immer noch einen Traktor, ein Feuerwehrauto, Lego-Baukästen, gar auch Schlitten und Skier und das ganze Zeug war unheimlich schwer.

 

Er wollte laut fluchen. Weil aber Weihnachtsmänner heilig sind, kam jedes Mal, wenn er fluchte, statt einem Schimpfwort ein „Lobet den Herrn, halleluja“ aus seinem Mund. Er ärgerte sich nicht nur über seine Last, sondern auch darüber, dass er diesmal für Österreich eingeteilt war. In Amerika, da hatte er es letztes Jahr leichter gehabt. Erstens: Die Amerikaner glaubten alle an ihn. Und nur wenn jemand an ihn glaubte, konnte er existieren. Und zweitens: Sie glaubten dort auch an seine Rentiere und seinen Schlitten, den die Rentiere zogen und auf den er seinen Sack legen konnte. Das machte die Arbeit leicht. Hier aber, in Österreich glaubten nur 49,95 % der Menschen an ihn. Und 0 % glaubten an seine Rentiere und den Schlitten. Und so blieb er in Österreich Rentier- und schlittenlos und war gezwungen, den Geschenkesack selber zu tragen. Und weil nur 49,95 % an ihn glaubten, 50,05% aber an das Christkind, kam es immer wieder vor, dass er sich zu einem Haus bemühte, in dem niemand an ihn glaubte und er wieder umkehren musste um zum nächsten Haus zu gehen, wo er hoffentlich den Sack leeren konnte, wenn das verflixte Christkind nicht zuvorgekommen war.

 

Einmal in seinem Leben hätte er es gerne getroffen, dieses Christkind. Dem hätte er schon seine Meinung gesagt. Aber bisher waren die beiden wie durch ein Wunder nie zusammengetroffen. In Wahrheit war es kein Wunder. Der Erzengel Gabriel, zuständig für die himmlische Weihnachtsorganisation und die Komposition von neuen Weihnachtsliedern, hatte es so eingeteilt, dass die beiden nie zusammentrafen. Das wäre ja ein schöner Weihnachtsabend gewesen. Die Kinder hätten auf die Geschenke gewartet während Weihnachtsmann und Christkind im Schnee rauften und auf die Geschenkverteilung vergaßen. Eine kleine Rache hatte sich der Weihnachtsmann aber schon einfallen lassen. Er glaubte nicht an das Christkind. Denn, so dachte er, wenn er nicht an das Christkind glaubte, so würde es nicht existieren. Eine Milliarde Mal flüsterte er in der Heiligen Nacht vor sich hin:“ Das Christkind existiert nicht, das Christkind existiert nicht“. Aber das nützte natürlich nichts, weil, wie wir alle wissen, es nur darauf ankommt, woran die Kinder glauben und auf sonst nichts. 50,05% der Kinder in Österreich glaubten laut Statistik an das Christkind. Da konnte er im Moment  nichts dagegen tun.

 

Und so stampfte er unwillig dahin. Auf dem Weg zur Rathluckahütte musste er durch zwei Höhlenwege gehen. Darin funkelte kein Stern, leuchtete kein Mond und der Weihnachtsmann fürchtete sich darin sehr. Um sich Mut zu machen, pfiff er laut vor sich hin: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und in der zweiten Höhle: „Leise rieselt der Schnee“. Weil in diesem Lied das Christkind bereits in der ersten Strophe vorkam, brach er aber sein Pfeiffen recht schnell ab und lief den Rest des Höhlenweges wie ein Blitz. Jetzt musste er nur noch an der Höhle vorbei, in die vor einiger Zeit ein Schnitzer einen fürchterlichen Drachen mit feuerspeiendem Maul und langem Schwanz hineingestellt hatte. Vor dem fürchtete er sich ungeheuerlich. Aber es gab keinen Umweg. Links von ihm ragte die Felswand empor, rechts von ihm gähnte der Abgrund. Und so nahm er einen Anlauf und sprang mit einem Riesensatz an der Höhle vorbei, die 10m breit war. „Weltrekord im Weitsprung für Weihnachtsmänner“, dachte er bei sich, „gar nicht schlecht für mein Alter. HOHOHO“ Und mit nun langsameren Schritt marschierte er weiter, zur Hütte konnte es nicht mehr weit sein. Er musste nur aufpassen, sie nicht zu verpassen, sonst landete er beim Stimitzer Hans. Und der glaubte an das Christkind, wie im ein Kollege erzählt hatte, dem das im Vorjahr passierte und der kilometerweit zurückmarschieren musste, nachdem er den Irrtum erkannt hatte.

 

Er blickte im Sternenlicht um sich. Noch sah er nichts, außer Bäumen, die sich küssten. Denn am heiligen Abend, wenn ein leichter Wind durch den Wald streift und der Weihnachtsjodler vom Dorf durch das ganze Tal bis hinauf zu den Bergesgipfeln ertönt, dürfen sich die Bäume aufgrund göttlicher Genehmigung mit ihrem oberen Teil, dem Wipfel, zueinander neigen, die Äste zu Kusslippen formen und sich gegenseitig küssen. Und so entstehen die kleinen Bäume – oder was habt ihr gedacht, woher die kommen?

 

„HOHOHO“ rief er plötzlich laut, als er Lichter vor sich sah, die durch Fenster leuchteten, „das muss die Rathluckahütte sein. Endlich bin ich da. Kein Christkind, an das ich nicht glaube, weit und breit.“ Und er eilte mit riesigen Schritten auf die Hütte zu. Dort angekommen blieb er vor dem Fenster der Gaststube stehen um die Lage auszuspähen. Schließlich musste er wissen, wie viele und welche Kinder, brave oder ganz brave, in der Hütte waren und danach die Geschenke in seinem Sack sortieren, sodass keine Verzögerung entstand, wenn er einmal – durch den Rauchfang geschlüpft – drinnen war. Deshalb war es auch klug vorher schon festzustellen, wo die Socken hingen, in die er die Geschenke stecken sollte.

