LESUNG

Januar 13, 2010 um 8:45 pm | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , ,

Nein, nicht aus dem Brief des hl. Apostel Paulus an die Korinther u.a.m., sondern von mir am Freitag den 15.1.2010 um 18.30 Uhr in Radio Oberösterreich in der Sendung „gsunga und gspüt“, aus meinem neuen Buch „Goiserer Pfeffer III“.

Freundliche Kaffeehäuser

September 17, 2009 um 3:16 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 24 Kommentare
Schlagwörter: , , , , ,

Ich zog um. Jetzt wohne ich in Kritzendorf, bei Klosterneuburg, bei Wien. Das Erfreuliche bei einer Fahrt nach Wien sind die Kaffeehäuser. Bis auf die Ausnahme am Kahlenberg, die ich schon beschrieb, erfreuen mich Wiener Kaffeehäuser. Gerne sitze ich in ihnen und lese Zeitungen oder unterhalte mich mit einem Freund. Dabei gedenke ich stets Peter Altenbergs, Friedrich Torbergs, Anton Kuh’s, und wie sie alle so hiessen, die sogenannten Wiener Kaffeehausliteraten mit hohem Niveau. Der Kaffee schmeckt eigentlich immer vorzüglich und vom sprichwörtlichen grantigen Wiener Ober habe ich bisher noch nichts gesehen. Das Personal besteht zu Zeit häufig aus Nachbarn, wie Ungarn, Tschechen oder Slowaken, wobei man das INNEN nicht vergessen darf. Die mit dem Binnen I sind mir lieber, weil meist hübsch und besonders freundlich. Da fühle ich mich dann zurückversetzt in die Monarchie, ohne Monarchist zu sein, und trinke einen Jakobs Monarch. Dazu passt vorzüglich eine Kaisersemmel. Als Demokrat bestelle ich aber auch ab und zu ein Fiakergulasch, wobei ich immer noch nicht weiß, was für ein Tier ein Gul ist.

Gute Kaffeehäuser gibt es auch in Innsbruck, wo ich auch gerne mit einem bekannten Schriftsteller zusammensitze, der mir über Morde in Innsbruck und Umgebung erzählt.  Und in Innsbruck lebt auch SIE, die mir mehr wert ist, als sämtliche Kaffeehäuser Österreichs. Aber gerne gehe ich mit ihr in eines und freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit IHR in einem solchernen.

Bucherfolg

August 4, 2009 um 6:43 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 6 Kommentare
Schlagwörter: , , , ,

Hurra! Seit heute ist mein Buch „Der Öleusweg“ auch bei MORAWA in Innsbruck gelistet. Leider ist es hier sehr schwül und bewölkt. Der Berg Isl ruft laut.

Schreiben oder nicht schreiben? das ist keine Frage

Juli 2, 2009 um 12:09 am | Veröffentlicht in Allgemein | 2 Kommentare
Schlagwörter: , , , ,

Folgendes habe ich heute gestohlen, von der Seite von →“thewritingyak“. Aber der Spruch ist so gut, dass er eine hohe Gefängnisstrafe (zumindest auf Hawaii, Strandgefängnis) wert ist:

„Better to write for yourself and have no public, than to write for the public and have no self.“ Cyril Connolly

thewritingyak – eine (Reise)Schriftstellerin, deren Berichte ein MUSS fürs Lesen sind

März 28, 2009 um 11:30 am | Veröffentlicht in Allgemein | 6 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , ,

Thewritingyak, meine Nichte. Stolz bin ich auf sie. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass man Träume nicht nur träumen muss sondern auch leben darf, kann und muss.  Und allein dafür, dass sie diesen Beweis erbrachte, könnte ich sie umarmen. Unter den Links , im Blogroll, auf der rechten Seite meines Blogs, findet ihr das Link, das zu ihr führt. Klickt es an, öffnet es und lest Erstaunliches und Wunderbares  vom Segeln, Reisen, Schreiben, Leben und Mensch-Sein. Nur einen Fehler hat Sie. Sie lebt derzeit in einem Gebiet, wo es sehr , sehr kalt sein kann und ich befürchte, sie hat nicht immer genug Taschentücher bei sich. Diese Befürchtung habe ich von meiner Mutter übernommen, die mich nie ohne die mahnenden Worte aus dem Haus lies: „Franz, hast Du genügend Taschentücher mit? Nein? Hier sind welche“. Mein Vater riet mir, etwas anderes stets bei mir zu tragen, wenn ich abends ausging. Jedenfalls habe ich mich wegen meiner Nichte und ihrem Pseudonym sehr blamiert. Thewritingyak, das ist der Name, unter dem sie ihren Blog betreibt. Sie ist weit gereist, auch nach Tibet, und so ging ich davon aus, dass sie dort einmal ein Yak gesehen hat, Gefallen an diesem Tier fand und deshalb des Tieres Namen als Pseudonym verwendet. So habe ich „Thewritingyak“ auch einer Freundin erklärt. „Franz“ sagte diese darauf zu mir, „wie ist denn der mittlere Name Deiner Nichte?“  Nach einigem Nachfragen innerhalb meiner Familie, konnte ich diesen mittleren Namen der Freundin mitteilen.  Wer kennt denn wirklich schon ALLE Namen seiner Nichten? „Und jetzt, lieber Franz,“ forderte mich die Freundin auf, „nimm einmal ALLE Namen Deiner Nichte, dann die Anfangsbuchstaben von ihnen und was hast Du dann?“ Diese Freundin ist eine sehr kluge Frau (und auch sehr fesch). Ich musste daher meine Theorie von dem Tier in Tibet aufgeben, durfte jedoch nun der Wahrheit über  „ThewritingYAK“ ins Auge sehen. Und sie haben hübsche Augen, die Wahrheit, die Nichte und die Freundin. Ich sehe gerne hinein. Liebe YAK, ich hoffe, es geht Dir gut im Lande des Feuers und: Vergiss die Taschentücher nicht. Dein Onkel F.

