Meine erste Liebe – ein Marienkäferl eroberte mein Herz

Januar 21, 2010 um 12:07 am | Veröffentlicht in Bad Goisern, Romantik | 4 Kommentare
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Kinderball im „Kaffee Heller“

 

Dort, wo heute die Sparkasse steht, stand früher ein Kino,

eigentlich ein wenig dahinter. Gleich vis a vis vom Friseur, wo

früher – ich spreche von den 50ern und 60ern – eine Apotheke

stand. Um klar zu sein, wo der Friseur ist, war früher eine

Apotheke und gleich gegenüber ein Kino, das der Familie

Pramesberger gehörte. Über die sonntäglichen Kinobesuche und

den Herrn Pramesberger und seine Frau und den Polizisten

“Lahner-Lux”, der das Alter der Besucher überwachte, ist noch

viel zu schreiben, aber an anderer Stelle. Jedenfalls gab es am

Beginn der Vorstellung immer Werbung und diejenige, die ich

wohl am häufigsten sah und hörte, war ein Bild vom Cafe Heller

auf der riesigen Filmleinwand und dazu sagte eine Stimme:

“Besuchen Sie das Gartencafe Heller, bekannt für seine hausgemachten

Mehlspeisen, gleich am Anfang des Ortes.”

“Der Heller”, wie wir das Cafe nannten, war einmal auch ein

Tanzlokal. Die Musik kam aus einer Musikbox, für einen

Schilling konnte man drei Lieder hören. Manchmal bekamen

wir Buben einen Schilling vom Vater, um hinüberzugehen zum

Heller und Musik zu hören, am Sonntagnachmittag. Da wollte

er wohl ein wenig Zeit mit Mutter verbringen. Aus der Box

hörte man Conny Francis und Caterina Valente, Gus Backus,

Freddy Quinn, Martin Laurer, Elvis Presley und viele andere,

von denen man heute aber nichts mehr kennt, außer vom KING

natürlich. Ich wählte oft dieses “wilde” Lied von von Peter

Hinnen, “Auf meiner Ranch bin ich König”. Das ging ungefähr

so: “Auf meiner Ranch bin ich König, die weite Welt lockt mich

wenig – denn auf dem Rücken der Pferde, da liegt das Glück

dieser Erde, hollidriodiiiiiiii, hollidriiiioooodi holladrio etc.”

Am Faschingsonntag oder -montag fand im Heller jährlich der

Kinderball statt. Hurra, das war eine Freude und ein riesiges

Erlebnis jedes Mal. Ich kann mich noch an meinen ersten

Kinderfasching erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Meine Mutter zog mich als Cowboy an. Wie meine beiden

Brüder verkleidet waren, weiß ich nicht mehr, der kleinere

Bruder blieb wahrscheinlich zu Hause, weil ich war selber erst

vier oder fünf Jahre alt, gerade alt genug um zum ersten mal zu

tanzen. Ganz aufgeregt war ich. Im Heller saßen wir alle an

einem Tisch, mein älterer Bruder Klaus, meine Mutter und mein

Vater und ich, der wildeste und verwegenste Cowboy, den es

gab. Ich trank Sinalco oder Bluna. Sogar einen Schnurrbart

hatte ich, wenn auch nur mit Schminke gezeichnet. Als die

Musik erklang, gingen wir kleinen Kinder, von den Eltern ermutigt,

zuerst allein auf die Tanzfläche, standen ein wenig hilflos

herum und schauten den grossen Kindern, die waren schon

unglaubliche fünf oder sechs Jahren alt, zu, wie sie tanzten. Man

nahm sich an beiden Händen, lehnte sich ein wenig zurück und

drehte sich dann im Kreise. Das schien gar nicht so schwer zu

sein. Aber mit wem sollte ich tanzen? Mit dem Bertl oder dem

Willi ging das nicht, weil offensichtlich nur gemischte Paare

tanzten. Soweit hatte ich das schon begriffen.

Plötzlich sah ich neben der Musikbox das schönste Mädchen

der Welt stehen, die Sissy K., als entzückendes Marienkäferl

maskiert, mit einem roten Hut mit schwarzen Punkterl und auch

ihr Kleid war rot mit schwarzen Punkterln. Mein Gott, war die

schön, die Wangerl waren auch ganz rot geschminkt. Und

Augen hatte sie, wie funkelnde Diamanten. Der Ohnmacht vor

Liebe nahe, flüchtete ich zu meine Eltern. “Mit der Sissy möchte

ich so gerne tanzen, aber ich trau mich nicht” sagte ich zu

meinem Vater. “Trau Dich nur Bub” meinte er und meine

Mutter ergänzte: “Bist doch ein fescher Cowboy und ein

Cowboy hat vor nichts eine Angst, also geh hin und frage sie, ob

sie mit Dir tanzen will.” Schweiß stand auf meiner

Cowboystirn, meine Knie wurden weich und die Beine zitterten.

Wie zum Teufel sollte ich die Sissy fragen. “Wie fragt man?”

begehrte ich von der Mutter zu wissen. “Geh Bub” nahm sich

der Vater meiner an, “da fragst Du einfach: Sissy, darf ich bitten”.

Naja, das sagt sich recht leicht. Da stand ich am Tisch bei

meinen Eltern und auf der anderen Seite des Saales stand Sissy,

die Göttin, die vielleicht nicht mit mir tanzen wollte, und sicher

nein sagen würde, wenn ich sie um einen Tanz bäte. Die Eltern

ließen mich aber nicht mehr an den Tisch zurück, mich niederzusetzen

mit meinen weichen Beinen. “Na geh schon Bub”

munterte mich die Mutter auf.

Und wie verhext hatte jemand eine neue Platte in der Musikbox

gewählt, meinen Liebling, Peter Hinnen. Zurück konnte ich

nicht, das ließen meine Eltern nicht zu. Vor mir öffnete sich die

unendliche Weite der Tanzfläche, noch leer. Die ersten Paare

näherten sich ihr schon. Mir schwindelte leicht und zögernd

begann ich die Tanzfläche zu überqueren. “Sie wird nein sagen,

sie wird nein sagen, sie wird nein sagen” flüsterte ich vor mich

hin. Das schönste Mädchen der Welt würde sicher nicht mit mir

tanzen, das wusste ich. Schon hatte ich die halbe Tanzfläche

überquert, der Tisch, wo jetzt Sissy mit ihrer Familie saß, näherte

sich mir mit ungeheurer Geschwindigkeit. Und ich weiß nicht

mehr, wie ich es bis dorthin geschafft hatte, plötzlich stand ich

vor ihr. “Du Sissy”, stammelte ich, “hörst Du auch die Musik?”

“Ja sicher” flötete es aus ihrem wunderschönen Mund, “Das ist

der Peter Hinnen, der singt Auf der Ranch bin ich König”.

“Und?” stammelte ich, “bist Du ein Marienkäferl? Ich bin ein

Cowboy.” “Aha” antwortete die Süße. Ich hatte inzwischen

mehr als 40 Grad Fieber. “Gibst Du mir einmal Deine Hand?”

kam über meine Lippen. Gleich reichte sie mir ihr Händchen

und drückte meines. “Willst gar vielleicht tanzen?” hauchte sie

mich an. “Ob ich tanzen will? Jaja, freilich, tanzen, ja tanzen,

genau, ja tanzen will ich gerne. Mit Dir?” fragte ich wie blöd.

“Klar mit mir, oder willst Du mit einem Marienkäferl nicht tanzen,

ich tanze gerne endlich einmal mit einem Cowboy.” Dabei

übersah sie geflissentlich, genauso wie ich, dass eigentlich alle

Buben als Cowboys verkleidet waren, nur vereinzelt sah man

auch einen Indianerhäuptling. Denken konnte ich überhaupt

nicht mehr.