 

Das Eis, das sich auf dem Fenster gebildet hatte, hauchte er mit seinem warmen Atem an und so entstand ein Loch darin, durch das er blicken konnten. Doch potz Blitz, was sah er? Eine große Anzahl von Menschen, die sich rings um den Stammtisch versammelt hatten. Auf dem Stammtisch stand ein Körbchen, aus dem ein Licht zu strahlen schien. Und plötzlich ertönte aus dem Körbchen ein helles Jauchzen, wie von einer Engelsstimme. Ein golden gelocktes Köpfchen hob sich aus dem Körbchen und das schönste Kind, das er je gesehen hatte, blickte ihn an. Das Lächeln des Kindes war so warm, dass der Weihnachtsmann plötzlich zu schwitzen begann und all das Eis auf dem Fenster, vor dem er stand, auftaute. Jetzt konnte er die ganze Gaststube mit all den Gästen sehen. Ihm fiel plötzlich die Szene ein, die sich in Bethlehem im Stall vor vielen Jahren abgespielt haben sollte, wie sie ihm der Erzengel Gabriel beim Weihnachtsmannkurs erzählt hatte. Das waren sie, genau, das waren sie. Dieselben Leute, die damals im Stall waren.

 

Das Jesuskind, im Körbchen auf dem Tisch, ein Engel mit goldenem Haar, der dem Kind gerade die Flasche gab, ein Ochs und ein Esel, die drei heiligen Könige und Maria und Josef mit strahlenden Gesichtern. „Das Christkind“, durchzuckte es ihn, „das Christkind, es gibt es wirklich. Herr Du meine Güte, ich sehe wirklich das Christkind. Ja das es so was gibt. Und soooo schön ist es und so hold. Gott vergib mir, dass ich nicht an es glauben wollte. Ach, bin ich froh, es jetzt gesehen zu haben. Gesegnet sei der Herr! Da gehe ich am besten nicht hinein, sondern runter zum Moserwirt, der hat heuer amerikanische Gäste, die glauben an mich und feiern sicher gerne mit mir Weihnachten.“ Und so kam es, dass in diesem Jahr der Weihnachtsmann bekehrt wurde und von nun an auch ganz, ganz fest an das Christkind glaubte. Der Erzengel Gabriel war sehr froh darüber, wie sich – wahrscheinlich ein wenig mit Gottes Hilfe, dem der Streit schon lange zu dumm war – sein Problem gelöst hatte. Er nahm eine neue Diensteinteilung vor. Seit damals nahmen sich Weihnachtsmann und Christkind beim Verteilen von Weihnachtsgeschenken gegenseitig nie mehr Kunden weg.

 

Der Erzengel Gabriel erzählte dem Weihnachtsmann nie, dass er sich geirrt hatte, als er bei der Rathluckahütte durch das Fenster sah. Die Szene, die er gesehen hatte, war derjenigen im Stalle von Bethlehem nur zufällig sehr ähnlich gewesen. Der Engel mit dem goldenen Haar, der dem Christkind die Flasche gab, war Melanie, die entzückende Tochter des Hauses gewesen. Das Jesuskind mit dem schönen, herzerwärmenden Lächeln war ihr kleiner blonder Bruder Jonas, der zum Wickeln im Körbchen auf den Tisch gestellt worden war. Das freundliche Wirteehepaar Norbert und Marianne, das daneben stand, hatte er für Maria und Josef gehalten. Die Nachbarn Horst und Christa, die ebenfalls am Tisch standen, um zum Kind „huhuhu“ zu sagen und ihm zuwinkten, waren zusammen mit einem Besucher aus Deutschland in die Rathluckahütte gegangen um den Wirtsleuten frohe Weihnachten zu wünschen.. Diese hatte der Weihnachtsmann mit den heiligen Drei Königen verwechselt. Was er für Gold, Weihrauch und Myrrhe hielt, waren ein Schnitzel, ein Teller Gulasch und ein Portion Kaiserschmarrn. Die Hirten, das waren ganz einfach die sonstigen Stammgäste, die nie den Hut abnahmen und deshalb beim schnellen Hinsehen wie Hirten aussahen. Und wer dem Ochsen und dem Esel so ähnlich sah? fragt ihr nun. Diese Frage hat mir der Engel Gabriel nicht beantwortet und so wird dies ein ewiges Geheimnis bleiben.

Missbrauchte Spuren im Schnee

Dezember 9, 2008 um 7:48 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | Hinterlasse einen Kommentar
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Willi Zauner

 

Mit diesen Zeilen will ich einem Menschen ein Denkmal setzen, den ich in meiner Schulzeit  lange Zeit schamlos ausnützte, ohne dass er es bemerkte: Dem leider vor kurzer Zeit verstorbenen Willi Zauner.

 

Willi war ein großartiger Mensch. Gebaut wie ein Panzer, groß und stark, freundlich und hilfsbereit und mit einem Gemüt ausgestattet, das ihn meiner Erinnerung nach nie aus der Ruhe kommen ließ. Er war der Sohn von Frau Zauner Milla, vom Binder-Bauernhof. Dieser befand sich nur etwa 100 Meter von meinem Haus entfernt, auf der anderen Straßenseite.

 

Zur Zeit, in der die Geschichte handelt, besuchte ich die Handelsakademie in Gmunden. In Bad Ischl gab es damals noch keine, auch keine Handelsschule. Und so waren junge Goiserer und Goiserinnen, die kaufmännische Fächer lernen wollten, gezwungen, jeden Tag mit dem Zug nach Gmunden zu fahren. Das hieß jeden Schultag um 5.00 Uhr aufzustehen, frühstücken, schnell noch den Pintsch in Mathematik von der Mutter unterschreiben zu lassen, weil da war die Zeit zum Schimpfen schon zu knapp, und dann aus dem Haus eilen, um den Zug um 5.40 noch rechtzeitig zu erreichen. Mit müden Augen traf ich jeden Tag am Bahnhof ein, den langen Schulweg verfluchend und gesellte mich zu meinen Leidensgefährten. Diese waren Wilfried Sch., der meist schon den neuesten Song der Beatles vor sich hinpfiff, Helfried R. und Günther P., der regelmäßig als Letzter die Geleise entlang dahergelaufen kam.. Wenn der Zug eintraf, saßen darin schon Alois Sch. und die Irmi W. In Anzenau stiegen noch Hermann G. und Elfi P. zu. Wenn dann noch in Ischl Charly P. zustieg, war die Runde müder Hasch- oder Hak-Fahrschüler aus dem oberen Salzkammergut komplett. Ab nun wurde Karten gespielt, geraucht, geschlafen oder Aufgaben abgeschrieben. Auch der eine oder andere Flirt wurde zaghaft versucht, aber meist überwog die Müdigkeit, so dass wirklich zärtliche Bande erst bei der Rückfahrt am Nachmittag unter Ausnützung der Dunkelheit in den Tunnels zwischen Traunkirchen und Ebensee geknüpft wurden. Seither weiß ich auch, dass für einen ordentlichen Kuss der Tunnel zwischen Goisern und Ischl zu kurz ist. Versuchen Sie es einmal.

