Du bist so weit weg von mir – Ab wann ist Musik Volksmusik?

März 27, 2009 um 9:57 pm | Veröffentlicht in Musik | 4 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , ,

Zufällig stieß ich im Internet wieder einmal auf Hubert von Goisern. Ich vermeide es, ihn im Internet zu suchen, das macht ihn zur virtuellen Person. Viel lieber ist es mir, ihn  selbst in Person in Bad Goisern manchmal zu sehen. Jedenfalls habe ich auf das Link gedrückt, auf dem sein Lied →„Du bist so weit, weit weg von mir“  auf Video gespeichert ist. Es ist ein wunderschönes Lied. Und weil ich mich vor kurzem mit meiner Familie über Volksmusik und die Definition von Volksmusik unterhalten habe, frage ich mich jetzt,  ist Huberts Lied Volksmusik? Nach der Definition, die ich gefunden habe, nicht. Danach ist Volksmusik nämlich Musik, die in einem abgegrenzten Gebiet seit langer Zeit auf die selbe Art und Weise gesungen wird. Ich möchte noch hinzufügen, vom Volk, also von Allen gesungen wird, wie es mit z.B. unseren Jodlern der Fall ist. D.h., fängt auf einer Almhütte einer einen Jodler an, der so einen exotischen Namen tragen kann, wie „Ihn Hansl seina“, fällt ein Großteil der Goiserer Almhüttengäste sofort mit ein und der Jodler wird mehrstimmig gesungen, ohne dass es dazu einer Verabredung bedarf. Auch Chöre, wie der „Männergesangsverein Bad Goisern“ singen diesen und andere Jodler bei Aufführungen oder danach in geselliger Runde.  Huberts Lieder singt nur er selbst. Noch habe ich niemanden gehört, der so ganz locker und einfach im Gastghaus z.B. das ebenfalls wunderschöne „Heastas nit, wia die Zeit vageht?“ gesungen hat. Auch Chöre haben dieses Lied nicht im Repertoir. Solange ein Lied aber nicht von unseren Chören gesungen wird oder von Menschen im Wirtshaus, womit ich nüchternen, schönen Gesang meine und nicht besoffenes Gegröhle, ist das Lied nicht als zur Volksmusik gehörend zu bezeichnen. Daher meine kühne Forderung an Hubert, dass er seine schönsten Lieder endlich frei geben möge. In unseren Herzen sind sie bereits. Sie gehören zu uns, wie da „Kuahmöha“, was als riesiges Kompliment gemeint ist. Dann wird daraus Volksmusik, in vielleicht so 10 oder 20  oder 50 Jahren. Ars longa, vita brevis.

Advertisements

Gstanzln, da Bua, des Dirndl, die Alm und die Liab in Bad Goisern

September 16, 2008 um 10:01 pm | Veröffentlicht in Allgemein, Bad Goisern | 5 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , ,

Anmerkungen zu Viezeilern und ihrer Bedeutung in unserer näheren Heimat

 

Irgendwann wird sie gefunden werden, die Höhle im Goiserertal, wo zur Steinzeit schon Mammutjäger hausten, die ihre Fellmützen mit Mammutbärten schmückten. Und in dieser Höhle wird man neben einem in den Felsen geritzten Mammut diese Schriftzeichen finden:

„Mammut, Ugudada,

Naga, da sudada,

Nogoro, go roro,

Jagr kogolo, do.”

Dies war das erste Gstanzl in meiner Heimat und wenn man es einst gefunden haben wird, steht fest, dass die Gstanzln die älteste, bis heute erhaltene, kulturelle Tradition sind, die wir in den Alpen kennen.

Übersetzt heißen obige Zeilen in etwa:

„A Mammut hob i daschlogn,

S’woa gonz schwa hoam zum trogn,

Nix gnutzt hot des Beten,

Ihn Jaga hots z’treten.“

 

Dieses Gstanzl wurde in der damaligen Mundart geschrieben, wie sie heute noch in der jeweiligen regionalen Mundart – goiserisch, gosauerisch, ausseerisch, ebenseerisch usw. – gedichtet, manchmal auch aufgeschrieben und vor allem gesungen werden. Von Generation zu Generation werden sie mündlich weitergegeben und beschreiben heute wie damals den Alltag der kleinen Leute in unseren Tälern. Beschrieben wird in ihnen und durch sie alles, was unser Leben ausmacht, Liebe und Verzweiflung, Trauer und Freude, Sehnsucht und Erfüllung, Leben und Tod und immer wieder die Sehnsucht nach dem Berg, dem Dirndl und dem Buam, deren romatischen Absichten die Obrigkeit in Form des Jägers oft durchkreuzen will. Meist aber bleiben er, der kleine Mann, und sie, die kleine Dirn, die Sieger, weil die Liab und die Sehnsucht und die Leidenschaft kann keiner aufhalten, wenn sie echt sind.