Sissy aber ergriff jetzt die Initiative. Meine Hand hatte sie ja

bereits gepackt, und so zog sie mich hinter sich her auf das

Tanzparkett. Sie drehte sich zu mir, sodass ich in ihr strahlendes

Gesicht sehen konnte, funkelte mich mit ihren Augen an und

nahm meine zweite Hand. Hundert Hände hätte ich ihr in diesem

Augenblick gegeben, wenn ich sie gehabt hätte, abhacken

hätte ich sie mir für sie lassen. Aber das wollte sie gar nicht. Sie

lehnte sich zurück, streckte die Arme aus, mir blieb nichts anderes

übrig, ich tat dasselbe, unser Griff hielt. Und zaghaft begann

ich mich zu bewegen, ein Schritt links und noch ein Schritt links

und noch einer oder war es rechts, mir war es egal. Ich drehte

mich und mit mir drehte sich die wunderschöne Sissy. “So”,

dachte ich, “muss sich der König einer Ranch fühlen, und ich

bin schon irgendwie ein wilder Bursche, ein richtiger Cowboy”.

Vater und Mutter strahlten um die Wette und waren fürchterlich

stolz auf ihren Sohn bei seinem ersten Tanz.

Wie lange und wie oft ich an diesem unvergesslichen

Faschingsonntag noch mit Sissy tanzte, ob ich mit anderen auch

noch tanzte oder nicht, mir ist nichts in Erinnerung. Ihre Äuglein

die beim Tanze strahlten und mich ansahen, hatten mich

unfähig gemacht, zu denken, zu sehen oder zu hören. Die Welt

war verschwunden, es gab nur noch diesen Tanz und die zwei

Mädchenhände, die die meinen hielten. Leider habe ich mit

Sissy nach diesem Sonntag nie wieder getanzt, später verlor ich

sie für viele Jahre aus den Augen und sie fand einen anderen,

der sie hoffentlich auch einmal für zumindest eine Sekunde so

lieb gehabt hat, wie ich bei diesem Tanz beim Heller.

Wie sich das Christkind einmal etwas zu Weihnachten wünschte

Dezember 20, 2009 um 10:57 am | Veröffentlicht in Allgemein, Bad Goisern | 5 Kommentare
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Wie sich das Christkind einmal zu Weihnachten etwas gewünscht hat

 

Gleich neben der Fleischerei Forstinger befindet sich ein kleiner Garten. In diesem Garten steht ein hölzernes Gartenhäuschen nach alter Goiserer Art. Handgemacht und reichlich mit Schnitzereien verziert. Im Sommer blüht vor diesem Häuschen der schönste Goldflieder-strauch weit und breit und erfreut jeden, der daran vorbeigeht. Das Häuschen selbst spendet Schatten, dem der sich hineinsetzt, was naturgemäß die dort arbeitenden Fleischer mit einem kühlen Gösserbier zur Mittagszeit tun. Ein merkwürdiger Friede legt sich dann über sie, der aber nicht von der Flasche Bier stammt, die sie genüsslich trinken, sondern von etwas ganz anderem.

Das Häuschen ist nämlich nur elf Monate im Jahr ein gewöhnliches Gartenhäuschen. Mit Beginn der Adventzeit aber verwandelt es sich in ein Weihnachtsgeschäft für Heilige und andere Menschen, die nach ihrem Tod in das Himmelsreich aufgenommen wurden. Das kann doch nicht sein, sagt ihr, das hätte ich doch bemerken, hätte ich doch sehen müssen. Ihr könnt das himmlische Weihnachtsgeschäft im Garten aber nicht sehen, weil es für die Augen von Erwachsenen als ein solches unsichtbar ist und für Erwachsene auch im Dezember wie ein gewöhnliches, schneebedecktes Gartenhäuschen aussieht. Nur Kinder können es sehen, Kinder die sehr, sehr brav sind, ein Herz aus Gold haben und eine gute Tat vollbrachten, kurz bevor sie daran vorbeigehen. Das sind nur wenige Kinder. Und wenn dann diese den Erwachsenen erzählen, dass sie beim Forstinger im Garten ein goldenes, himmlisches Weihnachtsgeschäft gesehen haben, glaubt ihnen das keiner, weil es so wunderbar ist. Und Erwachsene glauben nicht mehr an wunderbare Dinge, daher können sie diese auch nicht sehen. So reden sie den Kindern ein, sie hätten dies alles nur geträumt und die Kinder scheuen sich daher, davon weiterzuerzählen, glauben mit der Zeit selbst an einen Traum und daher weiß niemand in Goisern von diesem Geschäft. Dennoch existiert es.

In diesem Geschäft also kaufen die Heiligen zu Weihnachten Geschenke ein. 1 kg Glück z.B., das kostet zwei Eimer Myrrhe oder zwei Löffel Weihrauch. 1 Liter Vertrauen kostet in etwa das selbe. Lächeln ist teuerer. 1 Meter Lächeln kostet an die 3 Goldbarren, weil zufriedenes, ehrliches Lächeln so selten geworden ist. Zufriedenheit war heuer schnell ausverkauft, weil die Weltwirtschaftskrise auch am Himmel nicht spurlos vorbeiging. Irgend so ein Investmentbanker, der irrtümlich in den Himmel kam, hat es auch da oben nicht bleiben lassen können und 44 Milliarden Sterne und Planeten an den Teufel verzockt. Und da wurde auch die Zufriedenheit im Himmel weniger. Es dauert nämlich mehr als zwei Ewigkeiten, manchmal sogar drei, bis diese Sterne und Planeten wieder nachwachsen. Heiligenscheine gibt es derzeit im Überangebot, weil die alten Heiligen haben schon einen und neue Heilige werden immer seltener, seit die Menschen lieber die Börsennachrichten lesen, als die Bergpredigt unseres Herrn. Sehr teuer ist in letzter Zeit die gute, dauerhafte Beziehung geworden, die kostet mittlerweile schon mehr als 10 Esslöffel Weihrauch. Und so können die Himmelsbewohner zur Adventzeit in diesem kleinen Weihnachtsgeschäft alles kaufen, was denjenigen, der das Geschenk erhält, glücklich und zufrieden macht.

Voriges Jahr aber kam wieder das Christkind mit seiner Mutter Maria an diesem Geschäft vorbei und sah mit traurigen Augen die vielen herrlichen Sachen in der Auslage. – „Mutter“, sagte es, „immer muss ich schenken und nie bekomme ich etwas. Ich möchte auch einmal ein Weihnachtsgeschenk erhalten. Und wenn es nur ein ganz kleines ist.“ – „Aber Kind,“ antwortete die Mutter Maria, „dein Geschenk ist, dass du Gottes Kind bist, ist dir das nicht genug?“ – „Nein, das ist mir nicht genug,“ erwiderte – ganz gegen seine Gewohnheit – das Christkind, „ich möchte heuer auch ein Geschenk.“ – „Aber du weißt doch, dass ich nichts mehr kaufen kann, weil ich die ganze Myrrhe und unseren ganzen Weihrauch ausgegeben habe, um für den hl. Josef einen Meter unendliche Liebe zu kaufen und jetzt habe ich nichts mehr, als“ – und sie kramte mit ihrer rechten Hand in der Rocktasche – „als dieses Körnlein Weihrauch und darum bekommen wir kaum etwas.“ – „Lass es uns doch versuchen,“ gab das Christkind nicht auf, „gehen wir in das Geschäft und fragen wir, ob es nicht doch etwas für ein Körnchen Weihrauch gibt.“ Und weil es Angst hatte, auch heuer kein Geschenk zu bekommen, begann es leise zu weinen. Die Tränen benetzten sein weißes Kleid und seine goldenen Flügel hingen traurig herunter. Da gab Maria nach. „Komm, sagte sie, vielleicht bekommen wir doch noch ein kleines Geschenk für dich“, nahm es an der Hand und betrat mit ihr das Weihnachtsgeschäft.