 

Wir Schüler waren nicht die einzigen, die den Zug um 5.40Uhr benützten. Dazu kamen noch Arbeiter der Wildbachverbauung, Frauen, die im Allwerk in Gmunden arbeiteten, Arbeiter des Bauhofes Steinkogel und wer halt so außerhalb Goiserns aber nicht in Ischl zur Arbeit musste. Nach Ischl fuhr man später.

 

Der Weg von zu Hause bis zum Bahnhof dauerte ungefähr 10 Minuten. Das war dreiviertel des Jahres kein Problem. Anders aber im Winter. Damals schneite es noch ganz ordentlich in Goisern und so ein halber Meter frischer Schnee um fünf Uhr früh war normal. Leider fuhr um diese Zeit noch kein Schneepflug. Das hieß, ich musste durch den hohen Schnee stampfen. Und hier kommt Willi ins Spiel. Er arbeitete damals bei der Wildbachverbauung, benützte den selben Zug wie ich und verließ auch zur gleichen Zeit sein Haus.. Da er nur ein Stück von mir in morgendlicher Gehrichtung entfernt wohnte, holte ich ihn leicht ein und in angenehmem Gespräch, oft auch in angenehmem Schweigen schritten wir nebeneinander zum Bahnhof. Im Winter, bei Neuschnee, war das anders.

 

Willi war sehr groß und bärenstark. Und so tat er sich im Neuschnee leichter als ich. Daher versuchte ich im Winter ihn NICHT einzuholen, sondern so an die 100 Meter hinter ihm zu gehen. Dann konnte ich in seine Fußstapfen treten und tat mir im frisch gefallenen Schnee leicht. Willi ließ ich die Führungsarbeit tun. Hätte ich ihn eingeholt, wäre ich vielleicht gezwungen gewesen, neben ihm durch den tiefen Schnee zu waten, um nicht unhöflich zu erscheinen. Willi war aber nicht unhöflich, sondern sehr höflich und wenn er sich auf seinem Weg einmal umdrehte und mich weit hinten erblickte wartete er auf mich. Dann war es für mich aus mit dem leichten Gehen. Bis zu den Knien im Schnee stampfte ich neben ihm her. Geärgert habe ich mich deswegen aber nie. Er war ein wirklich angenehmer Begleiter zu so früher Morgenstunde und gar manches Interessante wusste er mir von seiner Arbeit zu erzählen..

 

Irgendwann endete auch meine Schulzeit und der gemeinsame Gang mit Willi hörte auf. Er ist dann von Goisern weg, hat nach Ebensee geheiratet und wir haben uns nur noch ganz selten gesehen. Dass er so früh verschieden ist, tut mit sehr, sehr leid. Die gemeinsamen Schneestampfereien aber werde ich nie vergessen und hoffe, dass mir Willi da oben verzeiht, wenn er in der himmlischen Bibliothek dieses Buch liest und erfährt, wie ich ihn schamlos ausnützte. Möge ihm der liebe Gott einen ewig schneegeräumten Weg schenken und ihn nur mit Wolkenzügen fahren lassen, die später als 8.00 Uhr den Bahnhof Himmelgoisern verlassen.

Die rotierende Milipitschn oder Frau Pfandl und ihre Familie

Dezember 9, 2008 um 7:27 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 1 Kommentar
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Frau Pfandl und ihre Familie

 

Wenn man auf der rechten Seite der Unteren Marktstraße ortsauswärts geht, Richtung Norden, kommt man an der Salzervilla vorbei. Nach der Salzervilla führt eine Straße zum Spar-Geschäft. Und gleich nach dieser Straße liegt das Grundstück und das Haus der Familie Pfandl. Früher war die Adresse „Goisern 52“, heute ist sie „Untere Marktstrasse 58“. Ging man früher noch weiter, passierte man das kleine Lebensmittelgeschäft von Frau Reindl, dann kam der Bauernhof des Loama (Leimer) Bachtl und das nächste Haus, das heute rosa gestrichen ist, war das Haus, in dem ich mit meinen drei Geschwistern aufwuchs, damals Goisern 181. Das Haus Goisern 182 gleich daneben, trug den Namen „Villa Rosengarten“ und gehörte der Familie Unterberger. Über die unvergessliche Barbara Unterberger und ihren klugen, schönen Töchter habe ich schon in meinem letzten Buch geschrieben. Wieder ein Stück weiter stand und steht noch heute das Haus der Familie Putz in dem das Installateurunternehmen dieser Familie damals schon untergebracht war und heute noch ist. Daran anschließend folgte der Bauernhof der Familie Hager. Ein weiterer Bauernhof, der von der Familie Pilz vulgo Binder befand sich gegenüber vom Loama Bachtl. Zählt man noch den „Brandtner“-Bauernhof der Familie Engelbrecht, etwas links hinter dem Binder, inmitten von einem großen Feld, dazu, dann wuchs ich umgeben von fünf Bauernhöfen auf.

 

In meiner Jugendzeit kaufte man die Milch nicht im Lebensmittelgeschäft, sondern direkt beim Bauern. Verantwortlich für das Milchholen waren immer wir Kinder. Soweit ich mich erinnern kann, war die Milchabholzeit am Abend, so zwischen 17.00 und 18.00 Uhr. Das war insbesondere zu Krampuszeiten für mich keine angenehme Zeit, da schon einige Tage vor dem 6. Dezember Krampusse herumliefen und böse Kinder suchten. So sagte jedenfalls mein Vater, um mich zu schrecken und brav zu halten. Gesehen habe ich um diese Zeit eigentlich nie einen Krampus, aber dafür oft den lauten, unheimlichen Ton gehört, den der eine oder andere Nachbarbub einem abgeschnittenen Kuhhorn entlockte. Meine Furcht, wenn ich diesen heulenden Ton in schon dunkler Nacht hörte, war ungeheuer. Später lernte ich, dass man den selben Ton auch dreißig Zentimeter abgeschnittenem Gartenschlauch entlocken kann und heulte mit einem fürchterlichen Ton zurück. Ob sich vor meinem Ton jemand gefürchtet hat, weiß ich nicht, hoffe es aber sehr.