PS: Grüsse ThewritingFAB von mir, die ich ebenso lieb habe.

Lesung aus meinem neuen Buch

März 4, 2009 um 11:54 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 13 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , ,

Ehrlich gesagt, erst aus dem Manuskskript von „Goiserer Pfeffer II“, aber dennoch. Wann? Am Samstag 7.März in Marys Weinstadel in Bad Goisern, ab 20 Uhr, mit uralter alpenländischer Musik in den Pausen.

In der Mitte nichts Neues-Franz Kain soll aber leben

Januar 26, 2009 um 7:15 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 2 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , ,

Im Westen nichts Neues. Ein ausgezeichnetes Buch von Erich Maria Remarque. Wurde von den Nazis verbrannt, wenn ich mich nicht irre. Das Buch, nicht der Erich. Das wäre später gekommen. Hat der damals eigentlich noch gelebt? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls gibt es ein ähnlich gutes Buch von →Franz Kain. Titel: →“In Grodek kam der Abendstern“. Ein Antikriegsbuch vom Feinsten. Oder sollte man in diesem Fall eher vom Grauenhaftesten sprechen. Anyway, es schildert den Krieg und seine Greuel so bildhaft, dass jeder ein Idiot ist, der noch vom Kriege schwärmt, nachdem er es las. Das Buch ist ein Werk, das wohl zur europäischen Spitzenklasse gezählt werden darf. Sein Protagonist ist der Dichter Georg Trakl, der wohl nicht zuletzt aufgrund dessen, was er im Krieg sehen mußte, an einer Überdosis starb. Franz Kain ist ein gebürtiger Goiserer, der in der Nazizeit auch so einiges erleben mußte, da bekannt war, dass er kommunistischen Ideen nicht abhold war. Er kam dafür in ein Strafbataillon. Wegen seiner politischen Meinung wird er gerne hier im Ort verschwiegen, auch wenn es zaghafte Versuche gibt, ihn wieder zu erwecken. Dazu müssten aber auch seine Bücher Pflichtlektüre von Goiserer Hauptschülern werden. Diese könnten damit sicher mehr damit anfangen als mit Grillparzers „Der arme Spielmann“ oder Goethes „Faust“, den ja auch die Lehrer kaum kennen. Eigentlich sollte Kain in jeder Schule Österreichs zur Pflichtlektüre zählen. Also auf denn ihr Lehrer: Lehrt Franz Kain.

Eine Weihnachtsgeschichte aus den Alpen

Dezember 11, 2008 um 11:02 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 3 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , ,

Der Weihnachtsmann in der Rathluckahütte

 

Er schwitzte und keuchte als er sich mit seinem schweren Sack am Rücken bergaufwärts quälte. Sie hatten ihm in der Werkstatt wieder den falschen Sack gegeben. Normalerweise schlüpfte er mit ihm durch den Schornstein in die Häuser der Kinder und wenn er im Wohnzimmer ankam, füllte sich der bis dahin leere Sack automatisch durch Gottes Segen mit Geschenken. Diese verteilte er dann. Und mit dem geleerten Sack wanderte er leichten Fußes weiter zum nächsten Haus, wo sich der Sack wieder füllte. Dieser Sack aber, den er jetzt trug, der füllte sich sofort, nachdem er die Geschenke in den aufgehängten Socken verteilt hatte. Ein Konstruktionsfehler! So war er gezwungen, mit stets gefülltem Sack von Haus zu Haus zu wandern. Das wäre in der Stadt nicht so schlimm gewesen. Wünschten sich dort die Kinder doch ausschließlich Computerspiele auf CD’s zu Weihnachten und die waren nicht schwer. Jetzt aber war er auf dem Höhenweg im Goiserertal unterwegs, auf dem man von Lauffen bis zur Rathluckahütte gehen kann.. Und die verflixten Goiserer Kinder wünschten sich immer noch einen Traktor, ein Feuerwehrauto, Lego-Baukästen, gar auch Schlitten und Skier und das ganze Zeug war unheimlich schwer.