 

Was ist nun ein Gstanzl? Das Wort dürfte von italienisch stanza, die Strophe, abstammen. Die freie Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ beschreibt diese Kunstform so: Gstanzln werden vielfach aus dem Stegreif gesungen, in der jeweiligen Mundart gedichtet und vorgetragen. Gute Gstanzlsinger können stundenlang vortragen, ohne sich zu wiederholen. Von der Dichtform her gesehen handelt es sich um Vierzeiler, die häufig in der Form abab oder aabb vorkommen, aber oft auch gar keinen Reim haben, wie die sogenannten Nonsensreime („In Emsee homs a Howossa ghobt, d’Fisch hom von de Bam owagsogt, fürchtet Euch nicht, oba fürchtet Euch nicht“). Musikalisch unterscheiden wir die dazugehörige Melodie des „Landlers“ im 2/4 Takt und des „Steirers“ im 8taktigen ¾ Takt. Die Ausseer kennen dazu auch noch die Melodie des „Waldhansls“ im Walzertakt. Getanzt wird zum Gesang der entsprechende Tanz, der Landler, der Steirer oder der Boarische, wozu bei uns noch die Pernecker Quadrille (Mit’n Kopf zom, mit’n Oasch zom) kommt. Man kann auch umgekehrt sagen, dass zum entsprechenden Tanz die entsprechende Melodie gesungen wird, samt den dazugehörigen Gstanzln. Der wissenschaftliche Überbegriff für das Gstanzl und Kollegen ist „Schnaderhüpfl“, ein Wort, das also auch Gsangl, Gsätzl (Niederösterreich), Stückln, Schnaderhackn (Bayern), Stieglhupfa (Salzburg) oder Lumpenliedli (Schweiz) umfasst.

 

Bis zum 19. Jhdt. dürften die Gstanzln nur mündlich weitergegeben worden sein. Denn schriftliche Aufzeichnungen der Texte sind erst ab diesem Zeitpunkt zu finden. Eine endgültige Aufzeichnung aller Gstanzln wird aber immer unmöglich sein, weil es erstens unzählig viele in unendlich vielen Variationen sind. Und weil zweitens das Gstanzl ein lebendes Kulturgut ist. Im Wandel der Zeit kommen auch heute immer noch neue Gstanzln zu den alten hinzu, neue Lebenssituationen, neue soziale Gegebenheiten und neue wirtschafliche Umstände beschreibend. Es ist eine sehr demokratische Gedichtform, ein jeder kann eine neue Strophe hinzufügen, unabhängig von Rang oder Namen, so wie man auch keinen Rang oder Namen verschonen musse. 

 

Ich habe in meiner Jugend meinen ersten Volkstanzkurs im Saal des katholischen Pfarrheimes gemacht. Gehalten wurde der Kurs vom großartigen Lois Neuper, ein Lehrer, wie man ihn sich beim Volkstanz nur wünschen kann. Er schaffte es auf unnachahmliche Weise, seine eigene Freude am Tanz auf uns zu übertragen und uns dafür zu begeistern, uns, die wir im Radio nur die Beatles und Stones hörten. Danke Lois! Du hast mir etwas Wunderschönes für mein ganzes Leben gegeben. Wie es beim Erlernen des Steirers so ist, muss man dazu auch die richtigen Gstanzln lernen. Das erste Gstanzl, das ich jemals sang, war „Jetzt schmeiß i mein Huat in Bo – und schwimm eam söwa no -, wei mi mei oida Schotz – a neama mog.“ Das ist eigentlich ein recht pessimistisches Gstanzl, das da ein verlassener Bua singt und das jene Lösung beschreibt, die der Goiserer leider oft für seine Probleme anwendet. Wohl an die tausend Mal habe ich diese Zeilen gesungen, an die tausend Mal dazu eine schöne Maid im Takt gedreht, mit ihr das „Fensterl“ und das „Busserl“ geformt und ca. 900 Mal habe ich danach meinen Hut in den Bach schmeißen müssen. Aber „kein Schweiß ohne Preis“, das war damals unser Motto und ist es hoffentlich für die Jugend von heute noch. Ich liebe es jederzeit in geselliger Runde Gstanzln zu singen, und zwischen den einzelnen Strophen nicht zu paschen, weil halt mein Rhythmusgefühl ein anderes ist, als das der Anderen. Und wenn man nicht paschen kann, sollte man es auch nicht tun, so macht man sich beliebter als umgekehrt und darf beim nächsten Mal wieder dabei sein.