 

Ich musste im Laufe meiner Kindheit bei allen fünf Bauern Milch abholen. Warum unsere Lieferanten wechselten, weiß ich nicht. Vielleicht hatte manchmal der eine Bauer mehr Milch und der andere zu wenig, weil er eine Kuh geschlachtet hatte, sodass es deshalb zum Lieferantenwechsel kam. Der Preis kann nicht viel Rolle gespielt haben, ich denke, ich habe überall für den Liter einen Schilling bezahlt. Jedenfalls, wenn ich an der Reihe war und nicht eines meiner Geschwister, drückte mir am Abend die Mutter die „Milipitschn“ (Milchkanne) in die Hand, dazu einen Schilling und schickte mich in die weite Welt um Milch zu holen. Am liebsten ging ich zur Frau Karoline Pfandl (1906 – 1972).

 

Die Pfandls hatten einen großen Bauernhof, dessen Lage ich schon oben beschrieb. Die Distanz zu unserem Haus betrug für einen Buben ca. drei Gehminuten. Damals betrat man das Pfandl-Haus durch ein an der Rückseite gelegenes hölzernes Vorhaus. In diesem Vorhaus standen die mit einem Liter Milch angefüllten Milipitschn von uns und unseren Nachbarn bereits auf einer Bank. Frau Pfandl selbst saß auch auf der Bank und erwartete ihre Kunden. Sie nahm den Schilling und die leere Kanne von mir entgegen und händigte mir die volle Kanne aus. Ich öffnete schnell den Deckel um nachzusehen, ob sich auf der Milch schon etwas Rahm gebildet hatte. Wenn ja, trug ich die Kanne ganz besonders vorsichtig nach Hause, damit der Rahm sich nicht wieder mit der Milch vermische. Denn zu Hause nahm die Mutter einen Löffel, schöpfte etwas Rahm ab und ich durfte ihn, weil ich heute besonders brav gewesen war, vom Löffel schlürfen. So ein Löffel Rahm war so ungefähr das Beste, was ich mir an Genuss vorstellen konnte – außer einem Stück Kandiszucker von der Frau Reindl. Als Bub lernte ich über die Schwerkraft und ihr Verhältnis zur Rotation Folgendes: Wenn man von der vollen Milipitschn den Deckel abnimmt und sie mit gestreckter Hand sehr schnell über dem Kopf dreht, fließt die Milch nicht heraus. Wenn man aber zu langsam dreht, verliert man bis zu einem halben Liter und wird zu Hause nicht mit einem Kuss der Mutter empfangen.

 

Ich habe Frau Pfandl als äußerst liebenswerte, immer hilfsbereite Frau mit einem wunderschönen Gesicht in Erinnerung. Stets hatte sie ein liebes Wort für mich übrig. Ich kann mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen, als sie mich fragte, ob ich mich vor der Schule, die ich im Herbst erstmals besuchen sollte, fürchten würde. Natürlich verneinte ich und sie sagte mir, ich sei ein so kluger Bub, ich müsse mich ja wirklich nicht fürchten. Und stolz ging ich damals nach Hause. So ein Lob vergisst man sein ganzes Leben nicht, quod erat demonstrandum. Denkt immer daran, ihr elterlichen Leser und lobt Eure Kinder so oft es geht, am besten jetzt gleich. Und wenn ihr keine Kinder habt, lobt einfach den Schreiber dieser Zeilen. Er freut sich auch.

 

Frau Pfandl lebte nicht allein in ihrem Haus. Mit ihr wohnten noch ihr Ehemann Josef (1901 – 1957) ihr Sohn Leopold mit seiner feschen Frau Theresia und ihre weiteren Söhne Josef und Hans. Der erste Stock wurde von der Familie Hinterberger bewohnt.

 

 

Josef Pfandl betrieb neben dem Bauernhof auch noch ein kleines Fuhrwerksunternehmen. Auf dem Bild ist er mit seinem Stier und dem ersten Wagen der Firma Bresnik, der mit aufgeblasenen Gummireifen bestückt war, zu sehen.. Die Ladung besteht aus vollen Mehlsäcken, die er täglich von der Kunstmühle zur Verladung am Goiserer Bahnhof brachte. Eine weitere regelmäßige Fuhre war das Brot, das von der Kunstmühle zum Konsumgeschäft nach St. Agatha gebracht werden musste. Sohn Leopold unternahm diese Fahrt mit Stier und Wagen bereits im zarten Alter von 7 Jahren alleine, wenn der Vater nicht Zeit hatte. So ein Stier geht langsam und wenn er einmal nicht so recht wollte, und Leopold um 7.30 Uhr bei der Kunstmühle startete, kam er mit der Ladung erst um 16.30 Uhr in St. Agatha an, wie er mir erzählte. Es ist halt sehr schwierig für so einen kleinen Buben, so ein riesiges Tier anzutreiben. Ihm stand für seinen Wagen die gesamte Straßenbreite zur Verfügung. Denn, wie er mir weiters sagte, die einzigen Autos, die ihm hätten begegnen können, hatten damals der Feicht und die Strohschneiderin. Am Weg zurück spürte der Stier, dass es nach Hause ging und sauste mit Wagen oder Schlitten, je nach Jahreszeit, nur so dahin. Am Hof angekommen, rannte er samt Fuhrwerk in den Stall, ohne dass Leopold ihn bremsen konnte und dabei, so seine Worte, „flogen regelmäßig die Fetzen“. Er baute später das Fuhrunternehmen seines Vaters aus, kaufte Lastwagen dazu und betrieb auch eine Schottergrube im Weißenbachtal. Das Unternehmen bestand bis 19…………………???

 

Das Grundstück der Pfandls erstreckte sich westlich bis zur heutigen Unteren Marktstraße, östlich bis zur Konrad-Deubler-Allee, südlich bis zum Zaun der Salzervilla, nördlich bis zum Laimer-Gärtner und zählte zu unserem erweiterten Spielareal. Einiges davon wurde in der Zwischenzeit verkauft, sei es für die Umfahrungsstrasse, sei es für den neuen Spar-Markt. Jenseits der Deubler-Allee erstrecken sich andere Felder, bis hinauf zum Sauruckn und noch weiter. Diese Felder waren unser Skigebiet. Den Sessellift zum Predigstuhl hinauf konnte sich kaum einer von uns Buben leisten und so gingen wir mehrmals täglich zu Fuß diese Wiese, genannt das Winterauerfeld, hinauf um kurz zu rasten und dann mit kühnen Wedelschwüngen wieder herunterzufahren. Unsere Kondition war damals sehr beträchtlich. Wenn es Zeit war, nach Hause zurückzukehren, gingen wir ein letztes Mal ein gutes Stück hinauf und fuhren „im Schuss“, also ohne eine Kurve zu machen, hinunter. Wenn die Schneedecke im Pfandlfeld gefroren war, also wenn der „Harsch“ trug, fuhren wir ohne Problem in einem durch bis zur Unteren Marktstraße. Da angekommen, war es nicht mehr weit nach Hause. Von ganz oben, also vom Saurucken, traute ich mich nie im Schuss hinunterzufahren, weil da waren zwei kleine Wegerl im Sprung zu überqueren und davor fürchtete ich mich. Der Rehn Willi, der hat es einmal getan und dafür bewundere ich ihn noch heute.