 

Er wollte laut fluchen. Weil aber Weihnachtsmänner heilig sind, kam jedes Mal, wenn er fluchte, statt einem Schimpfwort ein „Lobet den Herrn, halleluja“ aus seinem Mund. Er ärgerte sich nicht nur über seine Last, sondern auch darüber, dass er diesmal für Österreich eingeteilt war. In Amerika, da hatte er es letztes Jahr leichter gehabt. Erstens: Die Amerikaner glaubten alle an ihn. Und nur wenn jemand an ihn glaubte, konnte er existieren. Und zweitens: Sie glaubten dort auch an seine Rentiere und seinen Schlitten, den die Rentiere zogen und auf den er seinen Sack legen konnte. Das machte die Arbeit leicht. Hier aber, in Österreich glaubten nur 49,95 % der Menschen an ihn. Und 0 % glaubten an seine Rentiere und den Schlitten. Und so blieb er in Österreich Rentier- und schlittenlos und war gezwungen, den Geschenkesack selber zu tragen. Und weil nur 49,95 % an ihn glaubten, 50,05% aber an das Christkind, kam es immer wieder vor, dass er sich zu einem Haus bemühte, in dem niemand an ihn glaubte und er wieder umkehren musste um zum nächsten Haus zu gehen, wo er hoffentlich den Sack leeren konnte, wenn das verflixte Christkind nicht zuvorgekommen war.

 

Einmal in seinem Leben hätte er es gerne getroffen, dieses Christkind. Dem hätte er schon seine Meinung gesagt. Aber bisher waren die beiden wie durch ein Wunder nie zusammengetroffen. In Wahrheit war es kein Wunder. Der Erzengel Gabriel, zuständig für die himmlische Weihnachtsorganisation und die Komposition von neuen Weihnachtsliedern, hatte es so eingeteilt, dass die beiden nie zusammentrafen. Das wäre ja ein schöner Weihnachtsabend gewesen. Die Kinder hätten auf die Geschenke gewartet während Weihnachtsmann und Christkind im Schnee rauften und auf die Geschenkverteilung vergaßen. Eine kleine Rache hatte sich der Weihnachtsmann aber schon einfallen lassen. Er glaubte nicht an das Christkind. Denn, so dachte er, wenn er nicht an das Christkind glaubte, so würde es nicht existieren. Eine Milliarde Mal flüsterte er in der Heiligen Nacht vor sich hin:“ Das Christkind existiert nicht, das Christkind existiert nicht“. Aber das nützte natürlich nichts, weil, wie wir alle wissen, es nur darauf ankommt, woran die Kinder glauben und auf sonst nichts. 50,05% der Kinder in Österreich glaubten laut Statistik an das Christkind. Da konnte er im Moment  nichts dagegen tun.

 

Und so stampfte er unwillig dahin. Auf dem Weg zur Rathluckahütte musste er durch zwei Höhlenwege gehen. Darin funkelte kein Stern, leuchtete kein Mond und der Weihnachtsmann fürchtete sich darin sehr. Um sich Mut zu machen, pfiff er laut vor sich hin: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und in der zweiten Höhle: „Leise rieselt der Schnee“. Weil in diesem Lied das Christkind bereits in der ersten Strophe vorkam, brach er aber sein Pfeiffen recht schnell ab und lief den Rest des Höhlenweges wie ein Blitz. Jetzt musste er nur noch an der Höhle vorbei, in die vor einiger Zeit ein Schnitzer einen fürchterlichen Drachen mit feuerspeiendem Maul und langem Schwanz hineingestellt hatte. Vor dem fürchtete er sich ungeheuerlich. Aber es gab keinen Umweg. Links von ihm ragte die Felswand empor, rechts von ihm gähnte der Abgrund. Und so nahm er einen Anlauf und sprang mit einem Riesensatz an der Höhle vorbei, die 10m breit war. „Weltrekord im Weitsprung für Weihnachtsmänner“, dachte er bei sich, „gar nicht schlecht für mein Alter. HOHOHO“ Und mit nun langsameren Schritt marschierte er weiter, zur Hütte konnte es nicht mehr weit sein. Er musste nur aufpassen, sie nicht zu verpassen, sonst landete er beim Stimitzer Hans. Und der glaubte an das Christkind, wie im ein Kollege erzählt hatte, dem das im Vorjahr passierte und der kilometerweit zurückmarschieren musste, nachdem er den Irrtum erkannt hatte.

 

Er blickte im Sternenlicht um sich. Noch sah er nichts, außer Bäumen, die sich küssten. Denn am heiligen Abend, wenn ein leichter Wind durch den Wald streift und der Weihnachtsjodler vom Dorf durch das ganze Tal bis hinauf zu den Bergesgipfeln ertönt, dürfen sich die Bäume aufgrund göttlicher Genehmigung mit ihrem oberen Teil, dem Wipfel, zueinander neigen, die Äste zu Kusslippen formen und sich gegenseitig küssen. Und so entstehen die kleinen Bäume – oder was habt ihr gedacht, woher die kommen?