Hinter dem Ladentisch stand der hl. Martin, ein wohlgenährter freundlicher älterer Herr. „Grüß Gott“ sagte er, „nur hereinspaziert, was darf es denn sein?“ – „Nun ja,“ meinte Mutter Maria, „ich weiß auch nicht genau, wir haben ja nur noch ein Körnlein Weihrauch und können daher gewiss nicht sehr wählerisch sein. Aber mein Kind wünscht sich so sehr ein Geschenk. Vielleicht hast du noch eine ganz kleine Kleinigkeit, die nicht viel kostet, aber dennoch Freude bringt?“ – „Na ja,“ sagte der hl. Martin mir seiner tiefen Stimme „da hätte ich schon was, aber es ist halt wirklich sehr, sehr klein.“ – „Das macht nichts,“ antwortete Maria, „auf die Größe kommt es sicher nicht an. Was ist es denn?“ – „Ich habe da noch 1 Sekunde Weltfrieden, der Rest ist schon verkauft. Weiß auch nicht wieso, da kaufen sich die Leute immer haufenweise Weltfrieden und dann werfen sie ihn fort, weil sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Aber, wie gesagt, eine Sekunde habe ich heuer noch.“ – „Ja, die nehmen wir“, riefen Christkind und seine Mutter Maria gleichzeitig. – „Juchhu, ein Geschenk für mich, ein Geschenk für mich, ach wie ich mich freue,“ stieß das Christkind ganz erregt hervor und gab Maria ein Busserl auf die Wange. – „Danke, liebe Mutter, du machst mir eine riesige Freude. Bitte bitte hl Martin, ich möchte den Weltfrieden sofort und sogleich haben.“ – Der hl. Martin nahm das kleine Stück Weltfrieden vom Haken, der an der Wand hinter ihm befestigt war, packte es in Himmelspapier ein und überreichte es dem Christkind. Dieses begann vor Freude über sein allererstes Geschenk zu strahlen, zu funkeln und zu leuchten – und dann geschah es:

Auf der ganzen Erde kehrte für eine Sekunde der Weltfriede ein.

Der Bäcker Kurt, der sich gerade grantig niederlegen wollte, überlegte es sich und gab seiner Frau Berta einen Kuss. Und weil diese in dieser Sekunde ihrem Mann auch einen Kuss geben wollte, trafen zwei Küsse aufeinander und es gab einen Schmatz, wie wenn ein Autoreifen platzt.

Der Moserwirt war gerade beim Getränkekarteschreiben, hielt einen Augenblick inne und sagte zu sich: „1,90 für den kleinen Braunen tut es auch und für ein Achterl vom Guten genügen 1,50 Euro.“ Gott sei Dank war dann die Sekunde vorbei, weil sonst hätte er gar noch das Krenfleisch auf unglaubliche 1,20 Euro herabgesetzt und dann würde es den Moserwirt nicht mehr lange geben.

In Houston, Texas, sollte ein Mörder auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden, doch fiel in dieser Sekunde der Strom aus. Das war ein Glück, weil noch eine Sekunde später kam der Anruf vom Gouvernor, dass der Hinzurichtende unschuldig sei und unverzüglich entlassen werden sollte.

In Bagdad hatte eine Bombe am Marktplatz eine Fehlzündung.

In Afghanistan verhinderte ein plötzlich aufkommender Sandsturm den Angriff der Taliban auf einige amerikanische Soldaten, oder war es umgekehrt? Das konnte man im Sandsturm nicht genau erkennen.

In Mittelamerika hörte plötzlich der sintflutartige Regen auf, der seit Wochen niederprasselte und tödliche Überschwemmungen verursachte.

Im österreichischen Parlament gab die grüne Chefin dem HC Strache die Hand. Bevor sie ihn auch noch küssen konnte, war die Sekunde aber vorbei.

Der Bundeskanzler sagte zum Vizekanzler, „fesch sans heit Herr Pröll, hobns obgnuma?“

In Äthiopien begann es nach 3 Jahren Dürre plötzlich zu regnen.

Alle Gewehre und sonstigen Schießapparate auf der Welt, aus denen gerade geschossen werden sollte, versagten den Dienst.

Der Goiserer Bürgermeister wurde von seinem Vize, Ing. Siegel, aus Dankbarkeit für irgendwas umarmt.

Der Wildschütz Hias Sonnseitna wurde von der Kugel des Jägers Sepp Schießer verfehlt.

Im Gasthaus „Dischgu“ rief der Wirt plötzlich laut aus.“Die nächste Lokalrunde geht auf mich“.

Eine Mutter und ein Vater fanden ihr Kind, das sich verlaufen hatte.

Und die Mutter Maria sagte zum Christkind: „Im nächsten Jahr werde ich bei anderen Geschenken sparen, vielleicht kann ich dir dann sogar eine Minute Weltfrieden kaufen.“

Und darauf, liebe Leute, sollten wir hoffen.

Wenn Frauen zu weit gehen

Februar 27, 2009 um 10:23 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 10 Kommentare
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Emanzen die zu weit gehen

Emanzen die zu weit gehen

Das Weihnachtsmärchen vom alten Sessel und vom alten Tisch

November 11, 2008 um 9:43 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern, Meine Bücher | 3 Kommentare
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In einer Küche in einem alten Haus in Goisern standen einmal ein alter aber schöner Tisch und ein alter aber noch recht rüstiger Sessel. Der Tisch stand am Fenster der Küche mit Ausblick auf den Sarstein und der Sessel stand an der Seite des Tisches, die dem Inneren der Küche zugewandt war. Auch er konnte, wenn er sich ein wenig streckte, den Sarstein erblicken. Aber das wollte er gar nicht so oft. Erstens streckte er sich nicht gerne, schliesslich war er kein Liegestuhl, wie er sich auszudrücken pflegte, und zweitens gefiel ihm der Sarstein nicht besonders gut. Früher verrichtete er nämlich seinen Dienst als Sitzgelegenheit im Wohnzimmer und von dort aus konnte er durch das riesige Fenster den Kalmberg sehen, in seiner ganzen Pracht. Als er aber alt wurde, hat man ihn ausgetauscht gegen einen neuen Sessel, maschinengefertigt, von einem Möbelhaus. Er behielt aber seinen Stolz, schliesslich war er einer der letzten handgemachten Sessel vom Stickertischler und passte vorzüglich zum alten Tisch, der ebenfalls handgemacht war, vom Sommerauertischler.

 

Beide dachten auch oft zurück an die Weihnachtsfeiern, die sie mit der Familie des Eigentümers erlebt hatten. Oft stand ein Weihnachtsbaum auf dem Tisch, umgeben von Geschenken, hell erleuchtet von brennenden Kerzen. Da hat er sich jedesmal gefürchtet, weil so ein Baum brennt schnell und der Tisch darunter hätte auch seinen Teil abbekommen. Heisses Wachs war oft auf ihn herabgetropft, aber das hat er ausgehalten, die Freude über die strahlenden Gesichter rund um ihn liessen ihn den kurzen Schmerz, den heisses Wachs verursachte, jedesmal schnell vergessen. Hundert Mal oder öfter hat er bisher das „Stille Nacht, heilige Nacht“ gehört, gesungen von drei Generationen Eigentümer. Auch der Sessel hatte ähnliche Erinnerungen. Auf ihn wurden Geschenke abgestellt, bis zur Bescherung. Nachher nahm auf ihm das jeweilige Familienoberhaupt Platz, wenn dann die Bratwürste aufgetischt wurden am hl. Abend. Da war schon manch schwerer Hintern dabei, aber er hat es geduldig ertragen.