 

Oft war ich als Kind auch am Bauerhof im Stall. Kühe, Schweine und Hühner wurden darin gehalten. Die Schweine fütterte der Bauer damals noch mit „Trank“. Das war der Bioabfall, der in den umliegenden Haushalten anfiel, wie z.B. Kartoffelschalen, und der in blechernen Eimern gesammelt wurde. War so ein Eimer voll, musste ich ihn zum Pfandl tragen, dafür durfte ich dann auch in den Stall, die Tiere bestaunen, von deren Anblick, ihrem Gemuhe, Gegrunze und Gegacker ich nicht genug bekommen konnte.

 

Oft half ich mit meinen Brüdern auch beim Heuen mit, wendete geschnittenes Gras, befestigte es zum Trocknen auf „Hüflern“ und brachte Heu in großen Tragtüchern am Kopf in die Tenne. War genügend aufgehäuft, sprangen wir von einer höheren Fläche tief hinunter in den duftenden Heuhaufen. Das war für uns eine Mutprobe und machte unendlich viel Spaß. Die Heuarbeit war für uns eigentlich keine Arbeit, sondern ein Vergnügen, bei dem wir als Kinder jedoch schon ernst genommen wurden. Und das war Belohnung genug. Dass dabei auch noch so manches Kracherl oder selbstgemachter Süßmost und ein Butterbrot, mit ebenfalls selbstgemachter Butter, zusätzlich für uns abfiel, war ein angenehmer Nebeneffekt.

 

Auf dem platz vor der Auffahrt zur Tenne stand einige Zeit lang ein alter Lastwagen, der nicht mehr gebraucht wurde und in dem und auf dem wir Kinder spielen durften. Ich saß oft am Lenkrad und hatte natürlich viel zu kurze Beine, so dass mein Bruder Karl-Heinz, der noch kleiner war, zu den Pedalen hinunter kriechen musste um Bremse, Gas und Kupplung zu bedienen. Natürlich hatten wir von der Funktion dieser Pedale keine Ahnung, nur dass man sie ab und zu drücken musste, das wussten wir schon. Ich konnte mir nie erklären, wie der Fahrer erkennen konnte, ob die Vorderräder geradeaus stehen würden oder nach links oder rechts zeigten. Weder durch die Windschutzscheibe, noch dann, wenn ich mich beim Seitenfenster hinauslehnte, konnte ich die Räder sehen. Für mich aber war es klar, wenn der Fahrer wissen wollte, ob er in einem gegebenen Augenblick nach links, nach rechts oder geradeaus fuhr, er dies nur durch die Stellung der Vorderräder erkennen konnte. Und so rief ich während unserer fiktiven Fahrt nach Steeg: „Achtung, Oberhauserkurve!“ Und Karl-Heinz musste die Pedale loslassen, hinausklettern und nachsehen ob ich die Räder in die richtige Richtung gedreht hatte. Sonst wären wir nie durch die Kurve gekommen. Einen Unfall hatten wir dank dieser Methode nie. Ich empfehle sie daher heute noch Autolenkern ab 1 Promille Alkohol im Blut.

 

Die Mitglieder der Familie Pfandl waren durch meine ganze Kindheit hindurch liebe Freunde und sind es heute noch. Für die schönen Zeiten, die ich auf ihrem Bauernhof verbringen durfte danke ich ihnen wirklich aus ganzem Herzen. Ganz besonders der alten Frau Pfandl. Möge sie mit ihrem Gatten und ihrem leider früh verstorbenen Sohn Josef im Himmel einen Bauernhof zugewiesen erhalten haben, auf dem alle Maschinen nie einer Reparatur bedürfen, das Wetter immer genau richtig ist und dicke Butterbrote neben Schinken und Krügen voller Most auf den Bäumen wachsen.

 

 

Herr Pfandl und das alte Fuhrwerk mit Stier

November 16, 2008 um 11:33 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | Hinterlasse einen Kommentar
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Herr Josef Pfandl mit Wagen und Stier

Das Bild zeigt Herrn Josef Pfandl mit Stier und einem Wagen, der der erste ist, der mit Gummireifen vom Bresnik-Schmied ausgestattet ist. Wie nennt man diese Reifen in der Fachsprache? Die Ladung besteht aus Mehl. Das Bild dürfte aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg stammen.

Bergkameraden – besser helfen statt beten – ein greusliches Beispiel

November 11, 2008 um 11:39 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch, lyrik | 1 Kommentar
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Hinauf auf den Berg, da zog es die zwei

Den Hans und den Sepp, sonst war keiner dabei.

Drei Almwiesen hatten sie überquert

Und waren bei der Sennerin eingekehrt.

Sie hatten die steilsten Wände erklommen,

Und waren dem Gipfel schon nahe gekommen.

Da löste sich, wie von Geisterhand,

Ein riesiger Felsen aus steiler Wand.

Mit wütendem Sausen,

Mit tosendem Brausen

In hohem Bogen

Kam er geflogen.

Die beiden wollten zur Seite springen.

Zu spät, es sollte nur einem gelingen.

Dem Sepp gelang in eine Spalte die Flucht.

Den Hans aber traf der stürzende Felsen mit Wucht.

Riss ihn hinab bis ganz zum Grunde

Und schlug ihm Wunde um Wunde um Wunde.

Der Schrei des Hans in seiner Qual

Ertönte durch das ganze Tal.

„Hilf mir Sepp, der Fels ist schwer

Ach, hilf, er drückt mich gar zu sehr.“

Der Sepp hielt sich die Ohren zu.

Er hatte Angst, er wollte Ruh

Vor Hanses Schreie voller Schmerz.