 

„HOHOHO“ rief er plötzlich laut, als er Lichter vor sich sah, die durch Fenster leuchteten, „das muss die Rathluckahütte sein. Endlich bin ich da. Kein Christkind, an das ich nicht glaube, weit und breit.“ Und er eilte mit riesigen Schritten auf die Hütte zu. Dort angekommen blieb er vor dem Fenster der Gaststube stehen um die Lage auszuspähen. Schließlich musste er wissen, wie viele und welche Kinder, brave oder ganz brave, in der Hütte waren und danach die Geschenke in seinem Sack sortieren, sodass keine Verzögerung entstand, wenn er einmal – durch den Rauchfang geschlüpft – drinnen war. Deshalb war es auch klug vorher schon festzustellen, wo die Socken hingen, in die er die Geschenke stecken sollte.

 

Das Eis, das sich auf dem Fenster gebildet hatte, hauchte er mit seinem warmen Atem an und so entstand ein Loch darin, durch das er blicken konnten. Doch potz Blitz, was sah er? Eine große Anzahl von Menschen, die sich rings um den Stammtisch versammelt hatten. Auf dem Stammtisch stand ein Körbchen, aus dem ein Licht zu strahlen schien. Und plötzlich ertönte aus dem Körbchen ein helles Jauchzen, wie von einer Engelsstimme. Ein golden gelocktes Köpfchen hob sich aus dem Körbchen und das schönste Kind, das er je gesehen hatte, blickte ihn an. Das Lächeln des Kindes war so warm, dass der Weihnachtsmann plötzlich zu schwitzen begann und all das Eis auf dem Fenster, vor dem er stand, auftaute. Jetzt konnte er die ganze Gaststube mit all den Gästen sehen. Ihm fiel plötzlich die Szene ein, die sich in Bethlehem im Stall vor vielen Jahren abgespielt haben sollte, wie sie ihm der Erzengel Gabriel beim Weihnachtsmannkurs erzählt hatte. Das waren sie, genau, das waren sie. Dieselben Leute, die damals im Stall waren.

 

Das Jesuskind, im Körbchen auf dem Tisch, ein Engel mit goldenem Haar, der dem Kind gerade die Flasche gab, ein Ochs und ein Esel, die drei heiligen Könige und Maria und Josef mit strahlenden Gesichtern. „Das Christkind“, durchzuckte es ihn, „das Christkind, es gibt es wirklich. Herr Du meine Güte, ich sehe wirklich das Christkind. Ja das es so was gibt. Und soooo schön ist es und so hold. Gott vergib mir, dass ich nicht an es glauben wollte. Ach, bin ich froh, es jetzt gesehen zu haben. Gesegnet sei der Herr! Da gehe ich am besten nicht hinein, sondern runter zum Moserwirt, der hat heuer amerikanische Gäste, die glauben an mich und feiern sicher gerne mit mir Weihnachten.“ Und so kam es, dass in diesem Jahr der Weihnachtsmann bekehrt wurde und von nun an auch ganz, ganz fest an das Christkind glaubte. Der Erzengel Gabriel war sehr froh darüber, wie sich – wahrscheinlich ein wenig mit Gottes Hilfe, dem der Streit schon lange zu dumm war – sein Problem gelöst hatte. Er nahm eine neue Diensteinteilung vor. Seit damals nahmen sich Weihnachtsmann und Christkind beim Verteilen von Weihnachtsgeschenken gegenseitig nie mehr Kunden weg.

 

Der Erzengel Gabriel erzählte dem Weihnachtsmann nie, dass er sich geirrt hatte, als er bei der Rathluckahütte durch das Fenster sah. Die Szene, die er gesehen hatte, war derjenigen im Stalle von Bethlehem nur zufällig sehr ähnlich gewesen. Der Engel mit dem goldenen Haar, der dem Christkind die Flasche gab, war Melanie, die entzückende Tochter des Hauses gewesen. Das Jesuskind mit dem schönen, herzerwärmenden Lächeln war ihr kleiner blonder Bruder Jonas, der zum Wickeln im Körbchen auf den Tisch gestellt worden war. Das freundliche Wirteehepaar Norbert und Marianne, das daneben stand, hatte er für Maria und Josef gehalten. Die Nachbarn Horst und Christa, die ebenfalls am Tisch standen, um zum Kind „huhuhu“ zu sagen und ihm zuwinkten, waren zusammen mit einem Besucher aus Deutschland in die Rathluckahütte gegangen um den Wirtsleuten frohe Weihnachten zu wünschen.. Diese hatte der Weihnachtsmann mit den heiligen Drei Königen verwechselt. Was er für Gold, Weihrauch und Myrrhe hielt, waren ein Schnitzel, ein Teller Gulasch und ein Portion Kaiserschmarrn. Die Hirten, das waren ganz einfach die sonstigen Stammgäste, die nie den Hut abnahmen und deshalb beim schnellen Hinsehen wie Hirten aussahen. Und wer dem Ochsen und dem Esel so ähnlich sah? fragt ihr nun. Diese Frage hat mir der Engel Gabriel nicht beantwortet und so wird dies ein ewiges Geheimnis bleiben.