 

„Adel und Leim verbindet“, sagten stehts die zwei, der Tisch und der Sessel. Aber sie wurden halt doch schon sehr alt und hatten schon die eine oder andere Schramme erlitten und so manche Reparatur über sich ergehen lassen. „Wenn wir doch ins Heimatmuseum kämen“ sagte da eines Tages der Tisch zum Sessel und seufzte laut. Tische und Sessel können nämlich reden und sich unterhalten, auf Holzisch, jedenfalls, wenn sie handgemacht sind. „Ja ja, antwortete der alte Sessel,“ ebenfalls laut seufzend, „das wäre schön, im Heimatmuseum. Da bräuchten wir nur herumzustehen, uns bewundern zu lassen und jeden Samstag würde uns die Resi abstauben mit ihren zarten Händen. Und vielleicht hätten wir sogar ein Fenster mit Blick auf den Kalmberg, mein Gott wäre das schön.“

 

Aber daraus wurde nichts. Der Eigentümer des Hauses, der Küche und somit auch des Sessels und des Tisches war nämlich sehr sparsam und wollte kein Geld ausgeben für neue Küchenmöbel. Und ausserdem gefielen ihm die beiden Möbelstücke, die zwar alt aber handgemacht und daher selten waren. Oft zeigte er sie stolz einem Besuch, der zu hause nur Maschinenmöbel hatte. „Das ist halt noch Qualität“, protzte er dann, „Das kann sich heute kaum mehr wer leisten, die zwei bleiben bei mir, bis ich sterbe und dann erhält sie mein Neffe.“ Er war nämlich Junggeselle und deshalb hatte er auch nur einen Sessel in der Küche, weil er immer allein frühstückte und zu Abend ass. Mittags speiste er meistens beim Moserwirt, aber am liebsten sass er doch zum Essen in seiner Küche, auf dem alten Sessel und bei dem alten Tisch. Da war es so richtig urig und gemütlich.

 

Aber auch er war alt geworden, der Eigentümer, der Sepp. Alt und dick vom Biertrinken und den unzähligen Schweinsbraten mit Knödel vom Moser und damit auch schwer, sehr schwer. Und schwer lastete er auf dem Sessel, wenn er sich zum Tisch setzte und schwer lastete er auf auf dem Tisch, wenn er seine Arme auf ihn stützte oder wenn er in seiner Junggeselleneinsamkeit soff und dann im Rausch mit dem Kopf auf dem Tisch einschlief. Dann träumte er meistens von vergangenen Lieben und versäumten Gelegenheiten und wachte oft mit einem Schrei auf.

 

„Meine Beine ertragen das halt auch nicht mehr so gut“ sagte der Tisch zum Sessel auf Holzisch, „er ist halt gar so schwer geworden,“ ich fürchte mich schon davor, dass meine Beine einmal einknicken, wenn er seinen Sauschädel wieder auf mich legt und schnarcht in seinem Rausch. Und dann wird er mich wegschmeissen, oder gar kleinhacken und verbrennen im Herd.“ „Was denkst Du denn wie es mir geht?“ antwortete ihm der Sessel, „ das meiste Seppgewicht lastet ja doch auf mir, dieser riesige Hintern mit dem fetten Bauch vorne drauf, ich bin auch nicht viel jünger als Du und ich habe auch Angst, dass ich entzündete Stuhlbeinitis bekomme von dem Gewicht und vom Alter und dann wird er mich auch wegwerfen oder verbrennen. Was machen wir nur, was machen wir nur, ich möchte endlich ausruhen und kein Gewicht mehr tragen müssen.“

 

Es war wieder einmal Weihnachtszeit. Da dachte der alte Tisch eine Nacht lang nach, schlief nicht ein und hatte bis zum nächsten Morgen einen Plan entwickelt.“Du, Freund Sessel“, sagte er zu dem alten Sessel, ich habe eine Idee, wie wir ins Heimatmuseum kommen können.“ „Und was wäre das für eine Idee?“ fragte der Sessel. „Eine sehr gute Idee, Du must nur ganz fest an ein Weihnachtswunder glauben und an das Christkind.“ Und als am heiligen Abend der Sepp nach Hause kam und sich in der Küche auf ein Bier an den Tisch setzten wollte, traute er seinen Augen nicht. Der Sessel, der sein ganzes Leben geradegestanden war, hatte sich vorgeneigt, stand nur noch auf zwei Beinen, und hatte sich schräg unter den Tisch eingeklemmt, sodass der Tisch aufgehoben wurde und nun auch erstmals in seinem Leben schräg auf zwei Beinen stand. Ein langes, blondes lockiges Haar hatte sich in der Tischlade eingeklemmt. Und wie sehr der Sepp auch zerrte und rüttelte und schimpfte und fluchte, er konnte den Sessel vom Tisch nicht mehr wegzerren, so sehr hatten sich die beiden mit aller Kraft ineinander verkeilt. Und sie waren handgeschnitzt, aus harter Buche und stark, sehr stark. Nach stundenlangem Bemühen gab der Sepp endlich auf. „Wenns nicht geht, dann ab mit den Beiden ins Museum“ sagte er zu sich „das ist ja fast ein Wunder, wie die ineinander verkeilt sind und nicht auseinanderzubringen, das müssen alle Goiserer sehen.“ Und so geschah es.

 

Der Museumsdirektor Josef M. Euer nahm diese Kuriosität in seinen Austellungsbestand auf. Tisch und Sessel erhielten auch zufällig einen Platz vor einem Fenster mit Blick, man staune, auf den mächtigen Kalmberg. Und seither strömen jährlich tausende von Besuchern in das goiserer Heimatmuseum um die ineinadergekeilten und unzertrennlichen Möbelstücke zu bestaunen.

 

Niemand, auch kein Wissenschafter von der Universität Wien, konnte erklären, was da geschehen war und an einen Möbelgott, der Möbelwünsche erfüllt oder gar an das Christkind, daran konnte keiner der Wissenschafter auch nur glauben. Der alte Tisch und der alte Sessel verbrachten den Rest ihres holzischen Daseins im Goiserer Heimatmuseum und wurden weltberühmt.

 

Es wurde zum Brauch und dieser besteht bis heute, dass sich junge Pärchen am Nachmittag des heiligen Abends rund um Tisch und Sessel stellen, sich aneinanderlehnen und sich dabei fest vom Christkind wünschten, dass sie nie mehr getrennt würden. Man sagt, dass sich dieser Wunsch bisher stehts erfüllt hat und viele dieser Pärchen besuchen auch heute noch als Ehepaare mit ihren Kindern zu Weihnachten den alten Tisch und den alten Sessel im Heimatmuseum. Und sie singen dann im Chor mit den jungen Pärchen und den älteren Damen, welche das Heimatmuseum leiten und Engelsstimmen haben, „Leise rieselt der Schnee“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“ oder gar den Andachtsjodler. Und dann ist es so, als würde man im Heimatmuseum das Christkind selber singen hören.

 

Und wenn wir aus der Geschichte etwas lernen können, dann ist es dies: Seid immer ein wenig schräg, haltet fest zusammen und glaubt an Wunder und das Christkind, dann ist alles möglich für Euch, auch das Unmögliche.

 

 

 

Sessel und Tisch im Heimatmuseum

Sessel und Tisch im Heimatmuseum

 

Erika Dozsa

November 8, 2008 um 9:35 pm | Veröffentlicht in Allgemein, Bad Goisern | 7 Kommentare
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1996 kam →Erika Dozsa aus Ungarn nach Bad Goisern. Was sie zusammen mit ihrem Mann  ins innere Salzkammergut verschlagen hat, ist mir unbekannt. Sie ist Sängerin mit einer der besten Stimmen, die ich in der populären Musik jemals gehört habe. Zusammen mit ihrem Mann trat sie hauptsächlich beim Atzlinger, aber auch beim Moser auf und sang Schlager, zu der die Gäste tanzen konnten. Sie hatte sofort zahlreiche Verehrer, die sich nicht vorstellen konnten, dass eine Ausländerin sich dem Charme eines Goiserers entziehen könnte. Da hatten sie sich aber geschnitten, einen nach dem anderen ließ sie abblitzen, schließlich war sie ja verheiratet. Dieser Umstand zusammen mit dem, dass sie als Ungarin über eine Power, eine Durchschlagskraft verfügte, wie nur wenige Goiserinnen, führte dazu, dass sie von vielen Abgewiesenen als unsympathisch empfunden wurde. Wo kämen wir denn da hin, eine Ausländerin und lässt sich nichts gefallen?

 

Erika

Erika

Ich mag ihre Stimme sehr. Sie kann ca. 200 Lieder jederzeit auswendig singen und dies in mehreren Sprachen. Ganz erstaunt war ich aber dennoch, als ich sie einmal auch ein Lied von den Seern in unserem Dialekt singen hörte. Zum Original war da fast kein Unterschied mehr zu hören. Am besten gefällt sie mir, wenn sie italienisch singt. Dann vergleiche ich sie mit Gianna Nannini, so wild und erotisch klingt ihre Stimme.