Er hatte einen Stein statt Herz.

Und rief zu Hans, der oben lag:

„Warte doch nur noch einen Tag

Gleich morgen werde ich die Kirche betreten

Und dort für deine Rettung beten“.

Zu Hause hatte er es trocken und wärmlich

Der Hans aber krepierte am Berge erbärmlich.

Samstag Vormittag im Lebensmittelgeschäft

November 4, 2008 um 10:14 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 3 Kommentare
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Im Konsum-Geschäft

 

Im Lebensmittel-Supermarkt herrschte dichtes Gedränge vor der Kasse. Eine lange Schlange hatte Zahlungswilliger hatte sich gebildet. Es war Samstag Vormittag und es schien, als befände sich jede Frau von Goisern im Laden und vor der Kasse. Plötzlich ein Schrei:

“Lassen Sie mich vor, mein Mann hat einen BMW“.

 Kurze Stille – dann ertönte ein zweiter Ruf:

„Mein Mann hat einen Mercedes, lassen Sie MICH vor“.

„Nein; lasst MICH vor, mein Freund hat viel Geld.“ rief eine dritte Stimme.

Ein fürchterliches Durcheinander von Stimmen entstand vor der Kasse, jede wollte vorgelassen werden.

„Mein Mann ist Apotheker“,

„Mein Mann ist Lehrer“,

„Schleichens Ihna, mein Mann ist Schuldirektor“,

„Und mein Mann ist im Gemeinderat“,

„Der kommt am Samstag Abend immer zu mir, hahaha“,

„Mein Mann ist schon einmal nach Kuba geflogen“,

„A Kommunistin! Sie lassen’s uns alle vor“,

„Genau, lassen Sie MICH vor, mein Mann ist Arzt“,

„Mein Freund ist Priester“, wagte sich sogar eine aus der Deckung, nur um vorgelassen zu werden.

„Und mein Kind ist von ihm“, schrie eine schon ganz Hysterische, verstummte aber sofort wieder, erschrocken über ihr eher unfreiwilliges Outing.

Eine Ausländerin, wahrscheinlich eine Ischlerin, wollte auch bemerkt werden: „Mein Mann ist der Mann einer Ärztin mit Doppeldoktorat,“ rief sie, konnte sich aber gegen den Lärm nicht durchsetzen. Da liess sie den Einkaufswagen stehen und ging an der Kasse vorbei zum  Ausgang.

Während all die anderen Damen schrieen, stritten und durcheinander redeten, ja, sich sogar gegenseitig an den Haaren zogen, sagte die Frau des Tischlermeisters zur Buchhändlerin:

„Gehen Sie doch vor, auf sie warten zu Hause Kinder. Die sind bestimmt schon hungrig.“

„Danke“, sagte die Buchhändlerin, „das nächste Mal lasse ich Sie vor“.

Sie zahlte und verließ das Geschäft. Die Tischlermeistergattin stieg über die schon am Boden raufenden Frauen und kam als nächste dran.

Gottlieb Oberhauser, der Boandlrichter von Goisern, 1850 – 1921

Oktober 29, 2008 um 12:06 am | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch, Bad Goisern | 3 Kommentare
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Gottlieb Oberhauser mit Besucher und dem Demonstrationsskelett "Hansl"

Gottlieb Oberhauser r. mit Besucher und Demonstrations-Skelett "Hansl"

Gottlieb Oberhauser

(Gottlieb = lat. Amadeus, griech. Theophil)

 

Der Urenkel von Gottlieb Oberhauser, Christian Oberhauser erzählte mir Folgendes über seinen Uhrahn:

Gottlieb Oberhauser wurde 1850 in Kitzbühel geboren. Er hatte 12 Geschwister und die Eltern konnten so viele Kinder nicht ernähren. So ging der kleine Gottlieb mit 13 Jahren allein ins Salzkammergut, um sich dort als Hirtenbub durchzubringen. Er fand Arbeit als Halterbub auf der Postalm bei Strobl. Dort erwarb er sich Kenntnisse im Heilen von Knochenbrüchen. Noch nicht am Menschen, aber bei Schafen und Kühen, für die er verantwortlich war und die sich ab und zu ein Bein brachen. Die gebrochenen Beine hat er mit Stricken und Holzlatten geschient bis sie wieder ordentlich zusammenwuchsen. Vielleicht erfand er dort schon das Mittel gegen schwere Entzündungen, das er als „Foenum graecum“, der Volksmund aber als „Oberhauserkoch“ bezeichnete. Es bestand aus dem gemahlenen Samen des Bochshornklees, den er mit Milch verkochte. Der so erzeugte Brei wurde auf die entzündete Stelle aufgestrichen. Mit der zeit wandte er seine Fähigkeit, Knochenbrüche einzurichten auch an Menschen an und wurde dafür weitum als „Boandlrichter“ bekannt.

 

Um 1875 kam Gottlieb Oberhauser nach Goisern. Mit einem Kredit kaufte er das „Gasslgut“. Das bestand aus den Wiesen, die sich zwischen der BMW-Werkstatt im Norden von Goisern und der „Oberhauservilla“ erstreckten. Sein Haus mit Stadl stand ungefähr dort, wo heute die große Garage der Familie Oberhauser steht, gegenüber vom Putz-Installateur. Er eröffnete auch ein kleines Transportunternehmen mit Ochsenfuhrwerken. Nebenbei wirkte er auch als Heiler von Knochenbrüchen. Offensichtlich war er bei all seinen Tätigkeiten äußerst efolgreich, denn schon bald ließ er sich eine Villa, die heute die „Oberhauservilla“ genannt wird, von einem italienischen Architekten planen und errichten. Auch erwarb er noch weitere Grundstücke, so z.B. die Wiesen links und rechts der schönen Allee des Maler-Alt-Weges.

 

Hunderte Menschen mit Knochenbrüchen suchten ihn in dieser Zeit auf. Oft wurde er wegen Kurpfuscherei angezeigt, aber er gab nie auf. Eines Tages aber fuhr eine Kutsche mit einer feinen Dame des Kaiserhofes vor, die sich vor einiger Zeit das Bein gebrochen hatte und das nicht mehr richtig zusammengewachsen war. Nun suchte sie Hilfe beim Goiserer „Boandlrichter“. Gottlieb zögerte nicht lange, brach ihr das Bein noch einmal und richtete es wieder ein. Offensichtlich war die Dame zufrieden und hat für ihn ein gutes Wort beim Kaiser eingelegt, denn bald darauf erhielt er von Kaiser Franz Josef eine „Allerhöchste Entscheidung“ mit der Bewilligung zum Heilen von Menschen ohne Medikamente. Angeblich durfte er sich ab jetzt „k. und k. Beinrichter“ nennen. Zahllose Besucher aus Nah und Fern suchten ihn daraufhin vermehrt auf und trugen so nicht unwesentlich zum Entstehen des Tourismus in Goisern bei.