Missbrauchte Spuren im Schnee

Dezember 9, 2008 um 7:48 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , ,

Willi Zauner

 

Mit diesen Zeilen will ich einem Menschen ein Denkmal setzen, den ich in meiner Schulzeit  lange Zeit schamlos ausnützte, ohne dass er es bemerkte: Dem leider vor kurzer Zeit verstorbenen Willi Zauner.

 

Willi war ein großartiger Mensch. Gebaut wie ein Panzer, groß und stark, freundlich und hilfsbereit und mit einem Gemüt ausgestattet, das ihn meiner Erinnerung nach nie aus der Ruhe kommen ließ. Er war der Sohn von Frau Zauner Milla, vom Binder-Bauernhof. Dieser befand sich nur etwa 100 Meter von meinem Haus entfernt, auf der anderen Straßenseite.

 

Zur Zeit, in der die Geschichte handelt, besuchte ich die Handelsakademie in Gmunden. In Bad Ischl gab es damals noch keine, auch keine Handelsschule. Und so waren junge Goiserer und Goiserinnen, die kaufmännische Fächer lernen wollten, gezwungen, jeden Tag mit dem Zug nach Gmunden zu fahren. Das hieß jeden Schultag um 5.00 Uhr aufzustehen, frühstücken, schnell noch den Pintsch in Mathematik von der Mutter unterschreiben zu lassen, weil da war die Zeit zum Schimpfen schon zu knapp, und dann aus dem Haus eilen, um den Zug um 5.40 noch rechtzeitig zu erreichen. Mit müden Augen traf ich jeden Tag am Bahnhof ein, den langen Schulweg verfluchend und gesellte mich zu meinen Leidensgefährten. Diese waren Wilfried Sch., der meist schon den neuesten Song der Beatles vor sich hinpfiff, Helfried R. und Günther P., der regelmäßig als Letzter die Geleise entlang dahergelaufen kam.. Wenn der Zug eintraf, saßen darin schon Alois Sch. und die Irmi W. In Anzenau stiegen noch Hermann G. und Elfi P. zu. Wenn dann noch in Ischl Charly P. zustieg, war die Runde müder Hasch- oder Hak-Fahrschüler aus dem oberen Salzkammergut komplett. Ab nun wurde Karten gespielt, geraucht, geschlafen oder Aufgaben abgeschrieben. Auch der eine oder andere Flirt wurde zaghaft versucht, aber meist überwog die Müdigkeit, so dass wirklich zärtliche Bande erst bei der Rückfahrt am Nachmittag unter Ausnützung der Dunkelheit in den Tunnels zwischen Traunkirchen und Ebensee geknüpft wurden. Seither weiß ich auch, dass für einen ordentlichen Kuss der Tunnel zwischen Goisern und Ischl zu kurz ist. Versuchen Sie es einmal.

 

Wir Schüler waren nicht die einzigen, die den Zug um 5.40Uhr benützten. Dazu kamen noch Arbeiter der Wildbachverbauung, Frauen, die im Allwerk in Gmunden arbeiteten, Arbeiter des Bauhofes Steinkogel und wer halt so außerhalb Goiserns aber nicht in Ischl zur Arbeit musste. Nach Ischl fuhr man später.

 

Der Weg von zu Hause bis zum Bahnhof dauerte ungefähr 10 Minuten. Das war dreiviertel des Jahres kein Problem. Anders aber im Winter. Damals schneite es noch ganz ordentlich in Goisern und so ein halber Meter frischer Schnee um fünf Uhr früh war normal. Leider fuhr um diese Zeit noch kein Schneepflug. Das hieß, ich musste durch den hohen Schnee stampfen. Und hier kommt Willi ins Spiel. Er arbeitete damals bei der Wildbachverbauung, benützte den selben Zug wie ich und verließ auch zur gleichen Zeit sein Haus.. Da er nur ein Stück von mir in morgendlicher Gehrichtung entfernt wohnte, holte ich ihn leicht ein und in angenehmem Gespräch, oft auch in angenehmem Schweigen schritten wir nebeneinander zum Bahnhof. Im Winter, bei Neuschnee, war das anders.

 

Willi war sehr groß und bärenstark. Und so tat er sich im Neuschnee leichter als ich. Daher versuchte ich im Winter ihn NICHT einzuholen, sondern so an die 100 Meter hinter ihm zu gehen. Dann konnte ich in seine Fußstapfen treten und tat mir im frisch gefallenen Schnee leicht. Willi ließ ich die Führungsarbeit tun. Hätte ich ihn eingeholt, wäre ich vielleicht gezwungen gewesen, neben ihm durch den tiefen Schnee zu waten, um nicht unhöflich zu erscheinen. Willi war aber nicht unhöflich, sondern sehr höflich und wenn er sich auf seinem Weg einmal umdrehte und mich weit hinten erblickte wartete er auf mich. Dann war es für mich aus mit dem leichten Gehen. Bis zu den Knien im Schnee stampfte ich neben ihm her. Geärgert habe ich mich deswegen aber nie. Er war ein wirklich angenehmer Begleiter zu so früher Morgenstunde und gar manches Interessante wusste er mir von seiner Arbeit zu erzählen..