 

Obwohl Erika eine äußerst zuvorkommende, nette und stets hilfsbereite Frau ist, eckte sie in Goisern doch manchmal leicht an, da sie nicht nur über ungeheure Power verfügt, sondern auch über außergewöhnliche Intelligenz wie ich sie bisher nur selten fand und über einen Sprachfluß, den kaum jemand unterbrechen kann. Noch dazu ist sie ausgesprochen hübsch. Diese Kombination, hohe Intelligenz, gutes Aussehen, musikalisches Talent und keine Scheu, sich durchzusetzen, machte Frauen schon immer verdächtig und bereitet Goiserern heute noch Schwierigkeiten. Hätten alle sie so akzeptiert, wie sie war, wäre sie für Goisern eine große Bereicherung gewesen.

 

Leider aber wurde sie nach ihrer Scheidung schwer krank. Und in dieser Situation trennten sich dann bei ihren Freunden Spreu von Weizen. Diejenigen, die sie wirklich mochten, blieben ihr auch weiterhin gute Freunde. In dieser Situation lernte ich sie vor einigen Jahren kennen. Sie machte eine sehr schwere Zeit durch und viele Menschen verachteten sie nur noch. Nur wenige dachten daran, dass auch sie einmal ein en Schicksalsschlag erleiden könnten, der sie an den Rand ihrer Existenz bringen würde. Mit Hilfe von Ärzten und viel Geduld gelang es mir aber, Erika durch diese schwere Zeit zu bringen. Damals schrieb ich für sie dieses Gedicht:

„Ihr Leben ist ein fürchterliches Ringen.

Nur wenige obsiegen –

ihr scheint es zu gelingen“.

Und mit viel Zähigkeit, Energie und Disziplin trug sie selbst zu ihrer Heilung bei und begann bald wieder zu arbeiten. Für keine Arbeit war sie sich zu schade, wurde jedoch von Arbeitgebern oft um ihren gerechten Lohn betrogen. Arbeitnehmer haben es nicht leicht in Zeiten, wo die Wirtschaft nicht extrem prosperiert und Ausländer werden dann besonders gerne ausgenützt.

 

Aber Erika überstand auch diese Zeit mit Bravour. Nicht zuletzt auch dank der Liebe ihres kleinen Hundes, der Maszat hieß. In Goisern war es ihr jedoch mittlerweile zu eng geworden. Und so übersiedelte sie voriges Jahr nach Gmunden, wo sie heute lebt. Als sie die Chance erhielt, sich in eine Schule für Restaurantfachleute einschreiben zu lassen, ergriff sie diese ohne zu zögern. Und innerhalb kürzester Zeit schloss sie ihre Ausbildung mit ausgezeichnetem Erfolg ab und ist heute geprüfte Restaurantfachfrau. Die Lehrer haben sich über sie nur gewundert. So eine gute Schülerin hatten sie noch nie, wurde ihr gesagt. Wobei für mich besonders die Tatsache hervorzuheben ist, dass sie als Ungarin auch stets zu den Besten im Unterrichtsfach Deutsch und Kommunikation und politische Bildung zählte. Von 13 Fächern schloss sie 11 mit ausgezeichnetem, zwei mit gutem Erfolg ab.

 

Vor einigen Wochen war ich mit ihr beim Casting für Starmania. Meiner Meinung nach und auch der eines Kamerateams nach hatte sie von allen Teilnehmerinnen die beste Stimme. Gewünscht waren aber nur ganz junge Püppchen, und ein solches ist sie nun halt nicht. Jung ja, Püppchen nein. Wenn ich mir aber heute die Finalisten im Wettbewerb im Fernsehen anhöre, kann ich nur sagen, die hätte sie alle in Grund und Boden gesungen. Ich bin sicher, dass wir noch viel von ihr und ihrer Musik hören werden. Denn aufgeben, dieses Wort hat Erika nicht in ihrem Repertoire. Und daran könnten sich viele ein Beispiel nehmen.

Gottlieb Oberhauser, der Boandlrichter von Goisern, 1850 – 1921

Oktober 29, 2008 um 12:06 am | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch, Bad Goisern | 3 Kommentare
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Gottlieb Oberhauser mit Besucher und dem Demonstrationsskelett "Hansl"

Gottlieb Oberhauser r. mit Besucher und Demonstrations-Skelett "Hansl"

Gottlieb Oberhauser

(Gottlieb = lat. Amadeus, griech. Theophil)

 

Der Urenkel von Gottlieb Oberhauser, Christian Oberhauser erzählte mir Folgendes über seinen Uhrahn:

Gottlieb Oberhauser wurde 1850 in Kitzbühel geboren. Er hatte 12 Geschwister und die Eltern konnten so viele Kinder nicht ernähren. So ging der kleine Gottlieb mit 13 Jahren allein ins Salzkammergut, um sich dort als Hirtenbub durchzubringen. Er fand Arbeit als Halterbub auf der Postalm bei Strobl. Dort erwarb er sich Kenntnisse im Heilen von Knochenbrüchen. Noch nicht am Menschen, aber bei Schafen und Kühen, für die er verantwortlich war und die sich ab und zu ein Bein brachen. Die gebrochenen Beine hat er mit Stricken und Holzlatten geschient bis sie wieder ordentlich zusammenwuchsen. Vielleicht erfand er dort schon das Mittel gegen schwere Entzündungen, das er als „Foenum graecum“, der Volksmund aber als „Oberhauserkoch“ bezeichnete. Es bestand aus dem gemahlenen Samen des Bochshornklees, den er mit Milch verkochte. Der so erzeugte Brei wurde auf die entzündete Stelle aufgestrichen. Mit der zeit wandte er seine Fähigkeit, Knochenbrüche einzurichten auch an Menschen an und wurde dafür weitum als „Boandlrichter“ bekannt.

 

Um 1875 kam Gottlieb Oberhauser nach Goisern. Mit einem Kredit kaufte er das „Gasslgut“. Das bestand aus den Wiesen, die sich zwischen der BMW-Werkstatt im Norden von Goisern und der „Oberhauservilla“ erstreckten. Sein Haus mit Stadl stand ungefähr dort, wo heute die große Garage der Familie Oberhauser steht, gegenüber vom Putz-Installateur. Er eröffnete auch ein kleines Transportunternehmen mit Ochsenfuhrwerken. Nebenbei wirkte er auch als Heiler von Knochenbrüchen. Offensichtlich war er bei all seinen Tätigkeiten äußerst efolgreich, denn schon bald ließ er sich eine Villa, die heute die „Oberhauservilla“ genannt wird, von einem italienischen Architekten planen und errichten. Auch erwarb er noch weitere Grundstücke, so z.B. die Wiesen links und rechts der schönen Allee des Maler-Alt-Weges.

 

Hunderte Menschen mit Knochenbrüchen suchten ihn in dieser Zeit auf. Oft wurde er wegen Kurpfuscherei angezeigt, aber er gab nie auf. Eines Tages aber fuhr eine Kutsche mit einer feinen Dame des Kaiserhofes vor, die sich vor einiger Zeit das Bein gebrochen hatte und das nicht mehr richtig zusammengewachsen war. Nun suchte sie Hilfe beim Goiserer „Boandlrichter“. Gottlieb zögerte nicht lange, brach ihr das Bein noch einmal und richtete es wieder ein. Offensichtlich war die Dame zufrieden und hat für ihn ein gutes Wort beim Kaiser eingelegt, denn bald darauf erhielt er von Kaiser Franz Josef eine „Allerhöchste Entscheidung“ mit der Bewilligung zum Heilen von Menschen ohne Medikamente. Angeblich durfte er sich ab jetzt „k. und k. Beinrichter“ nennen. Zahllose Besucher aus Nah und Fern suchten ihn daraufhin vermehrt auf und trugen so nicht unwesentlich zum Entstehen des Tourismus in Goisern bei.

 

1921 starb Gottlieb Oberhauser. Er liegt in einer Familiengruft am katholischen Friedhof in Goisern begraben.