 

Eines meiner Lieblingsgstanzln ist dieses: „I bin a lustiga Tonza – I tonz übaroi – Und in Kaisa sein Soi – Tonz i a no amoi“. Jawohl, das sind die richtigen Zeilen für einen Goiserer, der dem Kaiser nicht nur bei der Jagd die Stirn bietet, sondern auch beim Tanz, auf seinem, angeblich des Kaisers eigenem Grund. Und ich habe tatsächlich einmal in seinem Saal getanzt, in Wien, im Fasching, in der Hofburg. Ihr habt nichts versäumt. Sehr feun war es mit feunen Damen und Hörren und stinklangweilig. Ich ziehe jederzeit den Gesangsvereinsball in Goisern einem Ball in der Hofburg vor, obwohl – das Buffet war gratis und nicht schlecht. Aber mit Besenstielen kann man schlecht tanzen und die Differenz zwischen dem Humor der feunen Wiener und unserem – insbesondere im Fasching – möchte ich Klavierspielen können.

 

Bleibt noch die Frage offen, welche Gstanzln es denn nun gibt. Wie schon gesagt, Gstanzln gibt es für jedes Gefühl, wobei das Verliebtsein bevorzugt wird und für jede Alltagssituation, wo die Wilderei ein sehr prominentes Thema bildet. Eine gut verwendbare Einteilung habe ich in dem schönen Buch von Herbert Seiberl und Johanna Palme, „Gstanzln aus dem Salzkammergut – 730 Vierzeiler“ gefunden. Das Buch ist zwar auf die ausseer Volkskulturlandschaft abgestimmt, ist aber auch für Salzkammergütler diesseits des Pötschenpasses sehr nett und lehrreich zu lesen. Die Gstanzln, die ich nun zitiere und wenn nötig auf Goiserer Verhältnisse abwandle, stammen aus diesem Buch, eigentlich aber aus einer jahrhundertalten Überlieferung. Ich selber teile die Gstanzln anders ein als diese Autoren. Zum Beispiel in

1. schräge: Oba Goisan is a lustigs Toi – Still ruht der See. – Gestern homma Griaßnocka ghobt    – Fürchtet Euch nicht.

2. sozialkritische: An Hosn hob i gschossn – Und an zodatn Bock – Für mei Weib zu an Kidl – Und für mi zu an Rock. Offensichtlich war der Sänger so arm, dass er wildern gehen musste, um seine Familie zu kleiden.

Und an Schützn homs gfonga – Und i trau ma’s nit z’sogn – Der hot vorigs Joahr no – In Schulerpack trogn. Auch Kinder mussten durch Wildern schon zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

3. explicit sexuelle: s’Diandl in da Gosaumühl – Laßt in Buam, wonn er will. – Laßt in Buam übersteign – Über ihr Geign. Oder Daß im Woid finsta is – Mochn de Äst. – Und dass d’Fut koane Zähnd nit hot – Des is des best. In der Gosaumühl’ müssen wohl einst mehr Menschen gewohnt haben als heute und lustig muss es dort zugegangen sein. Schade darum. Im zweiten Gstanzl kommt die ewige Angst des Mannes vor der „Vagina Dentata“ zum Vorschein, vor der auch der mutigste Goiserer nicht verschont zu sein scheint. Da macht so ein Lied frei. Kraftvoll und voller Lebenslust sind diese Art von Gstanzln, welche von aktiven Menschen mit einer ungezwungenen Sexualität gesungen wurden. Heute sind sie im Wirtshaus schon fast verschwunden, zu groß war der Einfluß von braven christlichen Lehrern auf die „saubere“ Volksmusik. Wenn ich solche Leute manchmal treffe und spreche, denke ich mir, die vermehren sich durch einen Händedruck. Vielleicht sollten sie wieder mehr alte Weisen singen.