 

Irgendwann endete auch meine Schulzeit und der gemeinsame Gang mit Willi hörte auf. Er ist dann von Goisern weg, hat nach Ebensee geheiratet und wir haben uns nur noch ganz selten gesehen. Dass er so früh verschieden ist, tut mit sehr, sehr leid. Die gemeinsamen Schneestampfereien aber werde ich nie vergessen und hoffe, dass mir Willi da oben verzeiht, wenn er in der himmlischen Bibliothek dieses Buch liest und erfährt, wie ich ihn schamlos ausnützte. Möge ihm der liebe Gott einen ewig schneegeräumten Weg schenken und ihn nur mit Wolkenzügen fahren lassen, die später als 8.00 Uhr den Bahnhof Himmelgoisern verlassen.

Die rotierende Milipitschn oder Frau Pfandl und ihre Familie

Dezember 9, 2008 um 7:27 pm | Veröffentlicht in Aus meinem neuen Buch | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , ,

Frau Pfandl und ihre Familie

 

Wenn man auf der rechten Seite der Unteren Marktstraße ortsauswärts geht, Richtung Norden, kommt man an der Salzervilla vorbei. Nach der Salzervilla führt eine Straße zum Spar-Geschäft. Und gleich nach dieser Straße liegt das Grundstück und das Haus der Familie Pfandl. Früher war die Adresse „Goisern 52“, heute ist sie „Untere Marktstrasse 58“. Ging man früher noch weiter, passierte man das kleine Lebensmittelgeschäft von Frau Reindl, dann kam der Bauernhof des Loama (Leimer) Bachtl und das nächste Haus, das heute rosa gestrichen ist, war das Haus, in dem ich mit meinen drei Geschwistern aufwuchs, damals Goisern 181. Das Haus Goisern 182 gleich daneben, trug den Namen „Villa Rosengarten“ und gehörte der Familie Unterberger. Über die unvergessliche Barbara Unterberger und ihren klugen, schönen Töchter habe ich schon in meinem letzten Buch geschrieben. Wieder ein Stück weiter stand und steht noch heute das Haus der Familie Putz in dem das Installateurunternehmen dieser Familie damals schon untergebracht war und heute noch ist. Daran anschließend folgte der Bauernhof der Familie Hager. Ein weiterer Bauernhof, der von der Familie Pilz vulgo Binder befand sich gegenüber vom Loama Bachtl. Zählt man noch den „Brandtner“-Bauernhof der Familie Engelbrecht, etwas links hinter dem Binder, inmitten von einem großen Feld, dazu, dann wuchs ich umgeben von fünf Bauernhöfen auf.

 

In meiner Jugendzeit kaufte man die Milch nicht im Lebensmittelgeschäft, sondern direkt beim Bauern. Verantwortlich für das Milchholen waren immer wir Kinder. Soweit ich mich erinnern kann, war die Milchabholzeit am Abend, so zwischen 17.00 und 18.00 Uhr. Das war insbesondere zu Krampuszeiten für mich keine angenehme Zeit, da schon einige Tage vor dem 6. Dezember Krampusse herumliefen und böse Kinder suchten. So sagte jedenfalls mein Vater, um mich zu schrecken und brav zu halten. Gesehen habe ich um diese Zeit eigentlich nie einen Krampus, aber dafür oft den lauten, unheimlichen Ton gehört, den der eine oder andere Nachbarbub einem abgeschnittenen Kuhhorn entlockte. Meine Furcht, wenn ich diesen heulenden Ton in schon dunkler Nacht hörte, war ungeheuer. Später lernte ich, dass man den selben Ton auch dreißig Zentimeter abgeschnittenem Gartenschlauch entlocken kann und heulte mit einem fürchterlichen Ton zurück. Ob sich vor meinem Ton jemand gefürchtet hat, weiß ich nicht, hoffe es aber sehr.

 

Ich musste im Laufe meiner Kindheit bei allen fünf Bauern Milch abholen. Warum unsere Lieferanten wechselten, weiß ich nicht. Vielleicht hatte manchmal der eine Bauer mehr Milch und der andere zu wenig, weil er eine Kuh geschlachtet hatte, sodass es deshalb zum Lieferantenwechsel kam. Der Preis kann nicht viel Rolle gespielt haben, ich denke, ich habe überall für den Liter einen Schilling bezahlt. Jedenfalls, wenn ich an der Reihe war und nicht eines meiner Geschwister, drückte mir am Abend die Mutter die „Milipitschn“ (Milchkanne) in die Hand, dazu einen Schilling und schickte mich in die weite Welt um Milch zu holen. Am liebsten ging ich zur Frau Karoline Pfandl (1906 – 1972).