 

1921 starb Gottlieb Oberhauser. Er liegt in einer Familiengruft am katholischen Friedhof in Goisern begraben.

 

Seine Nachkommen heilten keine Menschen mehr, aber sie bauten das Transportunternehmen aus. Zuerst Gottliebs Sohn Hermann, später dessen leider vor kurzem verstorbene Sohn Bruno, der dazu auch noch eine Schottergrube in Unterjoch betrieb, wobei ihm seine Söhne Herbert, Christian und Andreas zur Seite standen. Ein anderer Enkel, ebenfalls Gottlieb getauft, gründete ein BMW-Autohaus und die dazugehörige Autowerkstätte, die heute noch existieren.

 

Christian, der Urenkel, erzählte mir dann noch zwei Geschichten aus dem Leben seines Urgroßvaters, die in der Familie von Generation zu Generation weitererzählt wurden und die zeigen, dass Gottlieb Oberhauser nicht nur geschickt und kundig, sondern auch ausgesprochen bauernschlau war:

 

Eines Tages brachte ein stattlicher Herr einen Hund zu Oberhauser, der nicht fressen wollte (der Hund, nicht der Herr). „Geh Oberhauser“, sagte der Hundebesitzer, „kannst ma nit helfn, mei Hund frisst schon seit a boa Tog neama nix. I moa, er wird geh hi (ich glaube er stirbt bald)“. „Jo los man do a Wocha und donn kimmst wida vorbei und hoistn (Ja lass ihn mir eine Woche da und dann komm und hole ihn wieder ab)“, gab ihm Oberhauser freundlich zur Antwort. Mit den Worten „Guat, Danke und Pfiatdi“ verabschiedete sich der Besucher.

 

Oberhauser hatte natürlich sofort bemerkt, das der Hund einfach total überfressen und deshalb schwer übergewichtig war. Er gab ihm eine Woche lang nur Wasser als nahrung. Nach einer Woche holte der Mann seinen Hund wieder ab und war überglücklich über den Appetit von „Tasso“ dem Hund, der den eines Löwen übertraf.

 

Und welchem Arzt wäre dieses eingefallen: Als sich ein Goiserer das Handgelenk brach und dieses schief zusammenwuchs, ging er zum Oberhauser. “Jo mei Sepp”, sagte dieser, “i kann dirs Gelenk schon wieder einrichten, muss es aber vorher noch einmal brechen”. Entsetzt verließ der Sepp das Haus durch die Haustür. Oberhauser schaute daneben beim Fenster hinaus, mit ausgestreckter Hand zum Abschiedsgruss. Der höfliche Sepp packte die Hand um sie zu drücken. Zack, packte Oberhauser zu, und brach des Sepp schiefes Handgelenk indem er mit diesem fest auf die Fensterkante schlug. Nachher richtete er es gerade ein und der Patient war glücklich und konnte künftig wieder senkrecht melken.

 

Dankschreiben

Dankschreiben bzw. Zeugnisse an und für Gottlieb Oberhauser, zur Verfügung gestellt vom Heimatmuseum Bad Goisern und aus den Originalen, die in Kurrentschrift geschrieben sind, „übersetzt“ von Kustos Josef Mayer

Jungfrau für Monster gesucht

September 10, 2008 um 10:21 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 2 Kommentare
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Das Klassentreffen

bei meinem Freund, dem Moawiesbauern in da Neikira (Neukirchen)

 

Vor einigen Jahren hatten wir wieder einmal ein Maturatreffen. Diesmal bei einem Freund in Neukirchen, der einen Bauernhof geerbt hat und deshalb auch mit seinem Hausnamen bekannt ist , der da „Moawiesbauer“ lautet. In der Schule riefen wir ihn stets „Mitsch“. Die Frage nach dem Warum ist bei Spitznamen verpönt, weil sich nach Jahren niemand mehr erinnern kann, wie er entstand.

 

Es war ein vergnügliches, gemütliches Klassentreffen im Hause von Mitsch. Seine hübsche Gattin kocht vorzüglich, so dass wir bestens versorgt wurden. Das Treffen zog sich bis spät in die Nacht hinein und durch die großen Fenster konnte man nur noch ein Licht in der Ferne erblicken. Das Haus ist relativ einsam gelegen, ein kleiner Bach fließt daran vorbei. Und als ich so in die Dunkelheit hinausblickte, dachte ich, das wäre eine Nacht für Monster und schrieb am nächsten Tag die Geschichte auf, die mir dazu einfiel:

 

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Kaum zu glauben, dass wir an einem Tisch 12 Stunden lang einfach nur so miteinander geredet haben. Das ist selten und war gut. Ich habe mich mit den drei Kühen auf Mitschens Wiese angefreundet. Die habe ich innerhalb kürzester Zeit so trainiert, dass sie herangaloppierten, wenn ich pfiff. Ich habe vorher noch nie eine Kuh galoppieren sehen. Angeblich war eine Kuh ein Oxe. Aber alles kann man nicht wissen. Der Regen machte übehaupt nix aus. Im Gegenteil, er kreierte zusammen mit den tiefhängenden Wolken, den sattig grünen Wiesen und dem umliegenden dunklen Wald eine Stimmung, die mir gefiel.