4. Wilderer, Gemsen, Jäger: Grauft hamma, Wildbrat gstohln – Mentscha g’liabt auf da Alm – Gams gschossn in Gebirg – Alles is probiert. Hier ist das männliche alpine Leben, wie es einst war, beschrieben. Raufen, schiessen, lieben – Hemingways gesamtes Werk in einen Vierzeiler verpackt. D’Jagern und d’Hund – Und die langen Stecka – Die kinnan ins kreizweis – In Bugl lecka. Wie es sich gehört für den kleinen Mann, keinen Respekt vor der Obrigkeit. Hätte er alle Vorschriften eingehalten, wären er und seine Familie wahrscheinlich verhungert. Heute habe ich ähnliche Strophen schon gehört, wo der Jaga und sein Hund durch die EU ersetzt werden.

5. Die Alm: s’Diandl in da Alm – tuat an Juhschroa, an halbn – Und den halbn tuat da Bua – Za da Hüttn herzua. Dort obn auf da Alm – Steht a greane Feichtn – Durt gengan die Buam – Zu da Sennarin beichtn. Die Alm, sie ist in den Gstanzln immer der Mittelpunkt des Gspusis, von der Liab, von der Zuneigung zwischen Bua und Dirndl, zwischen Wildschütz und Sennerin. Leider singt keiner etwas über das Elend, das die Sennerinnen befiel, wenn sie schwanger und allein gelassen wurden. Nicht nur vom Kaiser. Ohne Alm geht beim Gstanzlsingen gar nichts, sie ist ein Muss.

6.Ort gegen Ort: Ischla Buam rigelts enk – Goisara Buam prügln en -, nehman Eich d’Menscha weg – und es hobts an Dreck. Zahllose solche Gstanzln gibt es, die die ehemalige? Rivalität zwischen den einzelnen Orten des inneren Salzkammergutes aufzeigen. Manchmal vergleichbar mit dem Brunftschrei eines Hirsches, der den Gegner von der feschen begehrten Jungfer verscheuchen will.

7. Und über allem schwebt die Liebe:

Du broatoaschats Diandl – Di hab i so gern – Und i kinnt wegn dein Broatoasch – Glei a Häuslbrett werdn. Oba Diandl, du liabs – Wonnst du amoi stirbst – Wirst ma du amoi krank – Leb i a neama lang.

Schener Bua, liaba Bua – Kemma muasst überzua – kemma muaßt dann und wann – D’Zeit wird ma lang. Lustig is schon – Wann die Nachtigall singt – Aber lustiga noh – Bald mei rechta Bua kimmt. Wunderschön wird hier die Sehsucht beider Geschlechter nach den anderen beschrieben. Hunderte, wenn nicht tausende Gstanzln beschreiben diese Sehnsucht. Manchmal in zarten Worten, manchmal mit recht derben, aber immer von der wahren Liab getragen. Das gilt bis heute.

Und mir bleibt mir nur noch, eine Einladung zu unserer Landesausstellung in Bad Goisern auszusprechen:

Kehmts her do noch Goisan,

Unsa Ausstellung woat.

Und von enk zu uns her

Is nua a kurz’ Foahrt.

                                                                                                       

Gstanzln und Rap, ist das das Gleiche?

August 10, 2008 um 8:40 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , ,

Ich soll einen Artikel über Gstanzln schreiben, für eine Zeitung. Und im Internet fand ich den Vergleich von Gstanzln mit Rap. Kann man die beiden wirklich vergleichen?

Gstanzln an die/den Geliebte/n

August 6, 2008 um 12:06 pm | Veröffentlicht in Allgemein | 5 Kommentare
Schlagwörter: , , , , ,

Superseite gefunden, mit der man liebe Botschaften mit Musik und Bild und Gstanzl schreiben kann http://www.volkstanz.at/Gstanzln/Karten/Karte01.asp

Was machen Pfeifen auf der Alm?

Juli 30, 2008 um 9:33 am | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , ,

Am 15. August findet der alljährliche Pfeifertag statt – diesmal auf der Rossmoosalm in Bad Goisern

 

Da Herrgott kann nit weit sein,

Da müasst i mi irrn.

Na, er sitzt mittn drinn

Und tuat dirigiern.