 

Die Pfandls hatten einen großen Bauernhof, dessen Lage ich schon oben beschrieb. Die Distanz zu unserem Haus betrug für einen Buben ca. drei Gehminuten. Damals betrat man das Pfandl-Haus durch ein an der Rückseite gelegenes hölzernes Vorhaus. In diesem Vorhaus standen die mit einem Liter Milch angefüllten Milipitschn von uns und unseren Nachbarn bereits auf einer Bank. Frau Pfandl selbst saß auch auf der Bank und erwartete ihre Kunden. Sie nahm den Schilling und die leere Kanne von mir entgegen und händigte mir die volle Kanne aus. Ich öffnete schnell den Deckel um nachzusehen, ob sich auf der Milch schon etwas Rahm gebildet hatte. Wenn ja, trug ich die Kanne ganz besonders vorsichtig nach Hause, damit der Rahm sich nicht wieder mit der Milch vermische. Denn zu Hause nahm die Mutter einen Löffel, schöpfte etwas Rahm ab und ich durfte ihn, weil ich heute besonders brav gewesen war, vom Löffel schlürfen. So ein Löffel Rahm war so ungefähr das Beste, was ich mir an Genuss vorstellen konnte – außer einem Stück Kandiszucker von der Frau Reindl. Als Bub lernte ich über die Schwerkraft und ihr Verhältnis zur Rotation Folgendes: Wenn man von der vollen Milipitschn den Deckel abnimmt und sie mit gestreckter Hand sehr schnell über dem Kopf dreht, fließt die Milch nicht heraus. Wenn man aber zu langsam dreht, verliert man bis zu einem halben Liter und wird zu Hause nicht mit einem Kuss der Mutter empfangen.

 

Ich habe Frau Pfandl als äußerst liebenswerte, immer hilfsbereite Frau mit einem wunderschönen Gesicht in Erinnerung. Stets hatte sie ein liebes Wort für mich übrig. Ich kann mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen, als sie mich fragte, ob ich mich vor der Schule, die ich im Herbst erstmals besuchen sollte, fürchten würde. Natürlich verneinte ich und sie sagte mir, ich sei ein so kluger Bub, ich müsse mich ja wirklich nicht fürchten. Und stolz ging ich damals nach Hause. So ein Lob vergisst man sein ganzes Leben nicht, quod erat demonstrandum. Denkt immer daran, ihr elterlichen Leser und lobt Eure Kinder so oft es geht, am besten jetzt gleich. Und wenn ihr keine Kinder habt, lobt einfach den Schreiber dieser Zeilen. Er freut sich auch.

 

Frau Pfandl lebte nicht allein in ihrem Haus. Mit ihr wohnten noch ihr Ehemann Josef (1901 – 1957) ihr Sohn Leopold mit seiner feschen Frau Theresia und ihre weiteren Söhne Josef und Hans. Der erste Stock wurde von der Familie Hinterberger bewohnt.

 

 

Josef Pfandl betrieb neben dem Bauernhof auch noch ein kleines Fuhrwerksunternehmen. Auf dem Bild ist er mit seinem Stier und dem ersten Wagen der Firma Bresnik, der mit aufgeblasenen Gummireifen bestückt war, zu sehen.. Die Ladung besteht aus vollen Mehlsäcken, die er täglich von der Kunstmühle zur Verladung am Goiserer Bahnhof brachte. Eine weitere regelmäßige Fuhre war das Brot, das von der Kunstmühle zum Konsumgeschäft nach St. Agatha gebracht werden musste. Sohn Leopold unternahm diese Fahrt mit Stier und Wagen bereits im zarten Alter von 7 Jahren alleine, wenn der Vater nicht Zeit hatte. So ein Stier geht langsam und wenn er einmal nicht so recht wollte, und Leopold um 7.30 Uhr bei der Kunstmühle startete, kam er mit der Ladung erst um 16.30 Uhr in St. Agatha an, wie er mir erzählte. Es ist halt sehr schwierig für so einen kleinen Buben, so ein riesiges Tier anzutreiben. Ihm stand für seinen Wagen die gesamte Straßenbreite zur Verfügung. Denn, wie er mir weiters sagte, die einzigen Autos, die ihm hätten begegnen können, hatten damals der Feicht und die Strohschneiderin. Am Weg zurück spürte der Stier, dass es nach Hause ging und sauste mit Wagen oder Schlitten, je nach Jahreszeit, nur so dahin. Am Hof angekommen, rannte er samt Fuhrwerk in den Stall, ohne dass Leopold ihn bremsen konnte und dabei, so seine Worte, „flogen regelmäßig die Fetzen“. Er baute später das Fuhrunternehmen seines Vaters aus, kaufte Lastwagen dazu und betrieb auch eine Schottergrube im Weißenbachtal. Das Unternehmen bestand bis 19…………………???