 

Seine Nachkommen heilten keine Menschen mehr, aber sie bauten das Transportunternehmen aus. Zuerst Gottliebs Sohn Hermann, später dessen leider vor kurzem verstorbene Sohn Bruno, der dazu auch noch eine Schottergrube in Unterjoch betrieb, wobei ihm seine Söhne Herbert, Christian und Andreas zur Seite standen. Ein anderer Enkel, ebenfalls Gottlieb getauft, gründete ein BMW-Autohaus und die dazugehörige Autowerkstätte, die heute noch existieren.

 

Christian, der Urenkel, erzählte mir dann noch zwei Geschichten aus dem Leben seines Urgroßvaters, die in der Familie von Generation zu Generation weitererzählt wurden und die zeigen, dass Gottlieb Oberhauser nicht nur geschickt und kundig, sondern auch ausgesprochen bauernschlau war:

 

Eines Tages brachte ein stattlicher Herr einen Hund zu Oberhauser, der nicht fressen wollte (der Hund, nicht der Herr). „Geh Oberhauser“, sagte der Hundebesitzer, „kannst ma nit helfn, mei Hund frisst schon seit a boa Tog neama nix. I moa, er wird geh hi (ich glaube er stirbt bald)“. „Jo los man do a Wocha und donn kimmst wida vorbei und hoistn (Ja lass ihn mir eine Woche da und dann komm und hole ihn wieder ab)“, gab ihm Oberhauser freundlich zur Antwort. Mit den Worten „Guat, Danke und Pfiatdi“ verabschiedete sich der Besucher.

 

Oberhauser hatte natürlich sofort bemerkt, das der Hund einfach total überfressen und deshalb schwer übergewichtig war. Er gab ihm eine Woche lang nur Wasser als nahrung. Nach einer Woche holte der Mann seinen Hund wieder ab und war überglücklich über den Appetit von „Tasso“ dem Hund, der den eines Löwen übertraf.

 

Und welchem Arzt wäre dieses eingefallen: Als sich ein Goiserer das Handgelenk brach und dieses schief zusammenwuchs, ging er zum Oberhauser. “Jo mei Sepp”, sagte dieser, “i kann dirs Gelenk schon wieder einrichten, muss es aber vorher noch einmal brechen”. Entsetzt verließ der Sepp das Haus durch die Haustür. Oberhauser schaute daneben beim Fenster hinaus, mit ausgestreckter Hand zum Abschiedsgruss. Der höfliche Sepp packte die Hand um sie zu drücken. Zack, packte Oberhauser zu, und brach des Sepp schiefes Handgelenk indem er mit diesem fest auf die Fensterkante schlug. Nachher richtete er es gerade ein und der Patient war glücklich und konnte künftig wieder senkrecht melken.

 

Dankschreiben

Dankschreiben bzw. Zeugnisse an und für Gottlieb Oberhauser, zur Verfügung gestellt vom Heimatmuseum Bad Goisern und aus den Originalen, die in Kurrentschrift geschrieben sind, „übersetzt“ von Kustos Josef Mayer

Eine goiserer Badehose wird auch in Paris nicht fallen gelassen

Oktober 21, 2008 um 5:42 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | Hinterlasse einen Kommentar
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„Einmal in meinem Leben will ich die große Welt sehen“, sagte Franz – ein anderer Franz, nicht der Autor dieser Zeilen – „ich kaufe mir ein Interrailticket und fahre quer durch Europa“. Franz war damals 20 Jahre alt und hatte Paris noch nicht gesehen. Und so war es nur natürlich, dass auf seiner Europareise eine seiner Stationen diese schöne Stadt an der Seine war. „Pass auf, wenn du nach Paris kommst“, hatte man ihn gewarnt, „dort versteht man kein Goiserisch, dort sind nur Ausländer.“ Franz glaubte dies jedoch nicht, weil überall, wo er bisher war, in Herndl, in St. Agatha, in Posern, in Lasern und sogar in der Gosau hatte man ihn verstanden. Warum also nicht auch in Paris? Und so fuhr er los mit der Eisenbahn. Über Anzenau, Lauffen, Bad Ischl, Attnang-Puchheim in die weite Welt. „Weit abgelegen ist die Welt schon“, dachte er manchmal auf seiner Reise. Aber schließlich erreichte er doch Paris.

 

Als er an einem Samstag in einem der internationalen Bahnhöfe in Paris ankam und den Zug verließ, war es mitten in der Nacht. Hotel hatte er keines gebucht und so entschloss er sich, die Nacht gleich auf dem Bahnhof zu verbringen, in der Früh im Bahnhofrestaurant zu frühstücken und dann Paris zu erobern. Unter anderem wollte er unbedingt den Eiffelturm sehen, der sollte noch höher sein, als einer der Kirchtürme in Goisern. Und das Kaufhaus Lafayette sollte noch größer sein als der Konsum in Goisern, einfach unvorstellbar. Im Wartesaal zog er sich aus bis auf die Badehose und eine dünne Jacke mit Kapuze. So legte er sich in den Schlafsack, den er auf dem Boden ausgebreitet hatte bettete sein Haupt auf seinen Rucksack und schlief ruhig und voller Freude auf den kommenden Tag ein. „Bitte lieber Gott, mach, dass der Eiffelturm wirklich größer ist als einer der Kirchtürme in Goisern und lass mich eine fesche, nicht allzu große Pariserin kennen lernen, die mich lieb hat“, betete er noch bevor ihn Morpheus Arme umfingen.

 

Als er am nächsten Tag, einem nasskalten Sonntag, aufwachte, rieb er sich fest die Augen und wusste zuerst gar nicht wo er war. Er blickte um sich und sah viele andere, die im noch im Schlafsack schliefen und in verschiedenen Sprachen schnarchten. Als er das Schild sah „Bienvenu in Paris“, erinnerte er sich, er war in Paris. Er kroch aus dem Schlafsack und wollte in seine Hose schlüpfen. Aber die war nicht da. Er suchte unter dem Schlafsack, da war sie nicht, er suchte an allen Seiten des Schlafsackes, da war sie nicht, er suchte im Rucksack, der Rucksack war vollkommen leer. „Ich bin ausgeraubt, bestohlen“, schoss es ihm durch den Kopf. Schnell fuhr seine rechte Hand unter seine Jacke. Gott sei Dank, der Reisebeutel, den er um den Hals gehängt hatte und der sein Geld und seinen Pass enthielt, war noch da. Da stand er also mitten im Wartesaal, barfuss in Badehose und Jacke, mit einem leeren Rucksack, etwas Geld und einem Schlafsack.

 

Franz, ein ewiger Optimist, freute sich. „Endlich ein Abenteuer“, so sprach er zu sich. „Will einmal sehen, wie man Paris in der Badehose erlebt“. Er packte seinen Schlafsack in den Rucksack und marschierte munter los. Und das Glück war ihm hold. Im Schalterraum standen seine Cowboystiefel einsam und verlassen herum. Sie waren dem Dieb wohl zu klein gewesen und er hatte sie weggestellt. Franz schlüpfte hinein und war zufrieden. Weil Paris barfuss zu durchmessen, das wäre doch recht anstrengend und schmerzhaft für die Füße gewesen.

 

Sein nächster Gedanke war, eine Hose zu kaufen. Er schritt hinaus aus dem Bahnhof und hinein ins Paris der Kaufhäuser und Modegeschäfte. Leider musste er feststellen, dass auch in Frankreich die Geschäfte am Sonntag geschlossen waren. Und so marschierte er von Strasse zu Strasse, von Geschäft zu Geschäft, bis hin zu Champs Elysées. Aber auch dort waren nur die Kaffeehäuser offen. Als er sich in eines dieser Kaffeehäuser begab, lässig, mit Badehose und Stiefeln bekleidet, sahen ihn sogar die an vieles gewöhnte Pariser erstaunt an, sagten aber nichts. Ein hübscher junger Mann sprach ihn an und Franz verstand ihn nicht. Aber er konnte ihm mit Händen und Füssen und mit Gesichtsmimik erklären, dass er bestohlen worden sei und dringend eine Hose suche. Der junge Mann bedeutete ihm ebenfalls mit Gebärden, er könne ihm helfen. Franz solle nur mit ihm nach Hause kommen, dort würde er ihm eine Hose schenken. Die Wohnung des Franzosen war nicht weit weg und so folgte ihm Franz gerne in seiner hübschen, kleinen Badehose. Seine Cowboystiefel klapperten auf dem Asphalt wie Stöckelschuhe.