Soweit das offizielle Gedicht. Ich aber singe:

Wonn i zum tonzn geh,

tuat ma mei Fuaß nit weh.

Wonn i oaweitn muaß,

is gonz aus mit mein Fuaß.

 

Die Zeilen dieses kleinen Gedichtes könnte man als Motto für den kommenden Pfeifertag verwenden, so gut passen diese Worte dazu. Wenn man vom Pfeifertag oder von den Pfeifern spricht, dann meint man im Salzkammergut den Tag der „Seitlpfeifen“ oder die „Seitlpfeifer“.  Die „Seitlpfeife“ ist eine Querflöte aus Holz, ein kleines aber feines Instrument, es ist quasi unverwüstlich, sodass man es überall hin mitnehmen kann. So mancher Sommerfrischler wird erstaunt gewesen sein, wenn im Gasthaus oder auf der Alm plötzlich einige Goiserer in die Innentasche ihres grünen Rockes griffen, eine Seitlpfeife herauszogen und einfach aus der Freude am Beisammensein und der Freude an der Musik plötzlich am Stammtisch zu spielen begannen. Das gibt es in dieser  Form wohl wirklich nur noch im Salzkammergut, unorganisiertes, echtes Brauchtum. Die Seitlpfeife in ihrer heutigen Form ist seit dem Mittelalter unverändert geblieben. Aus ihr lässt sich viel herausholen, am beliebtesten sind Märsche, Steirer, Landler, wozu sich trefflich das Tanzbein schwingen lässt, und Jodler.

 

Gegründet wurden die Pfeifertage  im Jahr 1925 vom damaligen Bergmeister der Salinen in Bad Aussee Leopold Khals.

 

Damals gab es nur mehr wenige Pfeifer im Salzkammergut und das Spiel mit den Schwegel- bzw. Seitelpfeifen drohte auszusterben. So kam Leopold Khals auf die Idee, einen Pfeifertag abzuhalten, wo sich alle Pfeifer, Trommler und Maultrommler einfinden sollten um das vorhandene Liedgut zu pflegen.

 

Das geschah am 15. August 1925 auf der Blaa-Alm in Altaussee. Ca. 15 Pfeifer trafen sich zum ersten Pfeifertag. Hier wurde festgelegt, dass fortan der Pfeifertag jedes Jahr, immer am 15. August an einem, das Jahr zuvor festgelegten Treffpunkt im Salzkammergut (Oberösterreich, Salzburg oder Steiermark) staffinden sollte.

Jeder Pfeifer sollte versuchen, junge Pfeifer anzulernen und zum Pfeifertag mitzubringen. So wuchs im Laufe der Zeit die Zahl der „Seitlpfeifer“ stetig an.

Im Jahr 1929 wurde die erste Radioübertragung vom Pfeifertag durchgeführt.

 

Nach einer Unterbrechung durch den 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 begannen die Pfeifertage wieder in Bad Ischl auf der Hoisenradalm und werden seit dieser Zeit jedes Jahr auf einer anderen Alm im Salzkammergut durchgeführt.

 

Um die ursprüngliche Tradition der Pfeifertage aufrecht zu erhalten, wurde im Sinne des Gründers der Pfeifertage, folgender Modus gefunden: „Bis 12 Uhr Mittags dürfen keine anderen Instrumente als Trommeln, Pfeifen und Maultrommeln erklingen. Erst nachdem um 12 Uhr der nächste Pfeifertag (in Form eines Gedichtes) verkündet wurde, darf auch mit anderen Instrumenten gespielt werden.“

 

Der Beginn des Pfeifertages ist bereits der frühe Morgen (ca. 7 Uhr). Nach und nach trudeln die Pfeifergruppen ein, ein ungezwungenes freies Spielen beginnt. Jeder sucht sich einen Platz nach Lust und Laune. Es gibt kein fixes Programm. Echtes Brauchtum braucht kein Programm, es organisiert sich von selbst. Wenn man echte, unverfälschte Freude am alten Brauch, an der echten Volksmusik und am Tanz  – und damit auch am Leben an sich – miterlebt haben will, muss man einmal beim Pfeifertag dabei gewesen sein.

 

Am 15. August 2008 wird der Pfeifertag auf der Bad Goiserer Rossmoosalm im Zuge der Landesausstellung „geigen, gwand & goiserer“ stattfinden. Die Gelegenheit, auch diese Landesausstellung im Schloss Wildenstein zu besuchen, sollte man – und Frau – sich nicht entgehen lassen.