 

Das Grundstück der Pfandls erstreckte sich westlich bis zur heutigen Unteren Marktstraße, östlich bis zur Konrad-Deubler-Allee, südlich bis zum Zaun der Salzervilla, nördlich bis zum Laimer-Gärtner und zählte zu unserem erweiterten Spielareal. Einiges davon wurde in der Zwischenzeit verkauft, sei es für die Umfahrungsstrasse, sei es für den neuen Spar-Markt. Jenseits der Deubler-Allee erstrecken sich andere Felder, bis hinauf zum Sauruckn und noch weiter. Diese Felder waren unser Skigebiet. Den Sessellift zum Predigstuhl hinauf konnte sich kaum einer von uns Buben leisten und so gingen wir mehrmals täglich zu Fuß diese Wiese, genannt das Winterauerfeld, hinauf um kurz zu rasten und dann mit kühnen Wedelschwüngen wieder herunterzufahren. Unsere Kondition war damals sehr beträchtlich. Wenn es Zeit war, nach Hause zurückzukehren, gingen wir ein letztes Mal ein gutes Stück hinauf und fuhren „im Schuss“, also ohne eine Kurve zu machen, hinunter. Wenn die Schneedecke im Pfandlfeld gefroren war, also wenn der „Harsch“ trug, fuhren wir ohne Problem in einem durch bis zur Unteren Marktstraße. Da angekommen, war es nicht mehr weit nach Hause. Von ganz oben, also vom Saurucken, traute ich mich nie im Schuss hinunterzufahren, weil da waren zwei kleine Wegerl im Sprung zu überqueren und davor fürchtete ich mich. Der Rehn Willi, der hat es einmal getan und dafür bewundere ich ihn noch heute.

 

Oft war ich als Kind auch am Bauerhof im Stall. Kühe, Schweine und Hühner wurden darin gehalten. Die Schweine fütterte der Bauer damals noch mit „Trank“. Das war der Bioabfall, der in den umliegenden Haushalten anfiel, wie z.B. Kartoffelschalen, und der in blechernen Eimern gesammelt wurde. War so ein Eimer voll, musste ich ihn zum Pfandl tragen, dafür durfte ich dann auch in den Stall, die Tiere bestaunen, von deren Anblick, ihrem Gemuhe, Gegrunze und Gegacker ich nicht genug bekommen konnte.

 

Oft half ich mit meinen Brüdern auch beim Heuen mit, wendete geschnittenes Gras, befestigte es zum Trocknen auf „Hüflern“ und brachte Heu in großen Tragtüchern am Kopf in die Tenne. War genügend aufgehäuft, sprangen wir von einer höheren Fläche tief hinunter in den duftenden Heuhaufen. Das war für uns eine Mutprobe und machte unendlich viel Spaß. Die Heuarbeit war für uns eigentlich keine Arbeit, sondern ein Vergnügen, bei dem wir als Kinder jedoch schon ernst genommen wurden. Und das war Belohnung genug. Dass dabei auch noch so manches Kracherl oder selbstgemachter Süßmost und ein Butterbrot, mit ebenfalls selbstgemachter Butter, zusätzlich für uns abfiel, war ein angenehmer Nebeneffekt.

 

Auf dem platz vor der Auffahrt zur Tenne stand einige Zeit lang ein alter Lastwagen, der nicht mehr gebraucht wurde und in dem und auf dem wir Kinder spielen durften. Ich saß oft am Lenkrad und hatte natürlich viel zu kurze Beine, so dass mein Bruder Karl-Heinz, der noch kleiner war, zu den Pedalen hinunter kriechen musste um Bremse, Gas und Kupplung zu bedienen. Natürlich hatten wir von der Funktion dieser Pedale keine Ahnung, nur dass man sie ab und zu drücken musste, das wussten wir schon. Ich konnte mir nie erklären, wie der Fahrer erkennen konnte, ob die Vorderräder geradeaus stehen würden oder nach links oder rechts zeigten. Weder durch die Windschutzscheibe, noch dann, wenn ich mich beim Seitenfenster hinauslehnte, konnte ich die Räder sehen. Für mich aber war es klar, wenn der Fahrer wissen wollte, ob er in einem gegebenen Augenblick nach links, nach rechts oder geradeaus fuhr, er dies nur durch die Stellung der Vorderräder erkennen konnte. Und so rief ich während unserer fiktiven Fahrt nach Steeg: „Achtung, Oberhauserkurve!“ Und Karl-Heinz musste die Pedale loslassen, hinausklettern und nachsehen ob ich die Räder in die richtige Richtung gedreht hatte. Sonst wären wir nie durch die Kurve gekommen. Einen Unfall hatten wir dank dieser Methode nie. Ich empfehle sie daher heute noch Autolenkern ab 1 Promille Alkohol im Blut.

 

Die Mitglieder der Familie Pfandl waren durch meine ganze Kindheit hindurch liebe Freunde und sind es heute noch. Für die schönen Zeiten, die ich auf ihrem Bauernhof verbringen durfte danke ich ihnen wirklich aus ganzem Herzen. Ganz besonders der alten Frau Pfandl. Möge sie mit ihrem Gatten und ihrem leider früh verstorbenen Sohn Josef im Himmel einen Bauernhof zugewiesen erhalten haben, auf dem alle Maschinen nie einer Reparatur bedürfen, das Wetter immer genau richtig ist und dicke Butterbrote neben Schinken und Krügen voller Most auf den Bäumen wachsen.

 

 

Nächste Seite »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.