 

Als sie in der Wohnung angekommen waren, gab der junge Mann seine wahren Absichten zu erkennen. Voller Hoffnung war er. Was sollte er auch denn von einem anderen jungen Mann denken, der in einer knapp sitzenden Badehose und Stiefeln durch die Pariser Straßen schlenderte, als dass er auf Männerbekanntschaft aus war. Jetzt bereute Franz es sehr, nicht mit Goisererschuhen vom Steflitsch gereist zu sein. Weil Nägel an den Schuhen, die hätten vielleicht doch seine Heterosexualität hervorgehoben. Und ein Hut mit Gamsbart hätte auch nicht geschadet, weil mit so einem Hut bleibt man auch in Badehose immer noch ein „richtiger Mann“. So aber war er den eindeutigen Interessen seines Franzosen ausgeliefert, der nun versuchte, zärtlich zu werden. Franz entschlüpfte ihm und lief um das Bett, das im Zimmer stand. Der Franzose hinterher. Franz wurde immer schneller und sein Verehrer auch. Dieser wurde durch das Rennen um das Bett immer wilder und begehrte nach jeder Umrundung des Bettes Franz mehr, dessen knackigen Po in der Badehose er bei dieser wilden Jagd stets vor sich hatte. Schließlich konnte Franz nicht mehr. Er blieb stehen und streckte dem jungen Mann aus Frankreich voller Verzweiflung die geballten Fäuste entgegen. Diese Geste ist international und eindeutig. Boxen wollte der Franzose nicht und so gab er sein Liebeswerben auf.

 

Keuchend einigten sich die beiden auf eine weiße Hose aus dem Schrank des schönen jungen Mannes und Franz zahlte 50 Francs dafür. Dann verließ er das Haus seines Verehrers und sah sich fröhlich pfeifend Paris zwei Tage lang an. Er reiste anschließend mit der Bahn noch durch andere Länder, wobei er aber wie ein Haftelmacher auf seine Hose aufpasste. Noch so ein Liebesabenteuer wollte er nicht erleben, da war ihm eine resche Goiserin schon lieber.

 

Heute ist Franz ein angesehener Geschäftsmann in Bad Goisern und verkauft unter anderem auch Hosen. In einem Geheimfach in einem seiner Schränke bewahrt er aber die weiße Pariser Hose auf. Und oft steht er nachts auf , nimmt diese Hose aus ihrem Versteck, denkt wehmütig zurück an das schöne Paris, an seinen Lauf um das Bett und fällt dann auf seine Knie um Gott zu danken, dass er ihm damals seine Unschuld bewahren ließ und in Goisern zur schönen Zenzi führte, die ihn am liebsten ohne Badehose mag.

 

 

Welterbe und Hiebe, Schule ohne Liebe – wie ich sie sah

Oktober 7, 2008 um 6:30 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Welterbehauptschule jetzt und anno dazumal

 

Warum diese Schule Welterbestatus erreichte, hat mir bis heute noch niemand erklären können. Ich vermute, dass es an der kühnen, für die Nachwelt aufzubewahrenden Architektur liegt, wie es z.B. auch bei der Akropolis in Athen der Fall ist. In Goisern wurde nämlich die so genannte Schuhschachtelarchitektur entwickelt. Im Kern besteht diese darin, dass man ein Gebäude in der Form einer Schuhschachtel erbaut und mit Fenstern und Türen versieht. Man kann auch mehrere Schuhschachteln bauen und sie dann in einem beliebigen Winkel zusammensetzen. Im Falle der Hauptschule 1 hat man drei Schuhschachteln so zusammengesetzt, dass man an ein umgekehrtes L oben rechts noch eine Schachtel anbaute und zwar im rechten Winkel. Da auch der untere Strich des L, der nach links zeigt, im genauen rechten Winkel angefügt wurde, besteht das Gebäude aus zwei rechten Winkeln, hat also 180 Grad.

 

In der Fachsprache heißt diese Architektur „Der Doppelrechte“, Laien bezeichnen sie als „Das 180er L“. Es war eine in der Welt einmalige architektonische Sensation, als die Schule gebaut wurde. Weitere Beispiele dieser großartigen Architektur der Schuhschachtel sind in Goisern der Anbau an die Goiserermühle und das Altersheim am Marktplatz. Hoffentlich werden noch viele solche Gebäude errichtet. Der eine oder andere Supermarkt in Goisern hat schon abgekupfert. Bald ist ganz Goisern ein einziger rechter Winkel. Der Hallstättersee, der ja bekanntlich zu einem großen Teil zu Goisern gehört, schaut schon ein wenig so aus.

 

Den Welterbestatus könnte die Schule aber auch deshalb erreicht haben, weil sie die vergangenen brutalen Erziehungsmethoden, unter denen ich noch so viel litt, überwunden hat.

 

 Als ich in diese Schule ging, hatten wir beinahe jedes Jahr einen neuen Direktor. Es war damals Brauch, kurz vor seiner Pensionierung jeden Lehrer schnell noch einmal Direktor werden zu lassen. So kam es, dass nicht immer die am besten qualifizierten Pädagogen die Schule leiteten. Der eine war z.B. ein ehemaliger SSler, der aber nach dem Krieg zum braven Sozi konvertierte, so dass seinem schulischen Werdegang nichts im Wege stand. Leider hatte er aber seine frühere Ausbildung nicht ganz vergessen. Von der erhaltenen Ohrfeige will ich gar nicht reden. Aber wenn einer von uns sich im Turnunterricht unbotmäßig benahm, musste er durch die „Gasse“ laufen. Dazu mussten die Mitschüler sich links und rechts aufstellen, eine Gasse bildend und der Übeltäter musste durch diese Gasse laufen. Die Mitschüler waren aber mit festen Bändern ausgerüstet, mit denen sie den Laufenden während seines Laufes auf den Rücken oder die nackten Beine schlagen mussten. Das tat einigermaßen weh. Die Schmach aber war größer als die körperlichen Schmerzen, weil natürlich alle schlagenden Schüler über den Geschlagenen lauthals lachten, der manchmal den Tränen nahe war. Das war eine Gaudi, ein Spaß für Lehrer und Schüler.

 

Erst viel später habe ich einmal in einem Film gesehen, dass diese Art zu strafen eine Methode der Wehrmacht oder der SS war, die natürlich nicht Bänder sondern Stöcke verwendeten. Gelernt haben die Schüler aus dieser brutalen Methode, dass es eine Gaudi sein kann, wenn man gemeinsam einen Mitmenschen quält. Und die Geschlagenen haben gelernt, dass sie mitlachen müssen, wenn sie gequält werden, weil sie sonst Spielverderber sind. Dieses Gelernte nahmen viele ins Erwachsenenleben mit. Die kollektiven Quälereien eines nur ein wenig von der Lederhosen-Norm Abweichenden sind zwar subtiler geworden. Der Gequälte lacht aber immer noch über seine Qualen, das ist ihm zur zweiten Natur geworden. Er lacht so lange, bis er sein eigenes Lachen nicht mehr erträgt und zur „Goiserer Krawatte“ greift, sich also aufhängt. Der Ausdruck „Sich-zu-Tode-Lachen“ hat hier seine wahre Bedeutung gefunden.

 

Ein anderer Lehrer schlug meinen Sitznachbarn mit der Hand so stark auf den Hintern, dass dieser Nierenblutungen erlitt. Nur deswegen wurde er vielleicht nicht Direktor.