 

Ab 8 Uhr gibt es einen Shuttledienst bis zum Berghotel Predigstuhl

1. vom Marktplatz  von Bad Goisern

2. vom Parkplatz beim Hofer-Markt

Vom Berghotel Predigstuhl ist die Rossmoosalm zu Fuß auf einem gut befestigten Wanderweg gemütlich in ca. 20 Minuten zu erreichen.

 

Parkmöglichkeiten gibt es in Bad Goisern kostenlos :

hinter dem Gemeindeamt

beim Landesausstellungsgebäude Schloss Neuwildenstein

beim Hofer-Markt

auf kleineren Parkflächen, die über das gesamte Ortsgebiet verteilt sind

 

Feuchtgebiete gehen nicht – Feuchtgebiete liegen in Bad Goisern

Juli 9, 2008 um 9:50 pm | Veröffentlicht in Bücher sind zum Lesen da | 3 Kommentare
Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Das Buch geht nicht, sagen wir in Bad Goisern, wenn sich ein Buch nicht verkauft. Oder über andere Artikel des Handels sagen wir das auch: Die Gurken gehen heute überhaupt nicht, oder, der Leberkäs geht heute gar nicht etc. Bei Frauen sagen wir: „Bei der geht überhaupt nix“. Und damit meint der Goiserer, er habe versucht, dieser bestimmten  Frau sehr, sehr  nahe zu treten und sei zurückgewiesen worden. Irrtümlich formuliert er diesen Satz aber so, als würde diese bestimmte Frau jeden zurückweisen, nicht nur ihn. Es handelt sich hiebei um eine sogenannte “ Allgemeinisierung des Individuellen“ oder um eine „Das Ego schützende Verallgemeinerung einer negativen Reaktion“. Die kommt bei uns sehr häufig vor.

Aber zur Sache: Auf meinen Rat hin hat die hiesige Buchhändlerin drei Exemplare von Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ geordert und bietet diese auf einem Bestsellertisch in ihrem Laden an. Bisher hat noch kein Goiserer, keine Goiserin eines dieser Exemplare auch nur angerührt, geschweige denn durchgeblättert. „Siehst Du“, sagte die Buchhändlerin heute zu mir, „ich habe Dir doch gesagt, dass diese Buch in Goisern niemand kauft. Gott sei Dank habe ich nur wenige Exemplare eingekauft.“ Ich bin verblüfft. War doch ein Bericht über dieses Buch beinahe in jeder Zeitung, in  jedem ORF-Kulturjournal und in jeder Talkshow der letzten Wochen. Es ist daher unmöglich, dass die Goiserer nicht wissen, das es dieses Buch gibt und worüber es handelt. Fatal für die Buchhändlerin ist eher, dass es offensichtlich jeder potentielle Käufer in Goisern weiß und deshalb davon ausgeht, dass die zweite Person, die sich im Buchladen befindet auch über dieses Buch Bescheid weiß und daher über ihn, den potentiellen Käufer, schlecht denken würde, nähme er das Buch auch nur in die Hand. Auch denkt er selbiges über die Buchhändlerin, vor der sich der potentielle Käufer ziert wie ein Röslein vor der Biene beim ersten Mal im Frühling. Und so kommt es, dass dann, wenn im gesamten deutschsprachigen Sprachraum die Feuchtgebiete ausverkauft sein werden, in Bad Goisern immer noch 3 Exemplare zu kaufen sind. Weil, so ist mein Verdacht, die Goiserer kaufen die Feuchtgebiete in Bad Ischl.

Merkwürdig bei der ganzen Sache ist, dass der durchschnittliche Goiserer gerne Gstanzln singt und er in diesen Vierzeilern Feuchtgebiete mit Worten beschreibt, welche Charlotte Roche vor Scham erblassen lassen würden. Aber dabei handelt es sich eben um sogenannte Volkskultur, die vieles zulässt, solange sie nicht von Lehrern verbogen wird. Heute müsste man eigentlich zwischen Volkskultur und Lehrerkultur (als verfälschte, enterotisierte Volkskultur) reden.

Wilfried singt in Goisern am 4.Juli 2008

Juni 27, 2008 um 8:45 am | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Einer der größten Söhne unserer Heimat tritt am Freitag den 4. Juli in Bad Goisern im Schloss Wildenstein auf.

