Arm und Reich, wer hat es besser? – Die ehrliche Antwort

April 7, 2009 um 9:04 pm | Veröffentlicht in Allgemein, lyrik | 77 Kommentare
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Am Pissoir

Geh weg, Du stinkst ja zum Erbarmen.
So sprach der Reiche zu dem Armen.
Der Arme aber froh und heiter,
Pinkelt in die Muschel weiter.
Es wirft der Reiche einen Blick
Auf seines Nachbarn bestes Stück.
Und gleich darauf hat er erwogen:
Er hat den Kürzeren gezogen.
Verschämt schaut er nun auf den Boden,
Der Arme hat auch gröss’re Hoden.
Da denkt der Reiche, das ist schlecht,
Das Leben ist so ungerecht.
Der Arme sieht sodann den Reichen,
Ganz gedrückt von hinnen schleichen,
Steckt sein Gemächt in seine Hos,
Und denkt: Ich zog das bess’re Los.

Bergkameraden – besser helfen statt beten – ein greusliches Beispiel

November 11, 2008 um 11:39 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch, lyrik | 1 Kommentar
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Hinauf auf den Berg, da zog es die zwei

Den Hans und den Sepp, sonst war keiner dabei.

Drei Almwiesen hatten sie überquert

Und waren bei der Sennerin eingekehrt.

Sie hatten die steilsten Wände erklommen,

Und waren dem Gipfel schon nahe gekommen.

Da löste sich, wie von Geisterhand,

Ein riesiger Felsen aus steiler Wand.

Mit wütendem Sausen,

Mit tosendem Brausen

In hohem Bogen

Kam er geflogen.

Die beiden wollten zur Seite springen.

Zu spät, es sollte nur einem gelingen.

Dem Sepp gelang in eine Spalte die Flucht.

Den Hans aber traf der stürzende Felsen mit Wucht.

Riss ihn hinab bis ganz zum Grunde

Und schlug ihm Wunde um Wunde um Wunde.

Der Schrei des Hans in seiner Qual

Ertönte durch das ganze Tal.

„Hilf mir Sepp, der Fels ist schwer

Ach, hilf, er drückt mich gar zu sehr.“

Der Sepp hielt sich die Ohren zu.

Er hatte Angst, er wollte Ruh

Vor Hanses Schreie voller Schmerz.

Er hatte einen Stein statt Herz.

Und rief zu Hans, der oben lag:

„Warte doch nur noch einen Tag

Gleich morgen werde ich die Kirche betreten

Und dort für deine Rettung beten“.

Zu Hause hatte er es trocken und wärmlich

Der Hans aber krepierte am Berge erbärmlich.

Über die Nachhaltigkeit des ersten Kusses

November 11, 2008 um 11:15 pm | Veröffentlicht in lyrik, Romantik | 8 Kommentare
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Tanzen kannst Du mit mir, lachen, reiten, wandern.

Für Deine Sorgen aber such Dir jemand andern.

So spricht sie zu mir- und ich muss schweigen,

tanze weiter mit ihr Reigen.

Heute noch – jedoch schon morgen

Tanz‘ ich allein, das Herz voll Sorgen.

Und dennoch bleibe ich ihr gut.

Sie gab zum ersten Kuß mir Mut.

vom Heiku bis zu Jandl, Variationen eines Themas

Oktober 2, 2008 um 4:12 pm | Veröffentlicht in lyrik | 1 Kommentar
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Dichterschule 
Aufgabe: Variiere das Beispiel: PETER SCHLÄFT BEI SEINER FRAU
 
Gedichtformen: Heiku, Gstanzl, Goethe, Bukowsky, Villon, Jandl
Der Name des Protagonisten kann beliebig geändert werden, muss aber 2silbig sein, 
> 
 
Heiku:
 
Peter schläft im Bett
Der Mond scheint heute Nacht nicht
Sein Weib umarmt ihn
 
 
Gstanzl:
Wann da Peta im Bed liegt
Und da Mond heit nit leicht
Drucktn sei Oide ans Busal
Weil sei Schlof is so seicht.
 
 
J. W.v. Goethe:
Im Bette liegt Peter der Grosse,  dem weichen.
Kein Mondstrahl will heut seine Wangen bleichen.
Ein schönes Weib hält ihm deshalb die Hand,
So kann er auf Traumes Flügel  entfleuchen -
in Morpheus Land.
 
Charles Bukowsky:
Wenn Peter ohne Mondschein nicht schlafen kann,
Wendet seine holde Maid diese Methode an:
"Schlafe mein Liebster, bleib nicht länger mehr munter"
flüstert sie -
und holt ihm dabei einen runter.
 
 
Francois Villon:
Verfluchter Gott, schenk mir - Peter - endlich Nachts Ruhe,
Sonst aber wirf mich gleich in die Begräbnistruhe,
Und danach in das Erdloch neben all diese Affen,
Die Päpste, die Probste, die Äbte und Pfaffen.
Mein huriges Weib schmeiss gleich hinterher,
Sie kochte nur schlecht, ich lieb sie nicht mehr.

 

Ernst Jandl:

Peter liegt bei seiner Frau.

Er halten diese ganz fest in Armen.

Ganz fest er schlafen.

Nimmermimmer er loslassen.

Weil er sich fürchten bei Nacht sonst.

Gut dass Frau gefallen in seine Hände.

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