 

Später, nachdem es stockdunkel geworden war, konnte man von Mitschens Haus aus nur mehr vom entfernten Nachbarn ein einziges beleuchtetes Fenster sehen, das war das einzige Licht das in dieser Nacht die Finsternis durchdrang. Ich wartete die ganze Zeit auf das fürchterliche Ungeheuer von Moawies, das in solchen Nächten dortn umgeht und böse Buben und böse Mädchen im Moawiesbachl ertränkt. Dabei zieht es das Opfer einige Male kurz vor dem letzten Atemzug aus dem Wasser, sodass das Opfer noch ein wenig weiterlebt, wiederholt ins Wasser gedrückt werden kann und daher länger leidet. Man hat schon Opfer gefunden, deren Haar trotz ihrer Jugend vor Entsetzen und Leiden während des Ertränkens weiss geworden war. Oft erst nach einer Stunde drückt das bösartige Ungeheuer das Opfer endlich für so lange Zeit unter Wasser, bis der Tod eintritt. Dann zerschlägt es den Schädel des Opfers an einem Stein im Bache, sodass das Gehirn austritt und saugt dann mit seinem kuzen Rüssel, den es statt dem linken Auge hat, das Gehirn auf, anschliessen saugt es die Augen des Opfers aus. Manchmal ist der Druck mit der Kralle auf den Kopf so stark, dass dem Opfer die Augen von selbst aus den Augenhöhlen springen und es ertrinkt dann bereits erblindet. Ein Feinspitz, ein Feinschmecker, schlitzt das Monster auch noch den Magen des/der Toten mit einer seiner 18 Krallen auf und spritzt den Augen-Hirn-Brei mit seinem Rüssel in den Magen, wo es den Brei mit dem warmen Mageninhalt verrührt.

 

Die so entstandene Sosse schaufelt es dann mit einer seiner 24 Hände – 12 wachsen aus dem Bauch, 12 aus dem Rücken – in den Mund, wobei es dann beim Schlucken immer zu grauslichen Rülpstönen kommt. „S’dunnat schon wieda, es Wiesi“, sagen dann die Moawiesa beinahe zärtlich und gerührt, „Gott sei der oamen Söl gnädig“ und dann bekreuzigen sie sich. Manchmal erbricht sich das Ungeheuer auch nach dem Mahle und an diesen Stellen, wo sein Mageninhalt hinfällt, wachsen dann besonders gute Obstbäume, deren Früchte hervorragend schmecken und die hohe Preise am Markt in Gmunden erzielen. Jungbäuerinnen wälzen sich auch oft nackt in diesem Brei, weil sie dadurch eine besonders schöne, glatte Haut bekommen sollen. Deshalb hat seit hunderten von Jahren auch kein Moawiesbauer versucht, das Ungeheuer zu töten.

 

Die Toten sind für den jeweiligen Moawiesbauer einfach Opfer der Marktwirtschaft, frei nach Milton Friedman, man soll da nicht regulierend eingreifen. Selbstverständlich wussten die alten Bauern nix von dieser Theorie der Neuzeit, sie taten bzw. unterliesen einfach , was ihnen als praktisch bzw. unpraktisch und nützlich bzw. unnütz erschien. Aber jede Praxis braucht auch eine Theorie, soweit wurde vor einer Generation dann schon gedacht. Um die Notwendigkeit des Nichteingreifens gegen „Wiesi“ auch wissenschaftlich untermauern zu können, wurde daher der jetzige Bauer von der Moawies vom Altbauern zum Studium nach Linz geschickt. „Lern wos Gscheits Bua, bleib koa Dodl und suach da a gscheits Weibal des wos de Oaweit mit de Kia nit scheicht. Eigenes Weib ernährt den Leib, mit fremden Frauen, kannst kein Haus erbauen, und auf der Weide, schenken Lust beide!“ gab er ihm als Rat mit auf die Reise (vgl. dazu auch Shakespeare, William: Hamlet; Polonius zu Laertes beim Abschied „Kein Borger sei und auch kein Leiher nicht, …“). Weil die Agrarbezirksbehörde und die Neukirchna Jägerschaft drängten immer mehr zum Abschuss des „Wiesi“. Aber gegen eine anerkannte marktwirtschaftliche Theorie, die in Praxis umgesetzt wird, sind sogar Behörden und Jäger machtlos, auch wenn es dabei und dadurch Tote gibt. Wir haben beim Mitsch Äpfel von solchen Bäumen gepflückt und gegessen und die waren wirklich aussergewöhnlich schmackhaft. Doch das Ungeheuer kam diesmal nicht.

 

Schade, denn insgeheim hätte ich mich auch gern im erbrochenen Schleim gewälzt und die eine oder andere Klassenkameradin sicher auch. Meine stillen Gebete wurden von dem da oben aber erhört und keiner der Anwesenden wusste, was ich eigentlich für sie tat und welcher Gefahr sie durch mein stummes Flehen zu allen Göttern entronnen waren. Zumindest die Jungfrauen, die das wüste Moawiesungeheuer besonders gern hat. Weil nur eine Jungfer, die eine Einladung des Ungeheuers zum Essen annimmt, kann es erlösen. 

 

Der Dank

gilt immer den Gästen.

Denn es gebietet sich,

dass sie hinnehmen,

was ihnen geboten!

 

 

Der Tod des Wildschützen oder der Pius Waldner Rap

April 7, 2008 um 7:58 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 1 Kommentar
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In da Fria bin i wegga In Gottes Natur.

Und mei Muattal hot gsogt: „Kimm gsund hoam, liaba Bua.“

Und bevor d’Sun woa heraußn

woa i schon draußn.

Zwischan Bleaml und Grasal bin i auffi am Berg,

von do obm vom Güpfi siagst untn nur Zwerg.

Ohne den Scheiß Jaga tat’s mi heit no gebm.

Ohne den Scheiß Jaga tat i heit no Lebm.

Wegen dem Scheiß Jaga lieg i im Grob.

Wegen dem Scheiß Jaga is jetzt so lob.

Drentas Tol auf da Leitn,

drent auf da Sunnaseitn

steht da Jaga mit sein Gwehr.

Und des letzt wos i hea is a Gümpöpfeifn.

Donn kimmt die Kugel, tuat mi net streifn.

Denn glei übam Buckl – zack!

geht de Wornschusskugel mir mittn ins Gnack.

Ohne den Scheiß Jaga tat’s mi heit no gebm.

Ohne den Scheiß Jaga tat i heit no Lebm.

Wegen dem Scheiß Jaga lieg i im Grob.

Wegen dem Scheiß Jaga, is jetzt so lob.

Mei junges Lebm, meine Träume, mein Sehnen,

umsonst sans gwen.

Erstickt nun in Tränen, sie fließen herab

von meinem Brüdern auf’s Grab.

Oba i sog trotzdem scho heit,

am Ende siegt die Gerechtigkeit.

Mi werden die Engal wolln,

den Jaga wird da Teifl hoin.

Ohne den Scheiß Jaga tat’s mi heit no gebm.

Ohne den Scheiß Jaga tat i heit no Lebm.

Wegen dem Scheiß Jaga lieg i im Grob

Wegen dem Scheiß Jaga, is jetzt so lob.

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