Sein, bzw. des 4Xang neues Programm nennt sich „Erbschaftssteuer“ und ist unbedingt empfehlenswert. Es ist witzig, charmant, von Wahnsinnstimmen getragen und ist sowohl für Blues- und Jazzfans als auch für Geniesser guter Volksmusik geeignet, genauso wie für Hörer anderer Musikrichtungen. Der 4Xang beherrscht eben alles.

Wilfried wird aus disem Anlass auch aus eigenen Werken lesen, aus einer Textsammlung von Philosophischem, Rührendem, Goiserischem.

Zusätzlich wird sein Sohn Hannibal mit seiner Band 5/8erl in Ehr’n aufspilen, zusammen mit einer legendären Gitarristin und einem Musikprofessor. Diese Band MUSS man einmal gehört haben.

Interview mit Hubert von Goisern in der FAZ

Juni 18, 2008 um 9:01 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , ,

Am 14. Juni hat Hubert von Goisern- →wir →berichteten – in Bad Goisern gespielt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ihn aus diesem Anlass getroffen und auf der Haller Alm ein Interview geführt. Ob man Hubert von Goisern jetzt Herr von Goisern nennen muss, obwohl der Adel in Österreich schon lange abgeschafft ist, wie das mit dem Rauswurf aus der Blasmusikkapelle war und der kleine Hubert damals brav geübt hat, kann man →hier nachlesen.

Hubert von Goisern spielte in Bad Goisern

Juni 17, 2008 um 8:23 am | Veröffentlicht in Bad Goisern | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , ,

Hubert von Goisern spielte in Bad Goisern. Das ist spannend. Ein Mann, der seit seinem 18. Lebensjahr durch die Welt tingelt, fast alle Kontinente bereist und bespielt hat, der aber immer wieder zurückkehrt auf Bergspitzen und in Eishöhlen. Ein Mann, dessen Musik sich immer wieder auf die Klänge der alten Heimat bezieht, auf Volksmusik und Jodler, für ein paar Takte, dann hören wir wieder Blues oder eine bulgarische Gadulka. Die ersten Töne erklingen, man denkt sich, das wird jetzt indisch und befindet sich ein paar Takte später wieder in den Alpen. Oder man glaubt, man ist jetzt in Woodstock und da vorne läßt Jimmy Hendrix persönlich seine Elektrische aufjaulen.

Und da ist dieses Bad Goisern, über das Hubert von Goisern folgende Anekdote erzählt: Eine junge Frau habe nach Bad Goisern geheiratet, doch sie sei mit 80 Jahren noch eine “Zuagraste” gewesen. Dabei sei sie aus der Gosau gekommen.

Da kommt also der berühmteste Sohn dieser Ortschaft und spielt an dem Ort, der, wenn man das einmal freizügig in seine Musik hinein interpretieren will, gleichzeitig Wurzeln und Enge bedeutet. Spielt vor dem Publikum, das sich über folgenden Witz der Vorgruppe gefreut hat: “Glauben denn die Laakirchner, dass sie zum Salzkammergut gehören? Bei Ebensee lassen wir uns das noch gefallen, aber Laakirchen?” Und da gibt es einen Bürgermeister, der seine Begrüßung in einem Dialekt hält, den ÖsterreicherInnen jenseits des Salzkammerguts kaum verstehen und diesen vielsagenden Satz sagt: “Ich begrüße die Gäste aus Bayern und aus Deutschland.” Da wird die Welt außerhalb der Heimat also aufgeteilt in ein Bayern und in ein Deutschland. Die Bayern haben es eventuell noch verstanden, die Gäste aus Deutschland ohnehin nicht.

Da wundert man sich als angereiste Österreicherin, dass die Hochtraxlecker Sprungschanzenmusi, die als Vorgruppe aufspielt, bejubelt wird wie andernorts Popstars. Dass die Leute mitsingen und paschen wie sonst bei DJ Ötzi. Nur schöner. Da wird nicht gegröhlt, sondern tatsächlich gesungen. Wer hier jodelt, kann es oder er hält den Mund. Und man bekommt eine Ahnung, was die Musik den Menschen hier bedeuten könnte: Verbundenheit.