 

Da war auch so ein komischer eingebildeter Typ aus Ischl, der Direktor wurde. Meiner Erinnerung nach war seine größte Qualifikation die, dass er einmal das Schloss Versailles besuchte. Weil so weite Reisen damals noch selten waren, galt er bei Lehrerkollegen und Eltern als großer Historiker. Und immer wieder fragte er uns im Geschichtsunterricht, wie denn der schönste Saal im Schloss Versailles hieße. „Der Spiegelsaal“ mussten wir jedes Mal antworten. Ich verbrachte einmal einen wunderschönen Tag mit meiner brasilianischen Freundin und anderen hübschen und klugen Südamerikanerinnen in Versailles. Doch jedes mal, wenn das Wort Spiegelsaal fiel, musste ich an diesen Direktor denken. Mein Jugendtrauma überlagerte sogar die Schönheit und Charme und Witz dieser wunderbaren Frauen. Das verzeihe ich ihm nie. Andererseits habe ich dafür in Versailles schönere Busen gesehen, als Ludwig der XIV. jemals sah oder wie sie sich der Direktor aus Ischl auch nur erträumen konnte und das entschädigt mich wieder ein wenig. So ein Picknick im Garten von Versailles ist schon etwas Tolles.

 

Ein weiterer Lehrer, der Direktor wurde, hatte mich schon in der Volksschule geschlagen. Sein beliebtestes Schlaginstrument war der Geigenbogen, den er dem kleinen Schüler mit einem festen Schlag über die ausgestreckten Hände zog. Das schmerzte sehr. Weh muss auch die Ohrfeige getan haben, die einen anderen Schüler quer durch das Klassenzimmer fliegen ließ. Man muss sich das einmal vorstellen. Wir waren sieben oder acht Jahre alt und keiner von uns war fähig auch nur im Entferntesten etwas so Böses tun, dass er eine solche Strafe irgendwie verdienen konnte. Kein Kind auf der ganzen Welt verdient eine solche Tortur. Eine seiner üblichen Strafen bei bloßer Unaufmerksamkeit war auch, den Schüler an den kurzen Haaren gleich neben dem Ohr zu ziehen, bis ihm die Tränen in die Augen schossen oder ihn überhaupt gleich an beiden Ohren aus dem Sitz zu heben.

 

Da die meisten unserer Lehrer ohne solche Methoden auskamen, es sich also keineswegs um eine übliche Erziehungsmethode handelte, dürfte schon eine gewisse Lust am Sadismus – an Kindern! – mitgespielt haben. Heute käme so ein Mann wahrscheinlich ins Gefängnis, damals durfte er noch Direktor an der Hauptschule werden. Der Mitschüler, der damals durch die Klasse flog, saß später im Gemeinderat seinem Übeltäter gegenüber. Wie er mir erzählte, habe er dessen Ohrfeige nie vergessen. Und so habe er bei den Sitzungen des Gemeinderates immer daran gedacht, seinem ehemaligen Lehrer vor versammelten Publikum auch eine Ohrfeige zu geben. Schlussendlich habe er aber darauf verzichtet, er wollte sich nicht auf dieselbe Stufe stellen. Vergeben aber habe er im nie gekonnt. Dennoch halte ich seinen Verzicht auf Vergeltung für menschliche Größe.

 

Ein anderer, der zu meiner Zeit zum Direktor aufstieg, war früher NSDAP-Ortsgruppenleiter gewesen. Uns Kindern gegenüber war er aber eigentlich recht nett und freundlich. Er soll sich auch in jener unseligen Zeit anständig benommen haben, soweit man sich in dieser Position so benehmen konnte. Ich habe jedenfalls nie etwas Schlechtes über ihn reden gehört.

 

Dass meine bzw. unserer Schulerziehung nie liberal oder weltoffen war, lässt sich aufgrund obiger Personen in führender Position leicht nachvollziehen. Da ich ein sehr guter Schüler war, musste ich mich eigentlich nur selten vor der Schule fürchten. Aber ich habe einmal einen Mitschüler beobachtet, der bereits vor Beginn des Unterrichtes aus lauter Angst vor dem Lehrer zu weinen und laut zu beten begann.

 

Da das, was ich gerade oben beschrieb, an der Hauptschule 1 nicht mehr passiert, fähigere Pädagogen das Ruder übernahmen und unselige Zeiten überwunden wurden, kann man ihr schon ein Prädikat verleihen. Um aber wirklich etwas zu vererben zu haben, muss sie noch hart arbeiten. Wie heißt es im Faust so schön? Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last. Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen“. Wohlan denn, nützt den Augenblick und erschafft – Respekt vor der Menschenwürde, Toleranz und Weltoffenheit!

 

Das Märchen von der eleganten Goiserin

Oktober 2, 2008 um 7:46 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
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Als sie das Café Maislinger betrat, schien es, als würde den anwesenden Männern die Augen aus dem Kopf fallen. Sie war eine Frau wie aus dem Modejournal oder einer dieser Promizeitschriften. Die Hosen ihres dunkelblauen Hosenanzuges umfassten ihren Po wie eine zweite Haut, das Sakko schmiegte sich eng an ihren Oberkörper und war in der Taille so eng geschnitten, dass ihr schmales Becken breit erschien. Ihre Beine waren schlank und lang, ihr langes Haar fiel in lockeren Wellen auf ihre perfekten Schultern. Ihre Oberweite war gerade richtig, nicht zu klein, aber auch nicht so groß, das es ordinär ausgesehen hätte. Der Ausschnitt ihrer Bluse lies mehr erahnen als er zeigte. Sexy und keusch in einem, die perfekte Kombination, die Männer so verrückt macht. Den eleganten Hut hatte sie ein wenig in ihre hohe Stirn gezogen, ihre blauen Augen funkelten wie Diamanten darunter hervor. Die hohen schwarzen Stöckelschuhe konnten nur von Prada sein. Die Finger ihrer linken Hand, mit den grellrot-lackierten Nägeln, spielten mit einem BMW-Schlüssel.

Die Frau betrat nicht den Raum, sie schritt hinein. Langsam drehte sie ihren hübschen Kopf von einer Seite zur anderen und blickte herum, als ob sie jemanden suchen würde. Dann öffnete sie ihre blutroten Lippen, zwischen denen ihre schneeweißen Zähne hervorblitzten, und sie sprach für alle hörbar: „Leck mi in Oasch, er is no nit do, do konn i schnell noch brunzn geh’n“.

Das Märchen vom unwiderstehlichen Charme des Goiserers

Oktober 1, 2008 um 10:03 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | Hinterlasse einen Kommentar
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Ein Goiserer sitzt an der Bar, im „Dischgu“, das Lokal mit dem wohl nettesten Wirte-Ehepaar, das man sich vorstellen kann. Am Tisch, seitlich der Bar, sitzt eine einsame Frau.  „Boa, is de geil“, denkt sich der Goiserer. „Verdammt, wie gerne würde ich sie  jetzt ansprechen …aber was sage ich bloß? Ich bin so verdammt schüchtern und jedes mal, wenn ich eine Frau anspreche, erzähle ich nur lauter Blödsinn … hmm … ich weiß, ich sag ihr, dass ich mich auf den ersten Blick in sie verliebt habe … nein … lieber nicht, sonst lacht die mich auch noch aus … vielleicht sollte ich ihr einen Drink spendieren und der Rest läuft dann von alleine? Oh Gott, was soll ich bloß tun?“

In diesem Moment steht die Frau auf und verschwindet. „Naja … dann hat sich das Problem eben wohl von selbst erledigt. Ist vielleicht auch besser so“, denkt er. Jedoch nach einer Weile kommt die Frau zurück und setzt sich wieder an den Tisch.

„Sie ist wieder da! Das ist es! Das muss ein Zeichen sein! Wir sind füreinander bestimmt. Ich spreche sie jetzt einfach an, hoffentlich fällt mir etwas Gescheites ein. Ok Alter, jetzt reiß dich zusammen und los!“ Er trinkt schnell noch ein Stamperl um sich Mut zu machen, fährt sich rasch durch die Haare, zieht den Bauch ein, drückt die Schultern nach hinten, setzt sich zu der Frau und frägt: „Und? Woast scheißn?“

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