Was wird Hubert von Goisern diesen Menschen sagen, denkt man sich. Das übliche Blabla, ich freue mich gaaanz besonders, in meiner Heeeeimat aufspielen zu dürfen, sieebzehn Jahre habe ich auf diesen Augenblick gewartet? Sagt er nicht. Er gesteht, sieben Jahre in Wien gelebt und sich dort WOHL gefühlt zu haben und bekommt dafür prompt ein paar Buh-Rufe. Meint aber, dass es sicherlich noch mehr Buh-Rufe gegeben hätte, wenn er behauptet hätte, er sei ein Gosinger. Und leistet sich gutmütige Scherze mit seinem Publikum: Er stellt seine Band vor, vier Musikerinnen sind Ladinerinnen, einer ein bisschen ein Wiener, eine Musikerin eine Bulgarin und vier kommen aus Oberösterreich. Den Applaus für die Oberösterreicher quittiert er mit der trockenen Bemerkung: “Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung.” Und er amüsiert sich über das geplante Einkaufszentrum, das werde wie Las Vegas, da kämen die Leute dann von überall her, aus Hallstadt, Gosau und Bad Ischl. Auf der anderen Seite bedankt er sich, dass ihm die Goiserer die Bühne so hingestellt haben, dass er eine wunderbare Aussicht auf den Krippenstein hat.

Das Konzert selber ist wundervoll, ein Feuerwerk an Überraschungen und musikalischer Virtuosität, eine Reise durch die Welt. Bei Passagen, die aus “der Heimat” stammen, singen die Leute mit, jeder scheint die Lieder zu können, das ganze Tal wird zu einem einzigen Jodler und ich lausche staunend der schönen Stimme der Frau, die neben mir steht. Umso mehr wundere ich mich, dass Hubert von Goisern plötzlich die Leute bittet, leiser zu sein, ich bin auf der anderen Seite gestanden und habe den Lärm nicht gehört. Er meint, dass die Leute da rechts drüben lauter seien als die Musik, wenn sie leise spielt. Wenn den Leuten fad sei, sollen sie doch näher her kommen. Später erfahre ich, dass wirklich so manchem fad gewesen sei, viele hätten das Konzert vorzeitig verlassen. Es seien die langsamen und stillen Nummern mit den langen Improvisationen gewesen, die so spät am Abend eher eingschläfernd gewesen seien. Die Leute hätten mehr nach seinen alten Hadern gelechzt als nach virtuos vorgetragenen Jazz- und Bluesinterpretationen. Wer geblieben ist, hat die alten Hadern jedenfalls noch bekommen.

Hubert von Goisern war da

Juni 3, 2008 um 9:45 pm | Veröffentlicht in Bad Goisern | 1 Kommentar
Schlagwörter: , , , , ,

Und, was hört man so darüber? Einige waren sehr zufrieden mit ihm, seiner Band und den neuen Songs. Andere waren nicht zufrieden, weil er seine alten Erfolge nicht spielte, bzw. nur 2 als Zugabe. Ich verstehe Letztere. Schliesslich geht man zu einem Konzert, auch um bekannte Songs zu hören, bei denen man mitsingen und mitklatschen kann und man fühlt sich dann, als hätte man einen alten Bekannten getroffen. Also die Mischung wars, die für viele nicht gestimmt hat. Ein wenig zu schwer waren auch die langsamen und langen Blues- und Jazznummern, die zwar virtuos vorgetragen wurden, aber erst um 22.30, da waren Alle vom Stehen schon müde und hätten etwas Aufpeitschendes gebraucht. So aber verliesen Viele bereits um 23 Uhr die Szene. Gespielt wurde noch bis ca. 24 Uhr, anschliessend ging es in den diversen Beisln von Goisern weiter. Da wurde dann halt schon viel getrunken, no na! Am Nachhauseweg entpuppten sich ein paar Lederhosenträger als Exhibitionisten und drehten sich während des Lulumachens vom Strauch weg, Richtung Strasse und zeigten ihr Gemächt uns Vorbeigehenden. Meine Bemerkung, wenn ich so was Kleines hätte, würde ich es nicht herzeigen, veranlasste die Burschen aber dazu, sich wieder den Büschen zuzuwenden und so endete der Abend friedlich. Ich war jedenfalls mit dem Auftritt von Hubert von Goisern vollauf zufrieden. Franz Kienesberger, Amateurmusikkritiker

Nächste Seite »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.